"Ethik kein Ersatz für Religionsunterricht"

Klaus Buhl

© epd-bild/Timm Schamberger

Klaus Buhl, scheidender Direktor des Religionspädagogischen Zentrums Heilsbronn (RPZ).

Plädoyer für Religionsunterricht
"Ethik kein Ersatz für Religionsunterricht"
Rund 30 Jahre hat Pfarrer Klaus Buhl am Religionspädagogischen Zentrum in Heilsbronn (RPZ) an der Aus- und Weiterbildung von Religionspädagogen mitgearbeitet, 20 Jahre als Direktor. Reli-Unterricht hält er für unverzichtbar - gerade heute.

Klaus Buhl ist kein Lautsprecher. Keiner, der den Konflikt sucht. Aber der Direktor des Religionspädagogischen Zentrum in Heilsbronn (RPZ) ist kämpferisch in der Sache. An Sinn und Zweck des konfessionellen Religionsunterrichts lässt er keine Zweifel aufkommen. Denn für manche Schüler sei der "Reli-Unterricht" der einzige Ort, an dem sie mit Kirche in Kontakt kommen, sagt Buhl (62), der am 23. Juli in den Ruhestand verabschiedet wird: "Diese Chance müssen wir nutzen!"

Nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit für das RPZ und 20 Jahren davon als dessen Chef tritt der Pfarrer mit gemischten Gefühlen in die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit. "Das RPZ ist gut aufgestellt", sagt er. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe er vieles mit auf den Weg bringen und begleiten können: Schulseelsorge, Inklusionsarbeit, Elementare Religiöse Früherziehung und anderes mehr. In seine Amtszeit fiel zum Beispiel auch die Integration der Evangelischen Medienzentrale ins RPZ.

Die bevorstehenden Kürzungen wegen knapper werdender Finanzen "erleichtern mir den Abschied", sagt Buhl. Denn Kürzungen von 25 Prozent oder mehr seien im religionspädagogischen Bereich nicht so einfach umsetzbar wie andernorts. Nicht etwa, weil die Widerstände auf Gemeindeebene gegen den Sparkurs geringer wären. "Wir sind in der zweiten, der praktischen Phase der Ausbildung tätig", betont Buhl. Refinanziert wird vom Kultusministerium, einseitige Kürzungen seien da schwierig.

Das RPZ ist nicht irgendeine Einrichtung, es ist die zentrale Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätte der bayerischen Landeskirche für Religionspädagogik - also für alle Religionspädagogen, staatlichen Religionslehrer und auch Pfarrerinnen und Pfarrer wichtig. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Einrichtung auch noch einmal deutlich gewachsen. Verschiedene andere landeskirchliche Einrichtungen, wie etwa die Evangelische Medienzentrale (EMZ) aus Nürnberg, wurden in das RPZ Heilsbronn integriert.

Dass das RPZ Heilsbronn generell eher geräuschloser arbeitet als so manche kirchliche Dienststelle oder Einrichtung, "liegt vielleicht auch an unserer sehr homogenen Zielgruppe - auch wenn die recht groß ist", sagt Buhl. Man müsse deshalb "nicht dauerhaft in der Öffentlichkeit stehen" oder für seine Ziele werben. "Aber manchmal - gerade in Sparrunden - wäre es schon gut, wenn wir zumindest in der kirchlichen Öffentlichkeit ein bisschen mehr zu hören wären", erläutert er durchaus selbstkritisch.

Dass der konfessionelle Religionsunterricht immer mal wieder grundsätzlich auch von der Politik in Frage gestellt wird, weiß Buhl. "Aber es ist doch auch im Interesse des Staates, dass die Schülerinnen und Schüler ein Fach haben, das sich mit Weltdeutung befasst." Ethikunterricht könne dafür einfach kein Ersatz sein - denn Religionslehrer vermittelten nicht nur Inhalte, sondern eben auch Haltung mit und in ihrem Glauben: "Diese Haltung zu entwickeln, spielt in der Ausbildung eine große Rolle."

"Weiter die Reli-Szene verfolgen"

Der auch für Schulen und den Religionsunterricht zuständige Oberkirchenrat im Landeskirchenamt, Stefan Blumtritt, sagt, Buhl habe mit seinem Team den evangelischen Religionsunterricht in Bayern "durch Aus-, Fort- und Weiterbildung maßgeblich geprägt" und das RPZ zu dem gemacht, was es heute ist. Der scheidende Direktor sei "ein stets verlässlicher und geschätzter Partner" gewesen, der mit ihm und seiner Abteilung im Landeskirchenamt manchmal auch habe geduldig sein müssen.

Dass das RPZ immer mal wieder wegen seiner abgeschiedenen Lage im kleinen mittelfränkischen Heilsbronn belächelt oder kritisiert wird - Direktor Buhl nimmt es gelassen. Dass das landeskirchliche Zentrum für die Aus- und Weiterbildung von Religionspädagogen im einstigen Zisterzienserkloster untergebracht ist, das mache den besonderen Charme aus. Das Gebäude strahle eine "ansteckende Ruhe" aus. Und auch die Nahverkehrsanbindung sei durch die S-Bahn "inzwischen in Ordnung".

Auch wenn Buhl künftig "weiter die Reli-Szene verfolgen" will - vor allem will er sich Dingen widmen, für die bislang weniger Zeit war. Im Herbst kommt das zweite Enkelkind zur Welt und auch das Wohnmobil wird er mit seiner Frau häufiger bewegen. Zudem freut sich Buhl darauf, bald mal wieder zur Verwandtschaft nach Teneriffa reisen zu können: "Ich genieße es, am Meer zu sein. Ich schwimme morgens um acht Uhr gerne in den Sonnenaufgang."

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