Marx: Habe nicht mit Papst-Nein zu Rücktrittsangebot gerechnet

Marx: Habe nicht mit Papst-Nein zu Rücktrittsangebot gerechnet

München (epd). Kardinal Reinhard Marx hat sich angesichts des Neins von Papst Franziskus zu seinem Rücktrittsangebot als Erzbischof von München und Freising überrascht gezeigt. Er habe „nicht damit gerechnet“, dass der Papst so schnell reagieren würde, und auch den Inhalt der Entscheidung habe er „so nicht erwartet“, heißt es in einer am Donnerstag vom Erzbistum München und Freising verbreiteten Stellungnahme von Marx. Er sei „bewegt über die Ausführlichkeit und den sehr brüderlichen Ton des Briefs“. Der Vatikan hatte das Papst-Schreiben an den Kardinal veröffentlicht.

Marx sagte weiter, er spüre, wie sehr Papst Franziskus „mein Anliegen versteht und aufgenommen hat“. Im Gehorsam akzeptiere er dessen Entscheidung, „so wie ich es ihm versprochen habe“. Marx will also sein zur Verfügung gestelltes Amt als Erzbischof weiter ausführen. Die Entscheidung des Papstes empfinde er als „große Herausforderung“: „Danach einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, kann nicht der Weg für mich und auch nicht für das Erzbistum sein.“

Die Entscheidung des Papstes bedeute für ihn und die „gemeinsame Arbeit“ im Erzbistum, „zu überlegen, welche neuen Wege wir gehen können“, auch angesichts einer „Geschichte vielfältigen Versagens“. Dabei stehe der Bischof „nicht alleine, und ich werde in den nächsten Wochen darüber nachdenken, wie wir gemeinsam noch mehr zur Erneuerung der Kirche hier in unserem Erzbistum und insgesamt beitragen können“, heißt es in der Erklärung von Marx weiter.

Am Donnerstag hatte der Vatikan in Rom mitgeteilt, dass Papst Franziskus den Rücktritt von Kardinal Reinhard Marx als Erzbischof von München und Freising ablehnt. In einem persönlichen Brief an Marx bat Franziskus ihn, im Amt zu bleiben. Marx, der seit 2008 an der Spitze des Erzbistums München und Freising steht, hatte vergangenen Freitag sein Rücktrittsangebot an den Papst öffentlich gemacht. Diesem hatte er seinen Wunsch am 21. Mai in einem Brief mitgeteilt. Mit diesem Schritt wollte der 67-jährige nach eigenem Bekunden Mitverantwortung übernehmen „für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“.