"Man ist dabei, aber nicht nahe dran"

"Man ist dabei, aber nicht nahe dran"
Kirchentag-Fans aus Bayern über die erste rein digitale ÖKT-Erfahrung
Dass der 3. Ökumenische Kirchentag wegen der Corona-Pandemie größtenteils nur digital stattfinden konnte, fanden viele Kirchentag-Fans gar nicht so schlimm. Allerdings: Die Begegnungen, das Emotionale und die Nähe seien virtuell zu kurz gekommen.
16.05.2021
Daniel Staffen-Quandt
epd

Heike Schneller-Schneider aus dem unterfränkischen Buchbrunn ist, so kann man es sagen, ein Kirchentags-Fan. "Kirchentage sind für mich immer ein Highlight", sagt sie - und ökumenische ganz besonders. Als sie vor einigen Wochen ihr Hotelzimmer in Frankfurt am Main storniert hat, war sie "richtig traurig", erinnert sie sich. Ihr Fazit am Sonntagmittag nach der Teilnahme am größtenteils digitalen 3. Ökumenischen Kirchentag: "Ganz anders." Aber durchaus gut. Vielleicht ein bisschen stressfreier. Allerdings auch deutlich weniger emotional: "Man ist dabei, aber nicht nahe dran."

Andere ÖKT-Teilnehmer kommen zu einem ganz ähnlichen Ergebnis. Florian Wiedner beispielsweise aus dem oberbayerischen Miesbach. Der junge Katholik wäre unter normalen Umständen mit einem ökumenischen Helferteam aus seiner Heimat nach Frankfurt gefahren, um bei der Organisation des Christentreffens zu helfen. Die Helfergruppe klinkte sich nun eben vor allem am Samstag digital ins Kirchentags-Geschehen ein. "Der Austausch mit anderen Teilnehmern hat in den digitalen Begegnungsräumen besser geklappt als gedacht - meiner Erfahrung nach sogar besser als die letzten Male in Präsenz", berichtet Wiedner.

Weniger Stress als sonst

Auch Diakon Peter Kessler von der Evangelischen Jugend Ingolstadt ist am Sonntagmittag zufrieden. Jedenfalls, was seine persönliche Wahrnehmung angeht: "Ich habe mir selbst einige Podiumsdiskussionen angesehen, das war gut." Auch er betont, dass sich durch die Möglichkeit, Veranstaltungen in der Mediathek ansehen zu können, der "Kirchentags-Stress", den man sonst von Präsenz-Kirchentagen kennt, reduziert hat: "Man muss eben nicht von Veranstaltungsort A zu Veranstaltungsort B hetzen. Alles ist nur einen Klick entfernt." Eine solche Mediathek sollte es auch bei künftigen Präsenz-Kirchentagen geben, findet er.

Pfarrerin Beate Krämer aus Abtswind in Unterfranken sagt, sie habe sich ein digitales Programm zusammengestellt, das "wie auf dem analogen Kirchentag" bunt gemischt gewesen sei: "Politisches Nachtgebet am Donnerstag, Podium zu Antisemitismus am Freitag, am Abend dann die große Oratorienaufführung, Bibelarbeit und mehrere Podien am Samstag, Abendmahl, Klimaschutz und Generationengerechtigkeit." Auch sie findet es toll, dass die Beiträge länger in einer Mediathek abrufbar sind: "Das werde ich sicher nutzen. Ich wünsche mir, dass diese Möglichkeit auch bei künftigen Kirchentagen besteht", betont sie.

Basisstimmen fehlten

Es gibt aber auch Kritikpunkte. "Der Kirchentag war toll vorbereitet, inhaltlich und technisch", sagt Krämer. Leider liege es wohl "in der Natur der Sache", dass er sehr amtskirchenlastig war, die Stimmen von der Basis hätten weitgehend gefehlt. Vor allem das Schlendern über den "Markt der Möglichkeiten" habe sie arg vermisst, dies sei sonst "ein Höhepunkt". Auch Heike Schneller-Schneider fehlte das Emotionale, Diakon Kessler vermisste vor allem "die vielen persönlichen Begegnungen, die das besondere Kirchentags-Gefühl ausmachen" und Florian Wiedner "die Nähe zu anderen Menschen - zu vielen anderen Menschen".

Ganz unterschiedlich waren die Erfahrungen mit ÖKT-Zusatzveranstaltungen vor Ort. Davon gab es in ganz Deutschland mehr als 300. In Abtswind gab es am Samstagabend einen ökumenischen Gottesdienst, dabei habe man sich darüber ausgetauscht, "wo wir uns als Konfessionen gegenseitig bereichern und was wir uns wünschen für die Ökumene", sagt Pfarrerin Krämer. In Buchbrunn lud das ökumenische "AtemHolen"-Team zum gemeinsamen ÖKT-Gucken ein: "Da waren auch Leute dabei, die nie extra nach Frankfurt gefahren wären." Anders in Ingolstadt: Das offene Angebot, gemeinsam virtuell am ÖKT teilzunehmen, sei kaum angenommen worden, sagt Diakon Kessler.

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