Christen verschiedener Konfessionen feiern zusammen Abendmahl

Christen verschiedener Konfessionen feiern zusammen Abendmahl
Die gemeinsame Feier von Abendmahl - katholisch Eucharistie - ist das größte Politikum zwischen den christlichen Konfessionen. Der Ökumenische Kirchentag setzte jenseits theologischer Differenzen ein Zeichen mit gemeinsamen Abendmahlfeiern.

Als Symbol für den Wunsch nach mehr Einheit unter den christlichen Konfessionen haben Protestanten, Katholiken und Orthodoxe am Samstag beim Ökumenischen Kirchentag zusammen Abendmahlfeiern abgehalten. Bei vier vom 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt organisierten Gottesdiensten traten jeweils Gläubige verschiedener Konfessionen vor den Altar, um das Sakrament zu empfangen. Die wechselseitige Teilnahme am Abendmahl ist ein wesentlicher theologisch begründeter Dissens im Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten. Der katholische Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz bat evangelische Christen um Verzeihung für "Hochmut" und "Herzenshärte" vonseiten seiner Kirche.

###empfehlung###

Der katholische Gottesdienst im Frankfurter Dom zog die größte Aufmerksamkeit auf sich, weil die Kirchenlehre dort besonders strikt ist. Dort feierten nach Kirchentagsangaben rund 150 Gläubige mit, darunter die evangelische Kirchentagspräsidentin Bettina Limperg, die bei der Eucharistiefeier eine Hostie erhielt. Ursprünglich sollte der evangelische Frankfurter Stadtdekan Achim Knecht in der katholischen Eucharistiefeier im Dom die Predigt halten. Dies wäre nach katholischem Recht bei einer Kommunionfeier nicht zulässig gewesen. Knecht zog seine Beteiligung daraufhin zurück.

Warnung vor "gnadenlosem Perfektionismus"

Sein katholischer Amtskollege Johannes zu Eltz dankte den Protestanten für den aufgebrachten "Langmut". In seiner Predigt vor rund 150 Besuchern im Frankfurter Dom rief er die Konfessionen dazu auf, mehr aufeinander zuzugehen. "Dass wir einander Liebe erweisen ist die Bedingung dafür, dass wir in Gott bleiben", sagte Eltz: "Lieblosigkeit in ökumenischen Beziehungen ist kein Kavaliersdelikt." Streben nach moralischer Integrität könne sich "in einen gnadenlosen Perfektionismus verwandeln", sagte er und fügte hinzu: "Deshalb müssen wir aus der Festung raus, solange es noch geht."

Rund 90 Personen feierten gemeinsam Gottesdienst und Abendmahl in der evangelischen Gemeinde Riedberg in Frankfurt. "Einige fürchten sich vor der Ökumene, weil sie meinen, ihnen wird etwas genommen", sagte die Frankfurter Gemeindereferentin Angela Köhler. An dem Gottesdienst nahm auch der katholische Kirchentagspräsident Thomas Sternberg teil.

Bedford-Strohm besucht Orthodoxe

An einem griechisch-orthodoxen Gottesdienst in der Frankfurter Gemeinde Prophet Elias nahmen nach Angaben des Kirchentags rund 20 Personen teil, darunter der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Auch die neue EKD-Synoden-Präses Anna-Nicole Heinrich wollte den orthodoxen Gottesdienst besuchen. Zum Gottesdienst in der Freien evangelischen Gemeinde in Frankfurt am Main kamen rund 60 Personen, die gemeinsam Abendmahl feierten. Unter den Besuchern waren die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Julia Helmke, und der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Marc Frings. Alle vier Gottesdienste wurden im Internet übertragen.

Schon am Vormittag hatten beim Ökumenischen Kirchentag bei einer Podiumsdiskussion Theologen dazu aufgerufen, in den Anstrengungen hin zu einem gemeinsamen Abendmahl nicht nachzulassen. 2019 hatte der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) das Dokument "Gemeinsam am Tisch des Herrn" veröffentlicht. Das Votum spricht sich für eine mögliche Teilnahme von Protestanten an der katholischen Eucharistie und von Katholiken am evangelischen Abendmahl aus, ohne dass konfessionelle Unterschiede geleugnet werden. Der Vatikan hatte gegenüber dem Papier theologische Zweifel geäußert.

Meldungen

Top Meldung
Flüchtlingsrettung Mittelmeer
Die westfälische Präses Annette Kurschus fordert die Wiederaufnahme der staatlichen Seenotrettung im Mittelmeer. Sie beklagt einen Mangel an Mitgefühl und Barmherzigkeit.