Dänemark plant Übersetzungspflicht für Predigten

dänische Predigten sollen übersetzt werden.

©JEK/CC BY-SA 3.0 /Wikimedia Commons

In der Haderslebener Marienkirche finden neben den dänischen weiterhin regelmäßig deutsche Gottesdienste statt. Die deutschen Predigten sollen künftig übersetzt werden.

Dänemark plant Übersetzungspflicht für Predigten
Das dänische Parlament will in der zweiten Märzhälfte darüber entscheiden, ob künftig alle anderssprachigen Predigten, die im Land gehalten werden, ins Dänische übersetzt werden müssen.

Wie die "Evangelische Zeitung" in ihrer aktuellen Ausgabe (20. Februar) berichtet, ist es Ziel des Regierungsvorschlags, die Inhalte von Predigten in ausländischer Sprache transparenter zu machen. Dänemarks sozialdemokratische Regierung will damit gegen islamistische Hassprediger vorgehen, die derzeit in dänischen Moscheen auf Arabisch demokratische Grundwerte kritisieren. Betroffen wären aber auch deutschsprachige Kirchengemeinden nördlich der Grenze.

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf müssten die Nordschleswiger Pastoren sämtliche Predigten übersetzen und an das dänische Kirchenministerium senden. "Allein der praktische Aufwand ist kaum zu stemmen", sagt der Pastor von der Kirche Nordschleswig, Matthias Alpen. Er kritisierte zudem, dass sämtliche Glaubensgemeinschaften Dänemarks mit nichtdänischen Predigten durch das Gesetz über einen Kamm geschoren werden. "Es könnte der Eindruck entstehen, es gäbe einen Generalverdacht", sagte Alpen.

"Undemokratisch, praxisfern und absurd"

Die deutsch-dänische Kieler Pastorin Annie Lander-Laszig bezeichnet den Gesetzentwurf als "undemokratisch und praxisfern". Alle übersetzten Predigten müsse schließlich auch jemand lesen, sonst mache es keinen Sinn. "Wer soll das leisten? Es ist absurd", sagte Lander-Laszig, die Ehrenvorsitzende der Deutsch-Dänischen Gesellschaft ist. Sie befürchtet "katastrophale Folgen" für die deutsch-dänische Beziehung, wenn das Gesetz in Kraft tritt.

Deutsche und dänische Bischöfe hatten den Plan der dänischen Regierung bereits im November mit einem gemeinsamen Brief an mehrere Minister scharf kritisiert. Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard und seine dänischen Kollegen aus Hadersleben, Ripen und Kopenhagen erklärten, eine solche Gesetzgebung bringe ein hohes Maß von Misstrauen gegenüber der Sprachtradition der Minderheit zum Ausdruck.

Die deutsche Volksgruppe im dänischen Nordschleswig umfasst heute etwa 15.000 Mitglieder. Sie unterhält eigene Kindergärten, Schulen und Büchereien und gibt eine eigene Tageszeitung heraus. Die deutsche Kirche in Nordschleswig gliedert sich in fünf Pfarrbezirke und 30 Kirchengemeinden. Der dänischen Minderheit im deutschen Landesteil Schleswig gehören etwa 50.000 Menschen an.

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