Reformierte: Ab Inzidenz von 200 auf Präsenzgottesdienste verzichten

Gottesdienstbesucher in Berliner Kirche

©Christoph Soeder/dpa

Die Evangelisch-reformierte Kirche empfiehlt ihren Gemeinden ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 in einem Landkreis oder einer Stadt auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, respektiert und trägt aber sowohl Präsenzgottesdienste mit Hygienekonzept als auch alternative Gottesdienstangebote ohne Präsenz mit.

Reformierte: Ab Inzidenz von 200 auf Präsenzgottesdienste verzichten
Augsburgs evangelischer Regionalbischof verteidigt Gottesdienste im Corona-Lockdown
Die Evangelisch-reformierte Kirche empfiehlt ihren Gemeinden ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 in einem Landkreis oder einer Stadt auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Grundsätzlich entschieden darüber jedoch die Kirchengemeinden "selbstständig, sachkundig und mit hohem Verantwortungsbewusstsein", so Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Bereits im Dezember hätten 30 bis 40 Prozent der bundesweit 145 reformierten Gemeinden entschieden, bis auf weiteres auf Präsenzgottesdienste zu verzichten.

Auch die lippische Landeskirche hat ihren Gemeinden geraten, wegen der hohen Infektionszahlen bis Ende Januar auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Das Erzbistum Berlin hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 200 übersteigt, Gottesdienste mit Besuchern abgesagt würden.

Gottesdienste dürfen trotz der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie weiter gefeiert werden, wenn Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Heimbucher sagte am Dienstag in Leer dem epd, dass die Evangelisch-reformierte Landeskirche sowohl Präsenzgottesdienste mit Hygienekonzept als auch alternative Gottesdienstangebote ohne Präsenz respektiere und mittrage. Das gelte auch bei einer weiteren Verschärfung des Lockdowns. Die Gesundheitsämter hätten bestätigt, dass in Gottesdiensten kein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe, wenn die Hygienekonzepte eingehalten werden. Das bedeute: Eingang und Ausgang der Kirchen müssen überwacht werden, die Gemeindeglieder müssen mit einem Mund-Nasen-Schutz auf Abstand sitzen und dürfen nicht singen.

Bereits seit dem vergangenen Frühjahr habe reformierte Kirche ihren Kirchengemeinden zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, um technische Geräte für digitale Gottesdienstformate anzuschaffen. Etwa 150.000 Euro seien bisher dafür abgerufen worden, so Heimbucher. Sehr viele Kirchengemeinden seien nun gut ausgestattet. Über die bereits vermittelten Fortbildungen hinaus kündigte er weitere Schulungen für Interessierte in den Gemeinden an.

Augsburger Regionalbischof verteidigt Gottesdienste

Augsburgs evangelischer Regionalbischof Axel Piper verteidigte das Feiern von Gottesdiensten im Corona-Lockdown. "Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft", sagte Piper dem epd: "Schon alleine deshalb halte ich es für gerechtfertigt, dass die Kirchen offen bleiben." Die Kirchengemeinden hätten in der Pandemie von Anfang an "peinlich genau" darauf geachtet, die Hygienevorschriften einzuhalten. "Bei einem Gottesdienst besteht keine Ansteckungsgefahr." Er wisse aber, dass auch andere dies für sich reklamierten, räumte Piper ein. "Und es tut mir leid für alle, die schließen müssen - und die die Gesellschaft dringend braucht, wie etwa Kulturbetriebe oder Vereine."

Gottesdienste sind in Bayern derzeit unter strengen Auflagen möglich. Die Besucherzahl ist beschränkt, die Feiern finden ohne Gemeindegesang statt. Dass viele Gemeindemitglieder deshalb zu Hause bleiben müssen, bereite ihm durchaus Sorgen. Er frage sich "wie es sein wird, wenn Gottesdienste wieder normal stattfinden können: Haben sich die Menschen den Kirchgang dann abgewöhnt?" Piper zeigte sich überzeugt, dass nach der Pandemie "unsere normalen Präsenzgottesdienste noch einmal auf den Prüfstand kommen". So müsse man möglicherweise die Länge der Gottesdienste überdenken: "Das ist etwas, das uns Corona gelehrt hat: Gottesdienste können kurz sein und funktionieren dennoch - genauso wie ein Gottesdienst per Video-Stream."

Superintendentin: Verzicht auf Gottesdienste freiwillig 

Der evangelische Kirchenkreis Gifhorn hat nach einem Gespräch mit dem Krisenstab des Landkreises empfohlen, auf Gottesdienste bis Ende Januar zu verzichten, als Inzidenzzahlen zeitweise über 250 lagen. Dem epd sagte die leitende Superintendentin Sylvia Pfannschmidt, dass sie darin keinen Eingriff in die Religionsfreiheit sehe, sondern verantwortliches Handeln. Sie betonte, "wenn akute Fälle von Infektionsherden bei Gottesdiensten eingetreten sind, kann ich eine Verschärfung akzeptieren. Wenn sie ganz entfallen sollen, erwarte ich eine vorherige Rücksprache mit den Kirchenvertretenden, damit dies auch vor Ort gut kommuniziert werden kann." Ein gutes Gespräch und Abstimmungen mit dem Krisenstab des Landkreises und den Kirchen seien eine gute Grundlage. In Gifhorn habe es diese klärenden Gespräche gegeben. Die Gottesdienste seien ja nicht verboten worden, sondern es gebe die dringende Empfehlung, sie abzusagen - oder sie zumindest unter strengeren Bedingungen durchzuführen.

In einem Verzicht auf Präsenzgottesdienste sieht Pfannenschmidt keinen Eingriff in die Religionsfreiheit: "Ein Verzicht ist freiwillig. Die Kirchengemeinden haben ihn aus Solidarität geleistet - und um alles erdenkliche dafür zu tun, damit die Zahlen sinken. Die Ausübung unserer Religion wird dadurch nicht grundsätzlich beeinträchtigt. Es gibt die Möglichkeit, im Internet und im Fernsehen Gottesdienste zu feiern. Auch Beerdigungen finden weiter statt, wenn auch unter verschärften Bedingungen."

Pfannschmidt sieht in einem Verzicht auf Präsenzgottesdienste auch ein Signal an diejenigen, die im Krankhaus Dienst tun und auch an diejenigen, die ihre Restaurants oder Geschäfte nicht öffnen dürfen. "Wir als Kirche tragen mit dazu bei, dass die Inzidenzzahlen nicht noch mehr steigen. Bislang gab es kaum Widerstände und Unverständnis wegen der Absage von Präsenzgottesdiensten." 

Meldungen

Top Meldung
Priester und Pfarrer beim Abendmahl
Auf dem kommenden Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt soll es nach dem Willen einzelner Gemeinden zur wechselseitigen Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl kommen. Eine Gruppe von Theologen hat dazu eine Erklärung formuliert.