Bedford-Strohm: Zusammenwachsen statt Spaltungen beklagen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zur Interkulturellen Woche

© epd-bild/Anke Kristina Schaefer

Bei der bundesweiten Eröffnung der Interkulturellen Woche hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, gemahnt, gemeinsam für Werte einzustehen (Archivfoto von der Eröffnung der 40. Interkulturelle Woche).

Bedford-Strohm: Zusammenwachsen statt Spaltungen beklagen
Hass, Antisemitismus oder Ausgrenzungen nicht tatenlos zusehen - bei der bundesweiten Eröffnung der Interkulturellen Woche haben Religionsvertreter gemahnt, gemeinsam für Werte einzustehen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief bei der Eröffnung zum Zusammenleben und Zusammenwachsen über nationale, kulturelle oder religiöse Hintergründe hinweg auf.

Es reiche nicht aus, "Spaltungen zu beklagen, Egoismen anzuprangern und gegen Ausgrenzungen zu protestieren", sagte der bayerische Landesbischof am Sonntag in einer Predigt im Münchner Liebfrauendom. Die Anschläge des vergangenen Jahres, Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit versuchten, die Gesellschaft zu spalten. Vor dem Hintergrund des Münchner Oktoberfest-Attentats vor 40 Jahren sagte Bedford-Strohm, es sei beunruhigend, "wenn politische Kräfte am rechten Rand versuchen, solches Gedankengut heute wieder salonfähig zu machen".

Gott bringe Heil und Heilung dort hin, "wo es kalt und nass, wo es dreckig und lebensgefährlich ist, dort war und ist er solidarisch", sagte der Landesbischof in seiner Predigt weiter. Die Kirchen mischten sich in Flüchtlingsfragen ein, weil Jesus seinen Jüngern gesagt habe, "was ihr den Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan hat, das habt ihr mir getan". "Was, wenn es wirklich unser Herr Jesus Christus wäre, der in Moria vor dem Feuer weggerannt ist", fragte Bedford-Strohm mit Blick auf den Großbrand in dem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos Anfang September.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx erinnerte in seiner Einführung an das Oktoberfest-Attentat vor 40 Jahren, das 13 Todesopfer und mehr als 200 Verletzte gefordert hatte. Der Gottesdienst und die Interkulturelle Woche sollten auch ein Zeichen gegen Hass, Antisemitismus, die Verachtung anderer und nationalistische Hetze sei, sagte Marx laut Mitteilung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Gemeinsames Wort der Kirchen 

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, beklagte dass "grundlegende Werte unserer Gesellschaft so gefährdet sind, wie lange nicht mehr". In ihrem Grußwort, das verlesen wurde, mahnte sie, dem gemeinsam entgegenzutreten sei "Aufgabe unserer Zeit".

Im Gemeinsamen Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2020 wiesen der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, Bedford-Strohm, und Metropolit Augoustinos auf die besondere Umstände hin, unter denen die diesjährige Interkulturelle Woche stattfindet: "Die Coronavirus-Pandemie hat unseren Alltag und das Leben von Menschen weltweit in drastischer Weise verändert", heißt es darin.

Bei der bundesweiten Interkulturelle Woche steht das Gedenken an die Opfer des Oktoberfest-Attentates von 1980 im Mittelpunkt. Die Interkulturelle Woche findet in mittlerweile mehr als 500 Städten und Gemeinden statt. Sie geht auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der EKD und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie zurück.

Am Samstag hatte bei einer Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des Oktoberfest-Attentats am Eingang der Wiesn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu aufgerufen, die Erinnerung an die Opfer rechtsextremistischer Terrortaten wachzuhalten. Steinmeier warnte davor, bei rechtsextremistischen Netzwerken wegzuschauen, und zählte unter anderem den NSU-Prozess, die Drohschreiben des NSU 2.0, Waffenfunde und Feindeslisten sogenannter Preppergruppen aber auch die Aufdeckung einer rechtsextremen Chatgruppe innerhalb der Polizei in Nordrhein-Westfalen auf.

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