Corona-Ausbruch in freikirchlicher Gemeinde

Corona-Ausbruch in freikirchlicher Gemeinde
Landkreis leitet Ordnungswidrigkeitsverfahren ein
In den vergangenen Monaten waren in Deutschland schon öfter Kirchen von Corona-Ausbrüchen betroffen. Diesmal geht es um eine Gemeinde bei Bremen. Der Verdacht: Singen im Gottesdienst könnte die Ursache sein.

Westertimke (epd). In der freikirchlichen Christengemeinde in Westertimke bei Bremen gibt es einen größeren Corona-Ausbruch. Die Infektionszahlen in der Gemeinde und ihrem Umfeld sind am Freitag nochmals gestiegen, wie der Landkreis Rotenburg mitteilte. Am Donnerstag meldete das zuständige Gesundheitsamt in diesem Zusammenhang noch 26 Fälle, am Freitag bereits 43. Die Entwicklung soll auch rechtliche Folgen haben. "Es werden mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet", hieß es. Über 200 Testergebnisse vom Vortag stünden noch aus. Es sei mit weiter steigenden Zahlen bei Infektionen und Quarantäne zu rechnen.

Der Ausbruch wird mit einem Gottesdienst, in dem gesungen wurde, in Verbindung gebracht. Bis auf weiteres sind der Gemeinde alle Zusammenkünfte untersagt. Ein Sprecher der Christengemeinde sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag, es sei schwierig, auf Anhieb die Ursache der Infektionen herauszufinden.

Von dem Ausbruch sind nach Angaben des Landkreises auch drei Kindergärten und vier Schulen betroffen. Die Mitschüler in den entsprechenden Klassen stünden unter Quarantäne. Das Gesundheitsamt habe mit den betroffenen Personen Kontakt aufgenommen und teste weiter. Im gesamten Landkreis seien seit Ausbruch der Pandemie bisher insgesamt 267 Covid-19-Fälle gezählt worden.

Die erste Infektion in Westertimke sei am 14. September nach einem Gottesdienst am Vortag registriert worden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde, Robert Gaydacz, dem epd. Behauptungen, die Gemeinde habe kein Hygienekonzept gehabt und wolle nicht mit dem Gesundheitsamt zusammenarbeiten, wies er als Verleumdung zurück. "Das entbehrt jeder Grundlage." Gaydacz sagte, im Gottesdienst sei bis zuletzt offen gesungen worden, so wie vor der Corona-Zeit.

Die Mitglieder der Christengemeinde treffen sich auf dem Gelände einer ehemaligen Bundeswehr-Kaserne, dem heutigen "Timke-Park". Die Gottesdienste wurden dort laut Gaydacz zuletzt in zwei großen Räumen mit dem gebotenen Sicherheitsabstand zwischen den Besuchern gefeiert. Zur Gemeinde gehören nach seinen Angaben zwischen 80 und 100 Mitglieder, etwa 60 haben nach seiner Schätzung am letzten Gottesdienst vor dem Corona-Ausbruch teilgenommen.