Zunehmende Konflikte in Pflegeheimen mit Besuchern

Zunehmende Konflikte in Pflegeheimen mit Besuchern

Vier Wochen nach Ende des Besuchsverbotes in Pflegeheimen kommt es offenbar häufig zu Konflikten mit Besuchern wegen der Corona-Schutzmaßnahmen. Es komme zu Diskussionen und sogar zu Aggressivität gegenüber Beschäftigten, sagte der nordrhein-westfälische Landesbeauftragte des Verbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Hans Peter Knips, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Samstag): "Wir haben oft verbale Auseinandersetzungen mit Angehörigen, die bis an die Grenze des Ertragbaren gehen." Auch wenn Infektionszahlen zurückgingen, müssten die Heime nach wie vor vorsichtig sein. "Wenn wir das Virus einmal im Haus haben, ist das ein Dammbruch", warnte Knips.

Es gebe sehr vorsichtige Besucher, aber auch jene, denen Schutzregeln völlig egal seien, sagte der Vorstand des Verbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen in NRW, Helmut Wallrafen, der Zeitung. "Die Tendenz, uns saftige Beschwerdebriefe zu schreiben oder Mitarbeiter vor Ort anzugehen, weil man auf den Sicherheitsabstand hinweist, nimmt zu." Die Heime stellten Masken, die anfangs Mangelware waren und inzwischen sogar abgelehnt würden.

Angehörige beklagten, dass viele Heime ihnen den Zugang verwehrten, obwohl Besuche unter Auflagen des Landes seit Anfang Mai möglich sind. Das Land Nordrhein-Westfalen hat am Freitag eine Dialogstelle eingerichtet, um Konflikte in Pflegeheimen zu lösen.

Nach fast zwei Monaten Besuchsbeschränkungen in Pflegeheimen als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus haben inzwischen alle Bundesländer Lockerungen angeordnet. In Nordrhein-Westfalen können seit dem 10. Mai Pflegeheimbewohner in der Regel unter gewissen Auflagen wieder besucht werden; dort gibt es laut Sozialministerium 2.200 Altenheime mit etwa 170.000 Bewohnern.

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