Anja Bäcker/plainpicture
Fastenaktion 7 Wochen ohne
Warum ich faste
"Fastest du?" Das Weinglas steht vor mir, es bleibt leer. "Es ist doch Sieben Wochen ohne", sage ich mit leichtem Bekennerton. Augenbrauen gehen hoch. "Hast du das nötig?" Mein Mineralwasser perlt, ich spüre eine Defensive. "Ist es der Alkohol?" Als hätte ich ein Problem. "Nein, ich will etwas anders machen." Mein unbedeutender Verzicht sorgt für eine Diskussion.
"Ist ja auch gesund mal für einige Wochen", sagt jemand und: "Man trinkt ja schnell ein Glas zu viel." "Sieben Wochen? Das ist eine Leistung." Im Dry January hat niemand etwas gesagt. "Sieben Wochen ohne", weckt Redebedarf. Alle kommentieren, jede und jeder weiß etwas über das Fasten. Die einen loben den Verzicht. Andere haben das überwunden. Es ist, als säße ich in einer Expert:Innenrunde. Der Einzige, der hier "Sieben Wochen ohne" macht, bin ich, mein Weinglas bleibt leer.
Ich habe mich in einer großen Buchhandlung umgesehen. "Fastenbücher? Finden Sie bei den Sachbüchern, erste Etage." Die Regale verheißen: "Gesundheit", "Vitalität", "Psychologie". Nahtlos geht es weiter mit: "Partnerschaft und Beziehung", "Mental Health", "Achtsamkeit" und ganz am Ende "Spiritualität" – da steht übrigens auch eine Bibel.

