TV-Tipp: "Der Name der Rose"

Altmodischer Fernseher vor einer Wand

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Der Name der Rose"
10.4., Servus TV, 20.15 Uhr
Als Umberto Eco 1980 "Der Name der Rose" veröffentlichte, war der finanzielle Erfolg eine ähnliche Überraschung wie der Roman selbst; der vor vier Jahren verstorbene Italiener hatte sich außerhalb seiner Heimat vor allem als Wissenschaftler einen Namen gemacht. Eco war Philosoph und einer der bedeutendsten Zeichentheoretiker überhaupt.

Sein Romandebüt wimmelt daher nur so von philosophischen und semiotischen Einschüben; ganz zu schweigen von den Anspielungen auf die zeitgenössische italienische Politik. Anders gesagt: Im Grunde ist das Buch unverfilmbar. Trotzdem ist Jean-Jacques Annauds Adaption aus dem Jahr 1986 bis heute ein Klassiker: weil das Drehbuch die Geschichte weitgehend auf ihren kriminalistischen Kern reduziert hat; und weil Sean Connery famos war. Vor einiger Zeit hat sich die Tele München Gruppe mit italienischen Partnern zusammengetan, um Ecos Roman als 26 Millionen Euro teure Serie zu verfilmen, die gegenüber dem Kinofilm einen gewaltigen Vorteil hat: Die Autoren hatten viel mehr Zeit, um der Vorlage gerecht zu werden.

Natürlich sind die acht Folgen kein Philosophieseminar, aber die theologischen Dispute haben einen ganz anderen Stellenwert als im Kinofilm. Hauptdarsteller John Turturro ist ein ganz anderer Typ als Sean Connery, aber er macht seine Sache sehr ordentlich. Der Amerikaner war auch am Drehbuch beteiligt. Er verkörpert den Helden der Geschichte, den Franziskanermönch William von Baskerville, als moderne Figur ohne jeden Dünkel ("Wir sind alle Kinder Gottes"). William ist seiner  Zeit, dem 14. Jahrhundert, weit voraus und allen anderen Figuren hinsichtlich Intellekt und Bildung deutlich überlegen; seine bestaunte Lesebrille ist deutlich sichtbares Zeichen für seinen Wissensvorsprung. Wenn er predigt, dass es nur einen Weg gegen Dunkelheit und Hass gebe – "die Menschen Weisheit und wissen lehren" –, hat die Serie durchaus aktuelle Bezüge; erst recht, wenn der Mönch ganz im Sinne des heiligen Franziskus eine Abkehr der Kirche von irdischen Reichtümern und eine Rückbesinnung auf die Wurzen fordert. Auch andere Sätze sind hochpolitisch: "Während wir von einer besseren Welt träumen, führen Blinde andere Blinde an den Rand des Abgrunds."

Kein Wunder, dass die physiognomisch sehr markant besetzten Bewohner der Benediktinerabtei, in der die Handlung spielt, im Vergleich zum weitgereisten Franziskaner rückständig und mittelalterlich wirken. William hält sich dort auf, um mit Abgesandten des Papstes theologische Fragen zu erörtern. Die Handlung trägt sich zur Zeit des avignonesischen Papsttums zu; Johannes XXII. beanspruchte die absolute Autorität über Herrscher und Völker, während sein Gegenspieler, der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, eine Trennung von Politik und Religion forderte. Im Verlauf der Serie tritt dieser Disput in den Hintergrund, denn es kommt zu mehreren mysteriösen Todesfällen unter den Mönchen, die in der legendären Bibliothek der Abtei beschäftigt sind.

Der fast 700 Seiten lange Roman enthält eine Vielzahl von Abschweifungen und Nebenhandlungen, für die im Film keine Zeit war; in dieser Hinsicht ist die Serie werkgetreuer. Trotzdem lebt auch sie vor allem vom Scharfsinn der mönchischen Detektivs. Sein jugendlicher Begleiter dient im Wesentlichen als Projektionsfläche: Ähnlich wie bei Sherlock Holmes und seinem Freund Watson nutzen die Autoren den 17jährigen Adlatus Adson als Stellvertreter des Publikums, damit William seine Analysen vortragen kann. Gespielt wird der Schüler von Damian Hardung, einem der ausgezeichneten jungen Darsteller aus der Vox-Serie "Club der roten Bänder". Als weiteren namhaften deutschen Mitwirkenden konnten die Produzenten Sebastian Koch in einer Nebenrolle als Adsons Vater gewinnen. Die ungleich wichtigere Figur wird jedoch vom Briten Rupert Everett verkörpert: Bernardo Gui, anders als William von Baskerville eine authentische Person, ist der Abgesandte des Papstes und Williams Gegenspieler; ein dominikanischer Inquisitor und Hexenjäger, der auf dem Weg zum Kloster eine blutige Spur hinterlässt. Bei der Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern geht es um nicht weniger als um die Deutungshoheit über die Bibel.

Die Serie ist nicht gewaltfrei, was angesichts der Zeit und des Stoffs auch kaum möglich gewesen wäre, aber durchaus feiertagstauglich, die Bildgestaltung ist von großer Sorgfalt. Der auch in Deutschland frei empfangbare österreichische Sender Servus TV zeigt "Der Name Rose" Karfreitag bis Ostermontag ab 20.15 Uhr jeweils in Doppelfolgen.

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