Coronavirus: Epidemie-Expertin beklagt "Angst und Hysterie"

Coronavirus: Epidemie-Expertin beklagt "Angst und Hysterie"
Die Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission, Gisela Schneider, beobachtet in Deutschland eine "Epidemie der Angst und Hysterie". Die Reaktionen auf das Coronavirus zeigten, dass die Gesellschaft nicht mehr gewohnt sei, mit Krisen umzugehen, sagte Schneider dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch in Tübingen. Für unberechtigt und unsolidarisch halte sie beispielsweise Hamsterkäufe: "Corona wird uns nicht von der Nahrung abschneiden."
11.03.2020
Marcus Mockler
epd

Die Medizinerin hat in den vergangenen Jahren in Liberia, Sierra Leone und dem Kongo den Kampf gegen das Ebola-Virus unterstützt. Während mehr als die Hälfte der Ebola-Infizierten an der Krankheit stürben, liege die Todesrate bei Corona derzeit im Promillebereich. Dennoch hätten die meisten Afrikaner trotz der Bedrohung von Ebola ihr Leben zuversichtlich weitergelebt.

Die behördlichen Anweisungen sind nach Schneiders Einschätzung angemessen. Der Verzicht auf den Handschlag zur Begrüßung und das Bereitstellen von Desinfektionsmitteln sei sinnvoll. Auch das Verbot von Großveranstaltungen wie Fußball-Bundesliga-Spielen halte sie für richtig, weil dort Körperkontakt unter den Besuchern kaum zu vermeiden sei.

Übertrieben finde sie dagegen Absagen kleiner Konferenzen in gut belüfteten Räumen. Dort könne sich jeder durch ausreichenden Abstand und Beachtung von Hygieneregeln schützen. Alten und immungeschwächten Menschen empfiehlt die Ärztin dagegen, zu Hause zu bleiben und beispielsweise nicht in den Supermarkt zu gehen, weil man dort leicht mit den Viren in Berührung kommen könnte.

Kirchliche Veranstaltungen sollten nach Schneiders Überzeugung nicht abgesagt werden. Bei der Bewältigung der Ebola-Krise in Afrika hätten die Kirchen eine wichtige Rolle gespielt, etwa im gemeinsamen Gebet gegen die Krankheit. Aus ihrer Sicht stelle sich in der aktuellen Situation in Deutschland die Frage: "Wie werden wir wieder eine resiliente und solidarische Gesellschaft?"

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