TV-Tipp: "Schneewittchen muss sterben" (3sat)

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TV-Tipp: "Schneewittchen muss sterben" (3sat)
7.1., 3sat, 20.15 Uhr
Es hat erstaunlich lange gedauert, bis das Fernsehen Nele Neuhaus entdeckt hat. Als das ZDF 2013 den ersten Taunus-Krimi ausgestrahlt hat, hatten ihre Romane bereits eine Gesamtauflage von 3,5 Millionen Exemplaren erreicht; allein "Schneewittchen muss sterben", dessen Verfilmung 3sat heute wiederholt, hat sich über 900.000 Mal verkauft.

Die Bücher leben nicht zuletzt von ihrer Atmosphäre: Die Autorin hat dem Taunus zumindest bei den Fans ihrer Krimis zu überregionalem Ruhm verholfen. Selbstredend hat sich auch der Todesfall, der den Ausgangspunkt dieser Geschichte bildet, im Wald zu getragen: Kurz nach einer Aufführung des Märchens "Schneewittchen und die sieben Zwerge" auf einer Waldbühne ist die Hauptdarstellerin offenbar ermordet worden; allerdings ist ihre Leiche verschwunden. Aufgrund von Indizien und Zeugenaussagen hat ein junger Mann viele Jahre im Gefängnis verbracht. Nun ist er wieder frei und kehrt in seinen Heimatort zurück, was die Dorfbewohner naturgemäß in größere Aufregung versetzt. Kurz drauf hängt sich der frühere Schulrektor auf, natürlich im Wald, aber weil sich kein Stuhl oder Hocker findet, ist er vielleicht ebenfalls ermordet worden.

Dank ihrer langjährigen Arbeit für die ZDF-Krimireihe "Der Kommissar und das Meer" (nach den Büchern von Mari Jungstedt) weiß Henriette Piper genau, wie man Kriminalromane adaptiert: indem man sich auf das Wesentliche konzentriert, möglichst originalgetreu die Atmosphäre einfängt und sich ansonsten auf das Gespür der Romanautorin verlässt, was die Zeichnung der Charaktere angeht. Daher ist der Film von lauter interessanten Figuren bevölkert, die zudem namhaft besetzt worden sind. Ulrike Kriener beispielsweise spielt eine vergleichsweise kleine, aber für den Verlauf der Geschichte wichtige Rolle als Mutter eines grundverschiedenen Zwillingspaars (Florian Bartholomäi in einer Doppelrolle): Der eine Bruder ist ein Schnösel, der den verurteilten Mörder damals belastet hat, der andere bewegt sich auf dem geistigen Niveau eines Sechsjährigen.

Darstellerisch eine Klasse für sich ist allerdings Vladimir Burlakow, der zuvor schon als "Marco W." (Sat.1) sowie an der Seite Krieners in einem Film der Reihe "Kommissarin Lucas" ("Am Ende muss Glück sein") beeindruckende Leistungen gezeigt hat. Er spielt Tobias Sartorius, den vermeintlichen Mörder, an dessen Schuld selbst die Polizei mittlerweile zweifelt, und versieht den jungen Mann mit einer beträchtlichen Portion Melancholie. Das Ermittler-Duo dagegen wird wohl erst im bereits abgedrehten zweiten Film ("Eine unbeliebte Frau") zueinander finden; zum Auftakt fremdeln der überaus korrekte Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) und die seit einer Vergewaltigung traumatisierte Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) noch etwas, was natürlich auch seinen Reiz hat. Großen Anteil an der Wirkung der Bilder (Kamera: Johann Feindt) hat die akustische Ebene: Erst die Tonspur (Sounddesign: Mathias Maydl, Tonmeister: Michael Felber) sorgt für die Abgründigkeit des Films. Erbsenzähler werden allerdings darüber stolpern, dass die Polizei nicht weiß, wie lange der erste Mord zurückliegt: Einmal sind es sieben, einmal acht Jahre. Und am Ende wird die Auflösung allzu wortreich erläutert. Kurzweilig ist der Krimi dennoch, dafür steht schon allein der Name des Regisseurs: Filme von Manfred Stelzer sind immer sehenswert.

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