Aufrufe zu Zusammenhalt und Engagement

Aufrufe zu Zusammenhalt und Engagement
Der Bundespräsident mahnt zu Weihnachten: "Derzeit braucht die Demokratie vor allem uns." Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm und Kardinal Marx warnen davor, immer nur die eigenen Interessen im Blick zu haben.

Politik und Kirchen haben an Weihnachten zu Zusammenhalt und Engagement für das Gemeinwohl aufgerufen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, die Deutschen lebten seit 30 Jahren in Einheit, Freiheit und Demokratie. Das dürfe aber nicht als selbstverständlich genommen werden. "Wir brauchen die Demokratie", sagte der Bundespräsident und ergänzte: "Aber ich glaube: Derzeit braucht die Demokratie vor allem uns." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, warnte vor Selbstbezogenheit und Egoismus. Für Kardinal Reinhard Marx ruft Weihnachten alle Menschen zu tätiger Solidarität auf.

Steinmeier sagte in seiner Ansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wurde, in diesem Jahr sei mehr miteinander gesprochen und gestritten worden. Er verwies auf die Ergebnisse der Landtagswahlen im Osten Deutschlands, die Debatten um die innere Einheit zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution und die Diskussion um Klimaschutz. Die Frage sei nun, wie aus Reibung Respekt, aus Dauerempörung ordentliche Streitkultur und aus Gegensätzen Zusammenhalt werde. Die Antwort müssten in einer Demokratie die Bürger geben. "Sie alle haben ein Stück Deutschland in Ihrer Hand", sagte das Staatsoberhaupt.

Steinmeier erinnert an Anschlag in Halle

Der Bundespräsident erinnerte an den antisemitischen Anschlag in Halle, bei dem zwei Menschen ermordet wurden. Das Bild der Synagogentür in Halle, die den Schüssen des Attentäters standhielt, habe sich ihm tief eingeprägt. Diese Tür stehe für mehr: "Sie steht auch für uns", sagte Steinmeier. Bürger hielten dagegen, wenn Schwächere angepöbelt werden oder rassistische Sprüche fallen. Sie packten helfend mit an und würden ihre Stimme im Internet erheben: "Weil das so ist, verbindet uns eben viel, viel mehr als uns trennt."

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm warnte im Interview mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" vor Selbstbezogenheit und Egoismus. "Die Weihnachtsgeschichte zeigt, dass es mehr gibt als nur die eigenen Interessen", sagte der bayerische Landesbischof. Die Weihnachtsbotschaft sei zeitlos und in jedem Jahr aufs Neue aktuell. "Da strahlt die Liebe Gottes in die Welt hinein", sagte der Theologe. Die Menschen, die sich davon inspirieren ließen, seien auch berufen, diese Liebe selbst auszustrahlen. "Das ist in einer Gesellschaft, die zunehmend von Spaltung bedroht ist, umso wichtiger", betonte der Landesbischof.


Er feierte am Dienstag mit rund 60 Gefangenen einen Weihnachtsgottesdienst in einem Jugendgefängnis in Neuburg an der Donau. Dort sagte er, durch die Weihnachtsgeschichte habe Gott mit seiner "bedingungslosen Liebe" eine Zukunft für alle Menschen eröffnet.

Weihnachten ist nach Überzeugung von Kardinal Reinhard Marx ein Symbol der Hoffnung. Denn das Kind in der Krippe sei der Bruder aller Menschen, mit ihm nehme Gott jeden Menschen in den Blick und in die Arme, betonte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in seiner an Heiligabend in München veröffentlichten Weihnachtsbotschaft. Wer diese Botschaft ernst nehme, dürfe "nicht mehr nur das eigene Ich, die eigene Nation sehen und die eigene Interessen im Blick haben", erklärte der Münchner Erzbischof.

"Fridays for Future" gewürdigt

Leitende Theologen würdigten den Einsatz der "Fridays for Future"-Bewegung. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte in der Christvesper in der Marktkirche in Hannover: "Niemals zuvor hat diese Welt eine Bewegung junger Erwachsener erlebt wie im vergangenen Jahr." In der Frage "wie wollen wir eigentlich morgen leben?" stecke auch die Frage nach Gott, sagte der evangelische Bischof.

Für den hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung ist das Weihnachtsfest die "Gegenbotschaft gegen jede Form von Hass und Gewalt". Er erlebe im Moment beides: Dass Menschen liebevoll miteinander umgehen, aber auch, dass "der Umgangston härter und aggressiver geworden ist" und es furchtbare Gewalttaten gebe, schreibt Jung in seiner Botschaft zum Christfest auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (www.ekhn.de). Hass und Gewalt dürften aber "nicht der Grundton unserer Gesellschaft sein", betont der Kirchenpräsident.

Meldungen

Top Meldung
Kirche als Ort für Gemeinschaft
Wie können die Kirchen mithelfen, dass arme Stadtteile bessere Zukunftsperspektiven bekommen? Sie können Raum für Begegnungen schaffen, sagten Präses Rekowski und Bischof Overbeck beim Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen.