Film des Monats November 2019: "Bis dann, mein Sohn“

Film des Monats: Bis dann, mein Sohn

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"Bis dann, mein Sohn" ist ein Film über Schuld, Vergebung und Versöhnung, der die Menschen in ihrer Zerbrechlichkeit und Stärke in den Mittelpunkt stellt.

Film des Monats November 2019: "Bis dann, mein Sohn“
Zwei Familien sind durch tragische Ereignisse miteinander verbunden. Der Regisseur Wang Xiaoshuai spannt in seinem Film "Bis dann, mein Sohn" den Bogen von den Tagen der Kulturrevolution bis in die chinesische Gegenwart. Der Film wurde von der Jury der Evangelischen Fimarbeit zum Film des Monats November 2019 gewählt und kommt am 14. November in die Kinos.
14.11.2019
Jury der Evangelischen Filmarbeit

"Komm mit ins Wasser", fordert Shen Hao seinen Freund auf, aber Liu Xing sträubt sich verlegen. Er kann nicht schwimmen. Zwei Jungen an einem Stausee im Norden Chinas, und das Drama beginnt. Regisseur Wang Xiaoshuai erzählt, verwoben in Rückblenden und Ellipsen, über drei Jahrzehnte die Geschichte zweier Familien, die durch eine Tragödie untrennbar miteinander verbunden sind. Er spannt dabei einen Bogen von der Kulturrevolution bis in das heutige China.

Es ist die Zeit der Ein-Kind-Politik. Liu Yaojun und Wang Liyun arbeiten wie Liu Yaojuns Schwester Li Hayan und ihr Ehemann Zhang Xinjian in einer großen Fabrik. Die Söhne Liu Xing und Shen Hao sind am gleichen Tag geboren. Beide Familien haben ein enges Verhältnis zueinander. Dann passiert, was nicht passieren darf – Wang Liyun wird schwanger. Ihre Freundin, die Familienplanungsbeauftragte Li Haiyan, folgt der Parteilinie, drängt zur Abtreibung. Trägt Wang Liyun schon schwer an dieser Entscheidung, erschüttert der Ertrinkungstod ihres Sohnes bald darauf ihr Leben. Nach einer Entlassungswelle in der Fabrik ziehen sie und ihr Mann in den Süden Chinas. Dort betreiben sie eine kleine Werkstatt, adoptieren einen Sohn, leben in bescheidenen Verhältnissen. Das Verhältnis zum Adoptivsohn ist schwierig. Li Hayan und ihr Mann sind dagegen in all den Jahren zu Wohlstand gekommen. Als ein inoperabler Tumor bei ihr festgestellt wird, möchte sie Wang Liyun und Liu Yaojin ein letztes Mal sehen. Beide reisen zurück in eine moderne Stadt, die sie kaum wiedererkennen. Am Ende des Films haben zwei Familien wieder zueinander gefunden.

Wang Xiaoshuai nimmt sich Zeit: für die Figuren, die Geschichte, die Themen.  Es wird wenig geredet und doch viel gesagt – über Blicke, Gesten, Bildgestaltung. "Bis dann, mein Sohn" ist ein Film über Schuld, Vergebung und Versöhnung, der die Menschen in ihrer Zerbrechlichkeit und Stärke in den Mittelpunkt stellt. Und ganz nebenbei erzählt er ein Stück chinesische Zeitgeschichte.

Der "Film des Monats" der Jury der Evangelischen Filmarbeit ist die einzige durch eine Jury vergebene Auszeichnung für einen aktuellen Kinofilm.

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit ist ein unabhängiges Gremium. Evangelische Werke, Verbände und Einrichtungen benennen in vierjährigem Turnus die acht Mitglieder der Jury. Sie erfüllt ihren Auftrag im Rahmen des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik gGmbh. Sie hat bis heute über 750 Spiel- und lange Dokumentarfilme als Filme des Monats ausgezeichnet, die sich durch ihre herausragende Qualität zur Diskussion anbieten und Impulse zu verantwortlichem Handeln geben.

Sie setzt damit Maßstäbe für eine anspruchsvolle Bewertung des jeweils aktuellen Kinoangebots. Die Jury zeichnet Filme aus, die dem Zusammenleben der Menschen dienen, zur Überprüfung eigener Positionen, zur Wahrnehmung  mitmenschlicher Verantwortung und zur Orientierung an der biblischen Botschaft beitragen. Sie berücksichtigt dabei die filmästhetische Gestaltung, den ethischen Gehalt und die thematische Bedeutsamkeit des Films. Keiner dieser Aspekte darf allein Ausschlag gebend sein; sie sollen vielmehr in ihrer wechselseitigen Beziehung bewertet werden. Zur Nominierung eines jeden Films veröffentlicht die Jury eine Begründung, die auch im Internet abgerufen werden kann (www.filmdesmonats.de).