TV-Tipp: "Käthe und ich: Das Findelkind" (ARD)

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TV-Tipp: "Käthe und ich: Das Findelkind" (ARD)
8.11., ARD, 20.15 Uhr
Seit einigen Jahren zeichnen sich die Filmreihen, die die ARD donnerstags und freitags zeigt, durch ein ganz spezielles Merkmal aus: Ganz gleich, ob Drama oder Krimi, stets wird eine Fortsetzungsebene mit einer in sich abgeschlossenen Geschichte kombiniert. Das funktioniert mal besser, mal schlechter.

Mitunter ist die horizontal erzählte Handlung deutlich spannender als die Einzelfälle, aber manchmal wirkt sie auch wie ein Fremdkörper, weil sie nicht schlüssig integriert worden ist. "Käthe und ich" ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie so etwas perfekt funktionieren kann. Der zweite Film, "Das Findelkind", ist in dieser Hinsicht besonders gelungen, denn diesmal ist Psychologe Paul (Christoph Schechinger), der sich mit Hündin Käthe auf tiergestützte Therapien spezialisiert hat, selbst der Patient.

Bevor es losgeht und Paul vor seiner Tür einen Korb mit Baby findet, erhält er jedoch einen Anruf: Lebensgefährtin Erina (Nadja Bobyleva) ist schwanger. Das ist schon mal ein überraschender Auftakt, denn der erste Film, "Dornröschen", hatte ein betrübliches Ende, als sich rausstellte, dass der Titel keineswegs Pauls Patientin galt, einer aus dem Wachkoma wieder zu Bewusstsein gekommenen Frau, sondern Erina; nun war auch klar, warum der Psychologe stets so melancholisch wirkte. Der Anruf entpuppt sich jedoch als Rückblende. Dieses Stilmittel hat auch schon Teil eins geprägt: Immer wieder versinkt Paul in Gedanken und erinnert sich unter anderem daran, wie ihm Käthe bei ihrer ersten Begegnung das Leben gerettet hat; und natürlich an die glücklichen Tage mit seiner schwangeren Lebensgefährtin.

In den Rückblicken leidet Erina darunter, dass ihre beste Freundin Paul ganz offensichtlich nicht leiden kann: Natalie (Julia Hartmann) ist überzeugt, er wolle sich mit der international gefeierten Primaballerina schmücken, und will die Freundin vor einem gebrochenen Herzen bewahren. Damit sich die beiden besser kennenlernen, hat Erina gemeinsam mit Pauls bester Freundin Jule (Mona Pirzad) ein kuscheliges Hüttenwochenende zu zweit arrangiert. Dort giften sich der Psychologe und die auf Hypnosetherapie spezialisierte Natalie zwar weiter an, leeren aber auch gemeinsam eine Flasche Wodka. Was anschließend passiert ist, weiß Paul nicht mehr. Dieses Wochenende liegt exakt neun Monate zurück; Jule ist daher überzeugt, das Baby sei von Natalie. Die wiederum hat den Kontakt seit einem halben Jahr abgebrochen, weil sie sich die Schuld an dem Autounfall gibt, bei dem Erina ihr Kind verloren hat; seither liegt sie im Wachkoma. Paul ist dagegen überzeugt, eine ungewollt schwangere Patientin (Zoe Moore) sei die Mutter, aber die junge Frau sagt ihm, dass sie damals eine Fehlgeburt hatte, von der sie sich bei ihren Eltern erholt.

Wie schon bei "Dornröschen" besteht die Qualität des Films auch diesmal in der flüssigen Kombination von Gegenwart und Vergangenheit sowie in der Konstellation der Figuren. Die Hausgemeinschaft von Paul mit Jule und ihrer Familie bildet dabei einen attraktiven Hintergrund für die Geschichte. Die drei Erwachsenen sind zwar Freunde, aber es gibt auch Spannungen. So hätte Jules Mann Aaron (Ben Braun) zum Beispiel gern seine Tochter zurück: Greta füllt in Pauls Leben die Leerstelle, die der Verlust des Babys hinterlassen hat. Die Einrichtung des Kinderzimmers hat er im Keller weggeschlossen; ein einfaches, aber beredtes Bild für einen typischen Verdrängungseffekt.

Trotz des teilweise tragischen Inhalts haben Autorin und Produzentin Brigitte Müller sowie Regisseur Philipp Osthus einen Tonfall gefunden, der neben großer Harmonie eine schöne Balance zwischen Drama und Komödie darstellt. Für Heiterkeit sorgt unter anderem Käthes Antipathie gegen die neue Mitbewohnerin Gudrun (eine Gans), und die Rückblenden mit Paul und Natalie sind im Stil einer romantischen Komödie inszeniert. Ausgesprochen amüsant sind auch die Szenen mit Anna Hausburg als Aarons Sprechstundenhilfe: Die junge Frau ist hemmungslos in ihren attraktiven Chef verknallt und lebt ihre Leidenschaft in einem Fortsetzungsroman auf ihrem Blog aus; die Bebilderung ihrer Fantasien hat Osthus wie eine Telenovela-Parodie inszeniert. 

Ähnlich gut ist die Arbeit des Regisseurs mit seinen ausnahmslos ausgezeichneten Schauspielern. Gerade Christoph Schechinger stand vor der großen Herausforderung, einerseits "nach innen" zu spielen, weil der untröstliche Paul seinen Kummer in sich verkapselt, die Figur andererseits trotzdem mit Sympathie und Empathie zu versehen; das ist ihm vorzüglich gelungen, zumal er die nötige Ausstrahlung für diese schwierige Gratwanderung hat. Mehr als bloß eine Ergänzung des Ensembles ist Mariele Millowitsch. In "Dornröschen" spielte sie die Pflegedienstleiterin einer Reha-Klinik, nun ist Frau Möller freie Pflegerin; Paul engagiert sie, damit sie sich um Erina kümmert, während er nach der Mutter des Babys sucht. Die mütterliche Pflegerin verkörpert in der Geschichte nicht nur die Stimme der Vernunft, sie beschwört Paul auch, nicht den Glauben an Erinas Genesung zu verlieren; eine perfekte Rolle für Millowitsch. Zwei weitere Filme der Reihe sind bereits abgedreht.

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