Altbischof Huber: Entschieden gegen Antisemitismus aufstehen

Altbischof Huber: Entschieden gegen Antisemitismus aufstehen

Der Berliner Altbischof Wolfgang Huber hat zu einer "unzweideutigen Grenzziehung gegen Hass, Hetze und Herabsetzung" aufgerufen. Es dürfe nicht beim lähmenden Entsetzen über den Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale) bleiben, sagte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstagabend in einer Reformationsfeier in der Bonner Kreuzkirche. "Nur wer entschieden gegen den Antisemitismus aufsteht, kann sich der festlichen Gestaltung eines Gottesdiensts zum Reformationstag freuen."

Der Theologe warnte, bereits die Sprache vergifte das Denken und befeuere dann das Tun: "Worte werden zu Waffen, dann greifen Mörder zur Waffe." Huber beklagte einen "um sich greifenden, massiven Antisemitismus", der noch immer auch christliche Spuren an sich trage. Dass Antisemitismus international sei und sich im digitalen Netz verbreite, dürfe keine Entschuldigung sein: "Unzweideutiger Widerstand und klare rechtliche Maßnahmen werden dadurch umso wichtiger." Huber nannte es ein Alarmzeichen, dass sich Juden in Deutschland nicht mehr sicher fühlten und vor öffentlicher Erkennbarkeit zurückscheuten.

Mit Nachdruck warnte der frühere EKD-Ratsvorsitzende davor, das Alte Testament der Bibel mit Zitaten wie "Auge und Auge, Zahn um Zahn" gegen das Neue Testament abzuqualifizieren. Das für Jesus zentrale Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe finde sich bereits im ersten Teil der Bibel im dritten Buch Mose, sagte der 77-jährige Theologe. Das Wort "alttestamentarisch" habe einen "klar antijüdischen Klang", den sich auch die Nazis zu eigen gemacht hätten.

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