Neuer Kirchenamtspräsident sieht "offene Fragen" im Fall Rentzing

Neuer Kirchenamtspräsident sieht "offene Fragen" im Fall Rentzing
Online-Petitionen fordern Verbleib im Amt, aber auch Distanzierung von Neuer Rechten
Seit seiner Rücktrittsankündigung am Freitag ist Sachsens Landesbischof Rentzing abgetaucht. Die Kirchenleitung will am Montag über das weitere Vorgehen entscheiden. Inzwischen fordert eine Online-Petiton den Verbleib Rentzings im Amt.

Der Präsident des sächsischen Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, hat den Umgang von Landesbischof Carsten Rentzing mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen bedauert. Die aktuelle Problemlage sei der Tatsache geschuldet, dass Rentzing "zögerlich mit seiner Vergangenheit umgegangen ist oder zumindest Fragen offengelassen hat", sagte Vollbach dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch in Dresden. Ob dies bewusst oder unbewusst geschehen sei, könne er nicht beurteilen.

Der als äußert konservativ geltende Rentzing hatte am Freitag nach anhaltender Kritik an seiner Person überraschend seinen Rücktritt angekündigt. In einer am Mittwoch gestarteten Online-Petition wird hingegen für den Verbleib Rentzings im Amt geworben. Bis 17.30 Uhr am Mittwoch hatten knapp 1.200 Personen die Petition an das Landeskirchenamt unterzeichnet. Wer das Dokument verfasst hat, blieb zunächst unklar. Zugleich gibt es eine schon seit Ende September laufende Petition, angestoßen unter anderem von einigen Pfarrern der sächsischen Landeskirche, in der Rentzing "zur Stellungnahme und Distanzierung von den Neuen Rechten" aufgefordert wird. Diese hatten am Mittwoch bis 17.30 Uhr knapp 1.000 Menschen unterzeichnet.

Hintergrund der Rücktrittsankündigung sind unter anderem Texte Rentzings, die er als Student für die rechtskonservative Zeitschrift "Fragmente" geschrieben haben soll. Zudem soll er als ihr Mitherausgeber fungiert haben. Die Kirchenleitung stufte die ihr vorliegenden Texte am Sonntag als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" ein. Sie seien "aus damaliger und aus heutiger Sicht unvertretbar". Der 52-Jährige Rentzing steht seit vier Jahren an der Spitze der evangelischen Landeskirche.

Vollbach betonte, die Landeskirche gehe davon aus, dass Rentzing bis heute auch Kontakt zum Leiter der Berliner "Bibliothek des Konservatismus", Wolfgang Fenske, habe. Dies werfe "natürlich neue Fragen auf", die jedoch nur Rentzing beantworten könne. Die Bibliothek wird dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet. Nach Angaben der Landeskirche hatte Fenske auch an Rentzings Amtseinführung als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens 2015 teilgenommen.

Rentzing lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab. Er stand immer wieder in der Kritik, unter anderem, weil er sich nicht deutlich von der AfD absetzte. Zuletzt war Kritik an seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Studentenverbindung sowie an einem Vortrag in der "Bibliothek des Konservatismus" 2013 laut geworden.

In der Petition, die für seinen Verbleib im Amt wirbt, heißt es unter anderem: "Die Urteile, die ein kleiner, aber lautstarker Teil der Landeskirche über Meinungen und Aktivitäten von Bischof Rentzing fällt, die teilweise 30 Jahre zurückliegen, weisen wir mit Nachdruck zurück."

Vollbach sagte auf die Frage, ob die Vergangenheit von Bischofskandidaten in Sachsen künftig genauer geprüft werde: "Ich gehe fest davon aus, dass das so sein wird."

Rentzing befindet sich derzeit im Urlaub. Vollbach sagte, die Kirchenleitung habe keinen Kontakt zu ihm, bemühe sich aber darum, auch um zu klären, ob der Bischof persönlichen oder geistlichen Beistand brauche. Die Kirchenleitung will am Montag entscheiden, ob sie Rentzings Rücktrittsangebot annimmt.

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