Hunderttausende Demonstranten fordern mehr Klimaschutz

Hunderttausende Demonstranten fordern mehr Klimaschutz
Größte Kundgebung in Berlin - «Fridays for Future» meldet bundesweit 1,4 Millionen Teilnehmer
In ganz Deutschland sind nach Angaben der "Fridays for Future"-Bewegung 1,4 Millionen Menschen für einen besseren Klimaschutz auf die Straße gegangen. Die Polizei zählte zum Teil weniger Teilnehmer als die Veranstalter.

Hunderttausende Menschen haben sich am Freitag in zahlreichen deutschen Städten an den weltweiten Demonstrationen für mehr Klimaschutz beteiligt. Nach Angaben der "Fridays for Future"-Bewegung waren es sogar rund 1,4 Millionen Demonstranten aller Altersgruppen. Die bundesweit größte Kundgebung fand in Berlin statt. Dort gingen nach Angaben der Veranstalter rund 270.000 Menschen auf die Straße. Die Polizei sprach am späten Nachmittag von rund 100.000 Teilnehmern.

In Hamburg zählte die Polizei rund 70.000 Teilnehmer, während die Veranstalter von 100.000 Menschen sprachen. In Köln gingen die Veranstalter gingen von 70.000 Teilnehmern aus. In München waren es mehr als 40.000 Demonstranten. In Bremen wurden mehr als 30.000 Demonstranten gezählt, in Freiburg laut Polizei mehr als 20.000. In Münster waren es rund 20.000 Teilnehmer, in Bonn laut Veranstaltern 15.000. In Dresden gingen nach Angaben der Organisatoren rund 14.000 Demonstranten auf die Straße.

Parallel zu den Kundgebungen kurz vor dem Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York stellte das Klimakabinett der Bundesregierung am Freitagnachmittag in Berlin Eckpunkte für ein Klima-Paket vor. Damit sollen die deutschen Klimaziele für 2030 erreicht werden. Dafür veranschlagt die Koalition Kosten von mehr als 54 Milliarden Euro bis 2023. In einer ersten Reaktion sprach "Fridays for Future" von einem desaströsen Klimaplan. Die Proteste gingen weiter, solange die Politik die Klimakrise nicht ernst nehme, kündigte die Bewegung an.

In Berlin zog ein Demonstrationszug stundenlang durch das Regierungsviertel, während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) das zuvor ausgehandelte Klima-Paket der Koalition präsentierten. Die Demonstration von "Fridays for Future" in der Hauptstadt dürfte laut Veranstalter bundesweit die größte am Freitag gewesen sein. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf. Zur Begleitung der diversen Aktionen waren insgesamt 600 Polizisten im Einsatz.

Bereits am Vormittag hatten Klimaaktivisten und eine Radfahrer-Demonstration für zeitweilige Unterbrechungen des Berliner Straßenverkehrs gesorgt. Auch in anderen Städten wie Hamburg oder Frankfurt am Main kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Mehr als 40.000 Klimaschützer demonstrieren nach Polizeiangaben in München. Unter den Teilnehmern war auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte bei der Kundgebung, die Kirche thematisiere die Bewahrung der Schöpfung seit mehr als 30 Jahren. Er erwarte, dass die Klima-Vereinbarung von Paris national überall umgesetzt werde, sagte der Theologe: "Wir müssen ungeduldig sein!"

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing lobte die Jugendbewegung "Fridays for Future" als ein "sehr positives Zeichen". Er freue sich über die Aktivitäten der jungen Leute, die für eine Sache einstehen und denen "nicht alles um sie herum egal ist", sagte er nach einem Friedensgebet in Dresden.

Bremen erlebte eine der größten Demonstrationen seiner Nachkriegsgeschichte. Veranstalter und Polizei meldeten übereinstimmend etwa 31.000 Menschen bei der Abschlusskundgebung. In Freiburg fand laut Polizei mit mehr als 20.000 Teilnehmern eine Großdemonstration statt, die Veranstalter sprachen sogar von 30.000 Menschen.

In Frankfurt am Main kamen Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei einer Hauptkundgebung am Opernplatz zusammen. Die Polizei sprach von rund 12.500 Teilnehmern. Die Veranstalter nannten die doppelte Anzahl. 30 Aktivisten besetzten am Nachmittag vorübergehend die Frankfurter Paulskirche.

Deutschlandweit waren in mehr als 500 Städten Aktionen geplant. Unterstützt wurden die Proteste von mehr als 200 Organisationen, Initiativen und Akteuren wie Umweltschutzverbänden, Kirchen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Vielerorts läuteten Kirchenglocken, um die Proteste zu unterstützen.

epd lde/jgr jup ug

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