Fall Orlandi: Beinhäuser im Vatikan geöffnet

Deutschland spricht 2019
Fall Orlandi: Beinhäuser im Vatikan geöffnet

Auf der Suche nach einem vor 36 Jahren verschwundenen Mädchen sind am Samstag im Vatikan zwei Beinhäuser unter dem deutschen Priesterkolleg geöffnet worden. Nach Angaben von Vatikansprecher Alessandro Gisotti werden die in den beiden unterirdischen Räumen zweitbestatteten Knochen vom römischen Rechtsmediziner Giovanni Arcudi in Anwesenheit eines von der Familie der verschwundenen Emanuela Orlandi benannten Experten untersucht. Noch sei nicht absehbar, wie viel Zeit die Untersuchung der Funde in Anspruch nehmen werde, hieß es.

Auf einen Hinweis an die Familie hin hatte ein Vatikangericht bereits zwei Gräber auf dem an das Priesterkolleg angrenzenden Friedhof öffnen lassen. Die beiden Gräber deutscher Prinzessinnen waren leer. Archivrecherchen hatten daraufhin ergeben, dass beim Neubau des Gebäudes in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch am Friedhof Veränderungen vorgenommen worden waren. Überdies wiesen die Archivdokumente die Ermittler auf zwei unter einer Falltür auf dem Gelände des Priesterkollegs befindliche Beinhäuser hin. Dorthin könnten die Knochen aus den beiden Gräbern des 19. Jahrhunderts umgebettet worden sein. Der Campo Santo Teutonico mit dem deutschen Friedhof und Priesterkolleg ist nur über Vatikangebiet erreichbar.

Das Verschwinden der damals 15-jährigen Emanuela Orlandi sorgt seit Jahrzehnten immer wieder für Aufsehen erregende Spekulationen über ihren Verbleib. Zwischenzeitlich wurden ihre sterblichen Überreste im Grab eines römischen Mafioso in einer Kirche vermutet. Zuletzt wurden Knochenfunde auf dem Gelände der Vatikanbotschaft in Rom mit ihr in Verbindung gebracht. Bei rechtsmedizinischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass sie aus der Antike stammten.