Mutmaßlicher sexueller Missbrauch am Uniklinikum Saarland

Mutmaßlicher sexueller Missbrauch am Uniklinikum Saarland

Über Jahre soll ein Assistenzarzt am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg Kinder sexuell missbraucht haben. Das ARD-Magazin "Monitor" teilte am Montag unter Berufung auf eigene Recherchen mit, dass die betroffenen Eltern vom Klinikum nicht informiert wurden, obwohl das Klinikum bereits Anzeige erstattet hatte. Über den Fall des 2016 gestorbenen Assistenzarztes, der zwischen 2010 und 2014 offenbar in mindestens 30 Fällen medizinisch unnötige Behandlungen im Intimbereich von Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren vorgenommen haben soll, wollten am Nachmittag die saarländische Staatskanzlei, die Staatsanwaltschaft Saarbrücken und das Klinikum in einer gemeinsamen Pressekonferenz informieren.

Der Klinik lagen laut "Monitor" schon früh Hinweise auf eine pädophile Neigung des Mediziners vor. Die möglichen Opfer und deren Eltern seien jedoch selbst dann noch nicht in Kenntnis gesetzt worden, als die Uniklinik Ende 2014 Strafanzeige gegen den Arzt stellte und die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wenig später ein Ermittlungsverfahren einleitete.

Wie viele Patienten betroffen sind, sei bis heute unklar, hieß es. Der Assistenzarzt hatte den Angaben zufolge an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Hunderte von Kindern behandelt. Nach Recherchen von "Monitor" ergab eine stichprobenartige Überprüfung der Behandlungsakten durch den Klinikdirektor, dass 95 Prozent der Behandlungen des Assistenzarztes medizinisch nicht indiziert waren.

Ein von "Monitor" befragter Experte kritisiert die Klinik, dass sie Betroffene nicht informierte, selbst in den Fällen nicht, in denen die Patientenakten der Staatsanwaltschaft als Beweismittel zur Verfügung gestellt wurden. "In dem Moment, wo man sich entschieden hat, dass die Verdachtsmomente so weit ausreichen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, hätte auch unter therapeutischen Aspekten die Kontaktaufnahme mit den Eltern beziehungsweise den älteren Kindern erfolgen müssen, um auch insoweit Schaden von ihnen abzuwenden", sagte der Medizinrechtler Peter Wolfgang Gaidzik von der Universität Witten/Herdecke.

Nach dem Tod des Assistenzarztes im Jahr 2016 wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft den Angaben zufolge eingestellt. Eine Anwältin betroffener Eltern, die durch Zufall von den Vorkommnissen erfahren hatten, wandte sich im April dieses Jahres an den Ministerpräsidenten des Saarlandes, dessen Staatskanzlei als Aufsichtsbehörde für das Universitätsklinikum fungiert, wie "Monitor" schilderte. Dort habe man entschieden, nun doch einen Teil der betroffenen Eltern über die Missbrauchsvorwürfe in Kenntnis zu setzen.