Das schwierige Verhältnis der Kirchen zur AfD

Demonstration gegen den Auftritt eines AfD Politikers auf dem Katholikentag in Münster.

© epd-bild/Stefan Arend

Demonstration gegen den Auftritt eines AfD Politikers auf dem Katholikentag in Münster. Beim evangelischen Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund sind keine AfD-Politiker zu Foren eingeladen.

Das schwierige Verhältnis der Kirchen zur AfD
Zwischen Dialog und Distanz
Innerhalb der Kirchen wird seit Jahren darüber diskutiert, wie man mit der AfD und mit AfD-Mitgliedern in Gemeinden und kirchlichen Gremien umgehen soll. Beim evangelischen Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund setzt man auf Abgrenzung.
Deutschland spricht 2019

Polizeieinsatz und Tumult: Der Auftritt des AfD-Politikers Volker Münz auf dem Katholikentag in Münster im vergangenen Jahr wurde von massiven Protesten und Störungen aus dem Publikum begleitet. Dazu wird es auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni nicht kommen. Dort sind AfD-Politiker zu keinem Forum eingeladen.

Der Umgang mit der AfD und mit AfD-Mitgliedern in Gemeinden, kirchlichen Gremien und bei Veranstaltung ist nicht einheitlich: Beim Katholikentag 2016 in Leipzig waren AfD-Vertreter von Veranstaltungen explizit ausgeschlossen. Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin diskutierten der Berliner Bischof Markus Dröge und die damalige Sprecherin der Vereinigung "Christen in der AfD", Anette Schultner. Beim Katholikentag im westfälischen Münster im Mai 2018 gab es ein Podium mit den religionspolitischen Vertretern der Bundestagsparteien, darunter dem kirchenpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Münz.

Jetzt aber heißt es: Vertreter der AfD sind "nicht zur Mitwirkung auf Podien und zu Diskussionsveranstaltungen des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dortmund eingeladen". Laut dem offiziellen Beschluss vom Herbst 2018 werde niemand "wegen seines Parteibuches ein- oder ausgeladen". In der AfD gebe es jedoch mittlerweile einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken, so das Kirchentagspräsidium.

Diese Entscheidung ist umstritten. Als "verpasste Chance" sieht der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, die Entscheidung des Kirchentages an. "Ich muss immer den Einzelnen anschauen", sagte Dröge im Februar dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein prinzipieller Ausschluss nütze nur der AfD, "weil sie sich dann wieder als Opfer darstellen kann".

Für Volker Münz bleibt die Haltung des Kirchentagspräsidiums "scheinheilig". Auf der einen Seite bezeichne sich der Kirchentag als Ort der Vielfalt und Toleranz, wo verschiedene Meinungen aufeinandertreffen sollen. Auf der anderen Seite sei es "unverständlich, dass die AfD als größte Oppositionsfraktion im Deutschen Bundestag im Unterschied zu den anderen Fraktionen zu keinem Podium eingeladen wird", sagte Münz dem epd. Münz ist Kirchengemeinderat und Bezirkssynodaler in der evangelischen Kirche.

Der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig bezeichnete den Ausschluss der AfD von den Podien des evangelischen Kirchentags als widersprüchlich. Einerseits heiße es in dem Beschluss des Kirchentagspräsidiums, niemand werde wegen seines Parteibuchs ein- oder ausgeladen. "Zugleich aber sollen alle Vertreter der AfD qua Parteizugehörigkeit disqualifiziert sein, am Kirchentagsprogramm mitzuwirken", schrieb Heinig in einem im Oktober 2018 veröffentlichten Beitrag für die evangelische Zeitschrift "zeitzeichen". Also sei doch die Parteizugehörigkeit entscheidend.

In einer Replik auf Heinigs Meinungsbeitrag vertrat die Generalsekretärin des Kirchentages, Julia Helmke, die Gegenposition. Die Situation habe sich seit dem Kirchentag 2017, als AfD-Vertreter noch eingeladen waren, verändert. "Die Mechanismen und Strategien des rechten Populismus beginnen zu wirken", schrieb Helmke in "zeitzeichen".

"Ich wäre gerne zum Kirchentag gefahren", sagte Münz dem epd. Es gehe ihm dabei nicht nur um politische Fragen, sondern auch um kirchliche, theologische Themen. Er hätte gerne "die Fahne der Konservativen hochgehalten". Doch habe er kein Interesse daran, "als Privatmann zu einem Happening zu gehen, das eher an einen Parteitag der Grünen erinnert und wenig mit dem christlichen Glauben zu tun hat". Auf dem Kirchentag werde überwiegend der "Zeitgeist verherrlicht und nicht der Heilige Geist", sagte der frühere Bankmanager Münz, der auch dem Bundesvorstand der "Christen in der AfD" angehört.