Taizé-Bruderschaft legt Missbrauchsfälle offen

Frère Alois, Prior der Bruderschaft

©Winfried Rothermel/epd-bild

Prior der Bruderschaft, Frère Alois, nimmt Stellung zu dem Bekanntwerden der Missbrauchs-Fälle innerhalb der Bruderschaft

Taizé-Bruderschaft legt Missbrauchsfälle offen
In der ökumenischen Bruderschaft von Taizé in Frankreich sind mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen bekanntgeworden. Das teilte der Prior der Bruderschaft, Frère Alois, am Dienstag in einer Erklärung mit.

Darin macht die Bruderschaft fünf Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige öffentlich, für die drei Mitglieder der Bruderschaft verantwortlich seien. Die Fälle erstrecken sich über einen Zeitraum von den 1950er bis in die 1980er Jahre. Zwei der Täter seien bereits vor mehr als 15 Jahren gestorben, teilte der Prior mit.

Alle Fälle seien bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden, heißt es in der Mitteilung. So verlange es das französische Recht. Aus dem Schreiben geht nicht hervor, wann der Prior von den Fällen erfahren hat. Man habe den Betroffenen zugehört und ihnen "vorbehaltlos Glauben geschenkt", schreibt er: "Wenn wir hören, was sie erlebt und erlitten haben, empfinden wir Scham und tiefen Schmerz." Man bekenne sich dazu, dass diese in der Vergangenheit durch Brüder begangenen Übergriffe zur Geschichte der Bruderschaft gehören. Frère Alois rief weitere mögliche Betroffene auf, sich zu melden.

In den französischen Ort Taizé fahren jedes Jahr Zehntausende Jugendliche zum gemeinsamen Gebet. Bekannt sind vor allem die meditativen lateinischen Gesänge, die in Kirchengemeinden auf der ganzen Welt mittlerweile zum Liedgut gehören und in viele Gesangbücher übernommen wurden. Die Ökumene und der interreligiöse Dialog sind Kernanliegen des Männerordens.

Die Bruderschaft wurde in den 1940er Jahren von dem reformierten Theologen Roger Schutz gegründet. Schutz starb 2005 mit 90 Jahren an den Folgen eines Attentats. Sein Nachfolger ist der deutsche katholische Theologe Alois Löser, der die Gemeinschaft seither als Prior leitet. Heute gehören zur ökumenischen "Communauté de Taizé" rund 100 Brüder aus etwa 25 Ländern. 65 Brüder leben in Taizé. 35 Brüder arbeiten in den Armenvierteln der Welt.

Betroffene können sich unter der E-Mail-Adresse protection@taizé.fr melden. Auf einer Internetseite http://www.taize.fr/de_article23020.html finden Betroffene weitere Informationen.

 

Die Gemeinschaft von Taizé

Die ökumenische Bruderschaft von Taizé wurde in den 1940er Jahren von dem reformierten Theologen Roger Schutz gegründet. Der damals 25-jährige Pfarrerssohn aus der Schweiz wollte in der Zeit des Zweiten Weltkriegs "die Zerrissenheit unter den Christen und die Konflikte in der Menschheit" überwinden helfen. Dazu zog er sich am 20. August 1940 in das kleine Dorf Taizé bei Cluny in Südburgund (Frankreich) zurück.

1942 floh er wegen einer drohenden Verhaftung und lebte bis zum Kriegsende in Genf. Dort begann das gemeinsame Leben der ersten Brüder, ehe sie 1944 nach Taizé zurückkehrten. Die Kommunität inspiriert seither Hunderttausende von Jugendlichen. Für viele Menschen - jung und alt - ist die Gemeinschaft in Frankreich der zentrale spirituelle Ort für gelebte christliche Werte.

Der Gründer Schutz starb 2005 mit 90 Jahren an den Folgen eines Attentats. Er war am 16. August 2005 von einer psychisch kranken Frau beim Abendgebet mit Messerstichen attackiert worden. Frère Roger galt als einer der großen spirituellen Persönlichkeiten des Christentums. Sein Nachfolger ist der deutsche katholische Theologe Alois Löser, der die Gemeinschaft seither als Prior leitet.

Heute gehören zur ökumenischen "Communauté de Taizé" rund 100 Brüder aus etwa 25 Ländern. 65 Brüder leben in Taizé. 35 Brüder arbeiten in den Armenvierteln der Welt. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie mit Einkünften aus ihrer Arbeit. Sie haben sich zu Ehelosigkeit und materieller Gütergemeinschaft verpflichtet. Bekannt wurde die Kommunität von Taizé durch einprägsame, meditative Lieder, die unter Christen in aller Welt verbreitet sind.

Meldungen

Top Meldung
Prof. Christoph Markschies
Die christlichen Kirchen müssen aus Sicht des Leiters des Berliner Instituts Kirche und Judentum (IKJ), Christoph Markschies, stärker gegen Antisemitismus vorgehen.