"Respekt, Schwestern!" - Käßmann lobt katholischen Frauenstreik

Die evangelische Theologin Margot Käßmann findet Fraueninitiative "Maria 2.0" gut.

© epd-bild/Christian Topp

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat ihre Sympathie für den Kirchenprotest der katholischen Fraueninitiative "Maria 2.0" zum Ausdruck gebracht.

"Respekt, Schwestern!" - Käßmann lobt katholischen Frauenstreik
Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat ihre Sympathie für den Kirchenprotest der katholischen Fraueninitiative "Maria 2.0" zum Ausdruck gebracht. "Ich kann nicht anders, als mich daran zu freuen. Respekt, Schwestern! Und: Das wurde auch Zeit", heißt es in einem Beitrag der früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die "Bild am Sonntag".

Käßmann betonte, die evangelische Kirche habe viele Jahre diskutiert, ob Frauen Pfarrerinnen werden könnten. Am Ende sei klar gewesen: Es gebe keine theologischen Gründe, die dagegen sprächen, allenfalls die Tradition. Käßmann: "Tradition ist gut, wenn sie Menschen beheimatet. Aber sie muss verändert werden, wenn sie Menschen ausgrenzt! Es wird Zeit, dass Frauen endlich öffentlich die Kirchen repräsentieren, aber auch die anderen Religionsgemeinschaften, das Judentum, den Islam. Wenn uns angeblich die Hälfte des Himmels gehört, können wir das ja hier auf Erden schon mal einüben."

Frauen würden überall auf der Welt die Kirchen tragen, müssten sich aber den Männern unterordnen, kritisierte die Altbischöfin: "Engagierte christliche Frauen kochen den Kaffee, putzen den Altarraum, nähen Altardecken und Priestergewänder. Aber Priesterin können sie nicht sein, leiten dürfen sie die Kirchen nicht. Den Entscheidungen der Männer über Jungfräulichkeit, Ehe, Verhütung und Abtreibung aber sollen sie sich beugen. Wie kann das sein?"

"Wir sind Kirche": "Maria 2.0" sei "Weckruf" für die Kirche

Die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" hat den Protest der Fraueninitiative "Maria 2.0" als "Weckruf" für die Kirche bezeichnet. Das große Echo auf die Initiative zeige, "wie drängend die Anliegen sind, die streikende Frauen und solidarische Männer in der vergangenen Woche in mehr als tausend Gruppen und Gemeinden unübersehbar zum Thema gemacht haben", erklärte "Wir sind Kirche" am Sonntag in München. In Münster war die erste Protestaktionswoche am Samstag beendet worden. Auch für die Zukunft sind Aktionen geplant.

Die katholische Fraueninitiative "Maria 2.0" setzt sich für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche ein. Eine Woche lang hatten Frauen in vielen deutschen Bistümern ihre ehrenamtliche Tätigkeit in Einrichtungen der katholischen Kirche eingestellt und keine Kirche mehr betreten. Betroffen waren unter anderem die Kommunionsvorbereitung oder die Flüchtlingsarbeit. Auch Gemeindebibliotheken oder Kleiderkammer mussten geschlossen bleiben.

"Wir sind Kirche" dankte den Initiatorinnen der Münsteraner Gemeinde Heilig Kreuz für ihre neue Aktionsform des Streiks "als vorletztes Mittel vor dem Kirchenaustritt, um endlich Bewegung in die Frauenfrage zu bringen". Die bisherigen theologischen Argumentationen, Gebete, Aufrufe und Mahnfachen hätten zwar einen "Bewusstseinswandel im Kirchenvolk, aber immer noch keine wesentlichen Änderungen in der Struktur der römisch-katholischen Kirche gebracht". Diese schließe "in unbiblischer Weise immer noch Frauen von allen Weiheämtern aus".

Die jetzt weltweit offenbar gewordene sexualisierte Gewalt von Klerikern gegenüber Kindern, Jugendlichen, Seminaristen, Frauen und sogar Ordensfrauen habe die dringende Notwendigkeit der schon seit langem auf der Reformagenda stehenden Erneuerung der katholischen Kirche für alle Welt sichtbar gemacht, fügte die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" in Deutschland und die österreichische Plattform "Wir sind Kirche" hinzu. Die Protestaktion "Maria 2.0" habe viele Reformthemen aufgegriffen, die seit dem Kirchenvolksbegehren im Jahre 1995 eingefordert werden: "Der Weckruf der Frauen kann und darf nicht ignoriert werden!"