Citykirchen-Netzwerk wird 15 Jahre: "Seelsorge im Vorübergehen"

Der evangelische Schweinfurter Pfarrer Heiko Kuschel

© epd-bild/Privat

Der evangelische Schweinfurter Pfarrer Heiko Kuschel ist Pfarrer von der Citykirche Schweinfurt.

Deutschland spricht 2019
Citykirchen-Netzwerk wird 15 Jahre: "Seelsorge im Vorübergehen"
Netzwerk-Sprecher Pfarrer Heiko Kuschel über die Herausforderungen für Kirche in der Stadt
Vor 15 Jahren gründete sich das ökumenische Netzwerk Citykirchen-Projekte, mittlerweile gibt es 120 Mitglieder. Das Ziel: Mit ihren niedrigschwelligen Angeboten vor allem Menschen erreichen, die ansonsten nichts oder nicht viel mit Kirche zu tun haben.
13.05.2019
Daniel Staffen-Quandt
epd

Das ökumenische Netzwerk Citykirchen-Projekte im deutschsprachigen Raum wird 15 Jahre alt. "Kleinere Vorläufer gab es schon länger, aber 2004 haben wir uns offiziell gegründet", sagte Pfarrer Heiko Kuschel von der Citykirche Schweinfurt am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er ist einer der fünf Netzwerk-Sprecher. Die Citykirchen-Projekte richten sich mit ihren niedrigschwelligen Angeboten vor allem an Menschen, die ansonsten nichts oder nicht viel mit Kirche zu tun haben. "Die konkrete Ausgestaltung ist vor Ort sehr unterschiedlich." Mancherorts gebe es Citykirchen-Cafés, andernorts Gesprächsläden, während die Seelsorger in Schweinfurt vor allem in der Fußgängerzone unterwegs seien.

Pfarrer Heiko Kuschel und Kollege Ullrich Göbel unterwegs mit der Wagenkirche in Schweinfurt.

Bei den Citykirchen-Projekten liege der Schwerpunkt nicht auf Mission: "Es ist nicht das oberste Ziel, Menschen in eine Kirche zu kriegen." Das würden die Leute auch schnell merken. "Das ist wie nach Kirchentagen. Da kommen die Leute begeistert zurück - und die Ernüchterung folgt schnell im normalen Sonntagsgottesdienst", erläutert Pfarrer Kuschel. Das Citykirchen-Klientel könne sich für das "normale kirchliche Leben" oft nur schwer begeistern, ein Werben dafür sei nicht nur sinnlos, "es ist auch kontraproduktiv", sagt Kuschel. Wer die "Dialog-Angebote" und die "Seelsorge im Vorübergehen" bei niedrigschwelligen Einrichtungen wie Citykirchen für so etwas nutzen wolle, verprelle die Leute eher.

Trotz der großen Unterschiedlichkeiten der einzelnen Citykirchen finde im Netzwerk ein reger Austausch statt - etwa zu ganz grundsätzlichen Fragen, sagt Pfarrer Kuschel: Wie kriegt man in diese Angebote eine theologische Dimension hinein? Was bedeutet die Verbindung zwischen Stadt und Kirche? Wie kommt man als Kirche überhaupt hinein in die Städte? Wie hält man Kontakt zu lokalen Akteuren?

Gerade angesichts des bevorstehenden Mitgliederverlustes würden viele Gemeinden auf einen kleineren Kern zusammenschrumpfen, der womöglich dann auch frommer ausgerichtet sei. "Das hindert die Gemeinden aber ja nicht daran, raus in die Welt zu gehen, sich zu zeigen und Angebote zu machen."

Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen rund 120 Mitglieder im Citykirchen-Netzwerk. Etwa die Hälfte davon ist rein katholisch, sagte der evangelische Pfarrer Kuschel: "Die andere Hälfte teilt sich auf in ökumenisch und evangelisch." Weshalb die Katholiken in dem Bereich engagierter sind, erklärt er sich so: "Evangelische Gemeinde arbeitet gemeindezentriert, da ist die Gemeinde die Keimzelle der Kirche." Und wenn es um übergemeindliche Angebote wie Citykirchen-Projekte gehe, sei man zurückhaltender, weil man sonst vielleicht Stellen oder Geld abgeben müsste: "In der katholischen Kirche entscheidet eben eine Bistumsleitung: Das ist wichtig, dafür gibt es Geld", sagt Kuschel.