TV-Tipp: "Tatort: Die Fette Hoppe" (NDR)

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TV-Tipp: "Tatort: Die Fette Hoppe" (NDR)
27.4., NDR, 20.15 Uhr
Im Grunde ist dieser Film ein Zufallsprodukt: Als der MDR die deutschen Produzenten vor einigen Jahren um Konzepte für ein neues "Tatort"-Team bat, gab es auch die Idee für ein Duo aus Weimar. Er ein Analytiker, sie ein impulsiver Bauchmensch: Das klingt zunächst ebenso wenig spektakulär wie die Idee, dass die Ermittlerin hochschwanger ist. Der Entwurf stieß beim MDR trotzdem auf so viel Gegenliebe, dass Kriminalkommissarin Kira Dorn und ihr Kollege Lessing eine einmalige Chance bekamen. Mittlerweile ist das Duo längst Teil der großen "Tatort"-Familie. Die ARD hat vor einigen Wochen den achten Krimi aus Weimar gezeigt, der NDR wiederholt heute noch mal das Debüt aus dem Jahr 2013.

Dass die Filme so gut funktionieren, liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern: Nora Tschirner und Christian Ulmen sind schon solo großartig, aber als Kombination unschlagbar, wie sie vor Jahren in der Kinokomödie "FC Venus" gezeigt haben. Allerdings liefert ihnen das Drehbuch des "Tatort"-erfahrenen Autors Andreas Pflüger auch eine Menge Stoff für wunderbare Dialogduelle, wobei der komödiantische Anteil vermutlich auf das Comedy-Konto von Murmel Clausen ("Ladykracher") gehen dürfte. Bei einigen Kalauern schießen die beiden zwar übers Ziel hinaus, und unterm Strich mag die eigentliche Krimihandlung etwas zu kurz kommen, aber das ist beim "Tatort" aus Münster ja nicht anders.

Die ARD hat "Die Fette Hoppe" damals an Weihnachten ausgestrahlt, der Film ist also ausdrücklich als Feiertagsprogramm und somit als "Tatort" der etwas anderen Art ausgewiesen. Entsprechend ist auch die Inszenierung ausgefallen, selbst wenn Franziska Meletzky, die vor einem Jahr mit dem herausragenden Doppel"-Tatort" aus Niedersachen ("Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band") von sich reden gemacht hat, die Krimi-Erwartungen dennoch erfüllt. Allerdings treiben Pflüger und Clausen ein raffiniertes Spiel mit dem Publikum. Das beginnt schon mit dem Titel, denn dahinter verbirgt sich keineswegs eine korpulente Weimarerin, sondern eine allseits beliebte Thüringer Bratwurst. Ihren Geschmack verdankt sie einem Geheimrezept. Wer das Unternehmen besitzt, aber nicht über die Rezeptur verfügt, kann den Laden praktisch dicht machen. Tatsächlich ist der Firmeninhaber jüngst verblichen, und nun ist auch noch die Gattin unauffindbar. Es weint ihr zwar niemand eine Träne nach, auch Sohn Sigmar (Stephan Grossmann) nicht, aber gesucht werden muss sie natürlich trotzdem, zumal Hoppe junior eine Lösegeldforderung erreicht. Dann taucht Frau Hoppe plötzlich wieder auf, wenn auch tiefgefroren und entsprechend tot, nur um unmittelbar darauf wieder zu verschwinden. Als Verdächtige bieten sich an: die Freundin Sigmars (Viva-Moderatorin Palina Rojinski in einer Gastrolle) sowie ein etwas heruntergekommener Fremdenführer (Dominique Horwitz), dem Frau Hoppe böse mitgespielt hat.

Der besondere Reiz der Geschichte liegt in ihrer scheinbaren Unscheinbarkeit: Pflüger und Clausen haben den Krimi so geschickt verpackt, dass der Film über weite Strecken wie ein Vorwand für die komödiantischen Einlagen von Ulmen und Tschirner wirkt; es dauert eine Weile, bis sich die ganze Raffinesse des dramaturgischen Konstrukts erschließt. Außerdem sorgt das Autorenduo nach einer guten Stunde für einen kapitalen Knüller, der selbst versierte Krimifans verblüffen wird. Trotzdem lebt "Die Fette Hoppe" natürlich vor allem von den witzigen Elementen, zumal es zwischendurch immer wieder augenzwinkernde Momente gibt, wenn beispielsweise das berühmte "Tatort"-Motiv auch als Filmmusik Verwendung findet. Auch wenn einige Kalauer nach Sketch-Comedy klingen und schwarzer Humor eine besondere Rolle für die Geschichte spielt: Der Film ist keine Parodie und die Auflösung eine echte Überraschung.