Kreuzfahrer und Krankenpfleger

Innenhof des Deutschordensschlosses Bad Mergentheim

© Holger Schmitt

Einst war das Deutschordensschloss Bad Mergentheim Residenz der Hoch- und Deutschmeister und damit Hauptsitz der Ordensregierung.

Kreuzfahrer und Krankenpfleger
Spuren des Deutschen Ordens finden sich bis heute in Bad Mergentheim und Umgebung
Vor 800 Jahren begann die Geschichte des Deutschen Ordens in Bad Mergentheim. Obwohl Napoleon 1809 eine Abwanderung des Hochmeistersitzes von der Tauber an die Donau nach Wien erzwang, sind Spuren des Ordens bis heute in der Region lebendig.

Nicht nur mit Zeugnissen aus Stein hat der Deutsche Orden für acht Jahrhunderte Bad Mergentheim und die Region bis nach Würzburg geprägt. Auch die tätige Nächstenliebe der als Hospitalbruderschaft 1190 bei Akko in Galiläa gegründeten Vereinigung hat in Bad Mergentheim Wurzeln geschlagen. Deutschordens-Hochmeister Frank Bayard verweist anlässlich des Jubiläums "800 Jahre Deutscher Orden in Bad Mergentheim" darauf, dass bis heute Schwestern des Ordens im dortigen Caritaskrankenhaus "jenes Ursprungscharisma des Helfens und Heilens erfahrbar machen".

Dass der Deutsche Orden ab 1219 über so große Besitzungen in Mergentheim verfügte, dass 1526 sogar der Hochmeistersitz dorthin verlegt wurde, verdankt die Vereinigung drei hohenlohischen Adeligen. Andreas von Hohenlohe trat nach der Rückkehr von einem Kreuzzug in den Orden ein und vermachte ihm Ländereien und Rechte. Eine Urkunde, datiert vom 16. Dezember 1219, zeugt davon. Andreas' Brüder Heinrich und Friedrich taten es ihm gleich, so dass nur noch die Hohenlohe-Brüder Gottfried und Konrad weltlich blieben.

Mergentheim war zunächst Sitz einer "Kommende" und dann ab dem 16. Jahrhundert für rund 300 Jahre Residenz der Zentrale des Deutschen Ordens, bis dieser von Napoleon und dessen Säkularisationsbestrebungen in den von ihm beeinflussten Territorien nach Wien verdrängt wurde. Bis dahin hatte der Orden viele baulichen Spuren in Mergentheim hinterlassen, vor allem das Schloss und den Schlosspark. Prächtige Wappen an vielen Gebäuden sind bis heute Zeugnisse jener Zeit.

Hochmeister Frank Bayard erinnert daran, dass der Deutsche Orden auch eine europäische Organisation war. Aus der ursprünglichen Hospitalbruderschaft war bald ein Ritterorden geworden. Der war zwar katholisch dominiert, doch ihm schlossen sich auch lutherische, reformierte und calvinistische Mitglieder an. Nicht nur durch verwandtschaftliche Beziehungen, sondern auch durch Funktionen in Diplomatie und Militär spannten die Ordensangehörigen ein Netz über ganz Europa.

Im Jubiläumsjahr werden vor allem zwei Veranstaltungen dieser Geschichte nachgehen, nämlich ein Symposium in Würzburg im Juli an der Forschungsstelle Deutscher Orden. Dort soll es um frühe Kommendegründungen unter anderem im fränkischen und preußischen, aber auch im italienischen und baltischen Raum gehen. Von 14. Juli 2019 bis 16. Januar 2020 ist im Deutschordensmuseum die Ausstellung "Mythos und Wahrheit - der Deutsche Orden im Südwesten" zu sehen. Sie thematisiert die Spiritualität des Ordens unter seinem Motto "Helfen und heilen" eben so wie seine Funktion als Versorgungsinstitution des Adels, seine Verbindung zu den Staufern und seine Verwicklung in Hexenverfolgungen.

Bildergalerie

Von Hauben und Kapuzen

Die Schwestern Gertrud (links) und Erika (rechts) bei einem Ausflug auf die Blumeninsel Mainau.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Die Schwestern Gertrud (links) und Erika (rechts) bei einem Ausflug auf die Blumeninsel Mainau.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Die Schwestern Gertrud (links) und Erika (rechts) bei einem Ausflug auf die Blumeninsel Mainau.

Morgengrauen im Schwarzwald mit Sicht auf das Kloster Stühlingen

Foto: Kiên Hoàng Lê

Wer ins Kloster geht, trifft eine radikale Entscheidung. Er begibt sich in die Hände der Gemeinschaft und gelobt Gehorsam gegenüber Gott. "Geh, verkaufe, was du hast,
gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach!" Mk 10,21

Die Tracht für die Franziskanerinnen, der Habit für die Kapuziner. Brüder und Schwestern auf einer Wanderung.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Die Tracht für die Franziskanerinnen, der Habit für die Kapuziner: Schwester Erika, Bruder Jürgen, Schwester Clara, Bruder Jürgen und Bruder Tobias auf einer Wanderung im Unterschwarzwald im April 2013. Die gleiche Kleidung gibt den Klosterbewohnern eine gemeinsame Basis: Sie spiegelt ihren inneren Ruf wider, ein Leben in Armut und Demut für Jesus zu führen.

Bruder Tobias und Schwester Julia beim Konventabend mit einem Likör.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Bruder Tobias und Schwester Julia beim Konventabend mit einem Likör. Armut zu leben, heißt für Mönche und Nonnen nicht, dass sie Hunger leiden müssen - außer sie fasten. Es bedeutet vielmehr, dass Schwestern und Brüder kein privates Geld haben; ihre Besitztümer beschränken sich auf das Hab und Gut in ihren Zimmern.

Die Brüder Jürgen (links) und Laurentius (rechts) schmusen innig mit der Klosterkatze.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Die Brüder Jürgen (links) und Laurentius (rechts) schmusen innig mit der Klosterkatze.

Schwester Odwina und Bruder Laurentius beim Gebet in der Krypta.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Schwester Odwina und Bruder Laurentius beim Gebet in der Krypta. Laurentius: "Glaube ist für mich Vertrauen riskieren, mich schenken und hingeben und meine Bereitschaft zu vergeben." Odwina: "Die Freude an Gott ist unsere Kraft. Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Der Herr ist die Kraft meines Lebens."

Die Franziskanerinnen sind bei den Kapuzi- nern angestellt; gleichberechtigt, jedoch teilweise immer noch rollenverteilt in der Küche und Wäscherei.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Die Franziskanerinnen sind bei den Kapuzinern angestellt; gleichberechtigt, jedoch teilweise immer noch rollenverteilt in der Küche und Wäscherei. Der Gottesdienst in der Kirche wird ausschließlich von den Brüdern gehalten, aber in den Andachten (Laudes, Vesper und Komplet) leiten auch die Schwestern die Gläubigen.

Schwester Maria Julia kauft Süßigkeiten für den Namenstag des Bruders Jürgen-Maria.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Schwester Maria Julia kauft Süßigkeiten für den Namenstag des Bruders Jürgen-Maria. Sie sagt: "Gott ist für mich Vater, Mutter, Heimat, mein Ein und Alles, mein Höchstes Gut. Er ruft mich bei meinem Namen, er liebt und führt mich. Alles ist in seine Hand geschrieben und am Ende meines Lebens hat er für mich eine Wohnung bereit."

Bruder Jürgen saugt den Flur des Wohnbereiches der Schwestern und Brüder.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Bruder Jürgen saugt den Flur des Wohnbereiches der Schwestern und Brüder. Er sagt: "Ich versuche meine Spiritualität in aller Einfachheit nach dem Leben des heiligen Franziskus und nach dem Evangelium zu leben. Ich werde damit niemals fertig werden.
Die ganze Vollkommenheit wird einem erst im Himmel geschenkt."

Schwester Julia reinigt den Altar von hinten.

Foto: Kiên Hoàng Lê

Schwester Julia reinigt den Altar von hinten. Viele Orden bekommen heute die Überalterung zu spüren. Die Einzelnen tragen mehr Verantwortung und müssen mehr Zeit für weltilche Aufgaben aufwenden. Wenn das Bündeln der Kräfte nicht mehr gelingt, müssenKlöster geschlossen werden. Im Falle des Klosters Stühlingen haben die Kapuziner die Franziskanerinnen von Reute eingeladen mit ihnen gemeinsam ein Kloster zum Mitleben zu gestalten.

Der Fotograf: Kiên Hoàng Lê

Foto: Kiên Hoàng Lê/Agentur Focus/cartel collective

Kiên Hoàng Lê ist seinem inneren Ruf gefolgt. Auf seinen Reisen hat er Klöster in Indien, Südostasien und Australien besucht und dabei die Freiheit gefunden, seine fotografische Leidenschaft in den Mittelpunkt seines Lebens zu rücken. Nach einem Studium der Informatik lebt er heute als freier Fotograf in Berlin und Frankfurt. Er wurde in Hanoi, Nordvietnam, geboren und wuchs in Bogensee, in Ostdeutschland auf. In seiner fotografischen Arbeit konzentriert er sich auf journalistische und dokumentarische Fotografie. <a href="http://www.hoangle.de/">hoangle.de</a>

Spannend sei im Orden auch der Aspekt der Trikonfessionalität von Katholiken, Lutheranern und Calvinisten und die dabei geübte Toleranz, so Museumschefin Maike Trentin-Meyer. Die Ausstellung widme sich auch dem baulichen Erbe des Ordens, nämlich Ordensniederlassungen von der Mainau im Bodensee bis Frankfurt am Main, vom schweizerischen Bern bis nach Regensburg.

Um diese beiden Angebote gruppieren sich Feste und Feierlichkeiten, Vorträge, Seminare und Workshops für unterschiedliche Interessen und Altersgruppen. Die Historische Deutschorden-Compagnie zu Mergentheim begeht den St. Georgstag 2019 von 26. bis 18. April mit historischen Aufzügen, Schießvorführungen und einem Jubiläumsempfang. Das Deutschordensschloss bietet einen "Tag der offenen Tür für Familien" am 16. Juni. Beteiligt sind neben Deutschordensmuseum, Polizei und Finanzamt unter anderem auch die Dualen Hochschule Baden-Württemberg und die evangelische und katholische Kirchengemeinde. Sie eröffnen den Tag mit einem Ökumenischen Gottesdienst und die Türen der Schlosskirche bis hinab in die Krypta. Der Festakt mit Pontifikalamt zum Jubiläum wird am 18. Dezember stattfinden.