Verbot von geschlechtsangleichenden Operationen an Kindern gefordert

Verbot von geschlechtsangleichenden Operationen an Kindern gefordert
Das von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag angestrebte Verbot von geschlechtsangleichenden Operationen bei intergeschlechtlichen Kindern stockt offenbar. Der Meinungsbildungsprozess innerhalb der Bundesregierung sei noch nicht abgeschlossen, erklärte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion, die den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Mittwoch) vorliegt.

Die Große Koalition hatte vereinbart, die Eingriffe zu verbieten, sofern keine medizinische Notwendigkeit besteht. Rund 2.000 Kinder werden den Angaben zufolge in Deutschland jährlich operiert, weil ihre Geschlechtsorgane nicht eindeutig zuzuordnen sind.

Die FDP plädierte für ein zügiges Verbot der Operationen. Die zuständige Berichterstatterin im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, Katrin Helling-Plahr (FDP), warf der Großen Koalition vor, über ein Lippenbekenntnis nicht hinaus zu kommen. "Sie hat bisher weder die Dimension der Problematik analysiert, noch einen konkreten Plan, wie Betroffene künftig besser geschützt werden sollen", sagte sie den Funke-Zeitungen.

Jens Brandenburg, FDP-Sprecher für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuell, Transgender und Intersexuelle (LSBTI), forderte einen Gesetzesentwurf noch im Frühjahr. "Geschlechtsangleichende Operationen an Kindern ohne medizinische Notwendigkeit müssen endlich wirksam verboten werden", sagte er den Zeitungen. "Die Selbstbestimmung der Betroffenen gehört dabei in den Mittelpunkt."

Mehr zu Intersexualität
Eigentlich hätten sich etwa 120 Teilnehmende des Europäischen Forums christlicher LSBT*-Gruppen im Mai in Budapest treffen sollen. Wegen der Covid-19 Pandemie wurde die europäische Konferenz abgesagt. Nun ist sie im Oktober ins Internet verlegt worden. Thema der Konferenz: „Komm heraus aus der Dunkelheit ans Licht!“ (nach 1. Petrus 2, 9).
Die Diskriminierung von Menschen, die homosexuell lieben, ist Sünde, erklärt der Berliner Landesbischof anlässlich der Rehabilitierung des in der NS-Zeit verfolgten Pfarrers Klein. Ein wichtiges Signal der Kirchenleitung im Kampf gegen Diskriminierung. Ein Signal, dem nun weitere Taten folgen müssen.

Auch Gabriela Lünsmann vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) kritisierte die Eingriffe bei Kindern scharf. "Diese Operationen sind keine Heileingriffe, sondern verletzen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde von intergeschlechtlichen Menschen und verstoßen gegen die UN-Kinderrechtskonvention", betonte sie.