Leitender Geistlicher sieht Einbrüche im Kerngeschäft der Kirche

Renke Brahms

© Friedrich Stark

Renke Brahms

Leitender Geistlicher sieht Einbrüche im Kerngeschäft der Kirche
Die Bremische Evangelische Kirche muss sich nach Auffassung ihres scheidenden leitenden Theologen Renke Brahms (62) darauf einstellen, dass in Zukunft auch Kernbereiche kirchlicher und pastoraler Arbeit weniger gefragt sind.

So sei in Bremen beispielsweise die Zahl der Bestattungen in den Jahren seit 2007 massiv gesunken, sagte Brahms vor den fast 140 Delegierten des bremischen Kirchenparlamentes, die am Dienstag zu Beginn einer neuen kirchlichen Legislaturperiode zur konstituierenden Sitzung zusammenkamen. Angesichts dieses Trends seien Ideen gefragt, um Menschen für Glaube und Kirche zu begeistern.

Brahms war über zwei Legislaturperioden in den vergangenen zwölf Jahren "Schriftführer" der Bremischen Evangelischen Kirche. Den Titel führt der leitende Geistliche der einzigen Landeskirche Deutschlands, die sich nur auf städtisches Gebiet erstreckt. Für eine weitere sechsjährige Amtszeit kandidiert er nicht. Die Nachfolge wird Ende März geregelt. Ab 1. Februar ist Brahms neuer theologischer Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung in der Lutherstadt Wittenberg, zunächst nebenamtlich, ab Sommer dann hauptamtlich. Brahms ist auch Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

2007 wurden Brahms zufolge in Bremen noch 3.134 evangelische Gemeindemitglieder kirchlich bestattet, 2018 waren es trotz einer älter werdenden Gesellschaft nur noch 1.700. Ein wichtiger Grund sei eine geringer werdende Kirchenbindung der Verstorbenen oder der Angehörigen, sagte Brahms. "Es zeigt sich aber, wie wichtig die Begleitung der Menschen durch Kontakte, Gruppen und Besuche ist, um die Bindung aufrecht zu erhalten." In Bremen seien ebenso die Zahlen bei Taufen, Konfirmationen und Trauungen zurückgegangen.

Das trifft auch auf die Zahl der Mitglieder in den derzeit 61 Gemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche zu. Zu Beginn der Amtszeit von Brahms waren es noch 236.000, aktuell sind es den Angaben zufolge rund 190.000. Diese Entwicklung sei vor allem auf die demografische Entwicklung zurückzuführen, erläuterte Brahms. Lange sei das nicht gleichbedeutend mit knapper werdenden finanziellen Mitteln gewesen. Doch: "Die Kirchensteuern sind im vergangenen Jahr zum ersten Mal zurückgegangen."

Angesichts zukünftig knapper werdender Ressourcen warnte Brahms deshalb vor innerkirchlichen Verteilungskämpfen und auch davor, Kernbereiche kirchlicher Arbeit gegen ein gesellschaftliches und politisches Engagement der Kirche auszuspielen. "Darin die richtige Balance zu finden, wird eine der großen Aufgaben sein", blickte er in die Zukunft. Insgesamt sieht Brahms die Notwendigkeit, dass evangelische und katholische Kirche in Bremen die Ökumene ausbauen und noch enger kooperieren, denn: "Zusammen sind wir noch etwa 50 Prozent der Bevölkerung. Das bleibt aber nicht so."

Bis zum 23. Mai besetzen die Delegierten des Kirchenparlamentes in mehreren Sitzungen Ausschüsse der Synode. Außerdem werden kirchenleitende Personen gewählt.

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