Thüringen: Jüdische Gemeinde fordert Entfernung von Nazi-Glocken

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Thüringen in der Synagoge, in Erfurt

Jens-Ulrich Koch/epd-bild

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Thüringen in der Synagoge, in Erfurt

Thüringen: Jüdische Gemeinde fordert Entfernung von Nazi-Glocken
Die Jüdische Landesgemeinde in Thüringen hat die Evangelische Kirche aufgefordert, sechs sogenannte Nazi-Glocken schnellstens abzuhängen.

"Die anhaltende Unsensibilität gegenüber den Hitlerglocken ist für uns schmerzlich", sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, der "Thüringer Allgemeine" (Mittwoch). Aus Kostengründen oder Bequemlichkeit werde eine Art der Traditionspflege zugelassen, die für ihn an Geschichtsvergessenheit grenze.

Vor einigen Monaten war bekanntgeworden, dass es auch in Thüringen noch Nazi-Glocken gibt. Laut Evangelischer Kirche in Mitteldeutschland (EKM) handele es sich um sechs Glocken in fünf Kirchen. In den aus Apolda stammenden Glocken sollen keine Hakenkreuze oder Bilder eingraviert sein, versicherte eine Sprecherin der Zeitung. Der Nazizeit zuzuordnen seien sie durch eindeutige Widmungen.

Die Landeskirche habe den betroffenen Gemeinden angeboten, die Inschriften und Symbole mit Bezug zur Nazi-Zeit auf ihre Kosten durch Abschleifen zu entfernen. Die Entscheidung hierüber liege aber beim jeweiligen Gemeindekirchenrat, da die Kirchengemeinden Eigentümerinnen der Kirche seien, so die EKM-Sprecherin.  Wo die Glocken hängen, bleibe definitiv geheim. Die Kirchen sollen keine Wallfahrtsorte für Neonazis werden, hieß es zur Begründung. Vor Ort hätten die Enthüllungen große Betroffenheit ausgelöst, so die Sprecherin. Man gehe bei der Kirchenleitung von einem sensiblen Umgang mit den Glocken aus.

Das überzeugt die Jüdische Landesgemeinde nicht. Die Kirchen müssten hier Transparenz schaffen, forderte Schramm. In den Gemeinden könnte es Sammlungen für neue Glocken geben, regte er an. "Hier gibt es bisher eine Gleichgültigkeit, wo sie nicht sein sollte. Leider kommt das für uns nicht sehr verblüffend", zitiert ihn die Zeitung.

 

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