TV-Tipp: "Mutter muss weg" (3sat)

Alter Fernseher vor gelber Wand
Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt
TV-Tipp: "Mutter muss weg" (3sat)
22.1., 3sat, 20.15 Uhr
Endlich mal ein Film über die Spannungen zwischen Mutter und Sohn! In der Regel werden in Dramen und Komödien ja eher die subtilen oder offenkundigen Feindseligkeiten zwischen Müttern und Töchtern aufgearbeitet.
"Mutter muss weg" aber zeigt, wohin es führen kann, wenn ein Sohn sein Leben lang unter der erdrückenden Dominanz einer herrischen Mutter leidet, die ihn zudem für einen verklemmten Versager hält und keine Skrupel hat, dies auch öffentlich kundzutun. Irgendwann reicht es dem Sohn, und er fasst jenen folgenreichen Entschluss, dem der Film ihren Titel verdankt. 
 
Das Drehbuch stammt von Marc Terjung, dem Schöpfer so erfolgreich Serien wie "Edel & Starck" oder "Danni Lowinski", und der zeigt sich hier von einer ungewohnten Seite: "Mutter muss weg" ist eine tiefschwarze Komödie, die gegen Ende groteske Züge annimmt. Fröhlich wirbelt Terjung diverse Zeit- und Realitätsebenen durcheinander, so dass man sich nie sicher sein kann, was Fantasie und was Wirklichkeit ist. Die Besetzung der Hauptfigur Tristan Fromm – seine Mutter ist bekennende Wagner-Liebhaberin – mit Bastian Pastewka lässt eine harmlose Sketch-Comedy erwarten, doch Edward Bergers Inszenierung  sorgt dafür, dass einem spätestens beim ersten Mordversuch das Lachen vergeht: In einer Kneipe kommt Tristan mit dem Kroaten Josip (Albert Kitzl) ins Gespräch. Der Mann bietet sich als Killer an und schreitet umgehend zur Tat, doch die Mutter entpuppt sich als äußerst zäh. Selbst wenn sich ein Teil der Szene außerhalb des Bildes abspielt: Lustig ist das nicht.
 
 
Andererseits hegt man keinerlei Mitgefühl für Tristans Mutter, denn Judy Winter versieht diese Frau mit derart eisiger Kälte, das man alsbald versteht, warum Tristan sie von Herzen hasst. Als er aber in der Klinik erfährt, dass sie aufgrund eines Herzleidens ohnehin bald sterben wird, will er Josip zurückpfeifen, doch es ist zu spät: Der Amateur hat den Auftrag einem Profi weiterverkauft. Kurzerhand bucht Tristan für seine Mutter und ihn einen Aufenthalt im mondänen Kurhotel, wo er sie auf Schritt und Tritt überwachen kann. Nacheinander verdächtigt er jeden der skurrilen Gäste, der gedungene Mörder zu sein, und ausgerechnet jetzt verliebt er sich.
 
Dank immer neuer Figuren sorgt Terjung dafür, dass die Handlung bis zum Schluss unberechenbar bleibt. Die Rollen sind zudem großartig besetzt. Jörg Hartmann zum Beispiel erfreut als Rezeptionist immer wieder mit wunderbaren Miniaturen. Wie man gemeinsam mit Tristan Mordgelüste für die Mutter entwickelt, so verliert man mit ihm sein Herz an Rosalie Thomass: Anita kümmert sich um das körperliche Wohl der Kurgäste und ist dem dicklichen Muttersöhnchen überraschenderweise zugetan; auch wenn er das feine Lächeln, das ihre Lippen umspielt, gründlich missversteht. Und doch ist es ausgerechnet Tristans Therapeutin (Karoline Eichhorn), die dafür sorgt, dass die Geschichte nach ihrem eigentlichen Ende erneut eine letzte verblüffende Wendung nimmt. Der Film (eine Wiederholung aus dem Jahr 2012) lebt neben den sorgfältigen Dialogen vor allem von der feinfühligen Führung der Darsteller; gerade Pastewka, Thomass und Hartmann reduzieren ihr Spiel immer wieder auf wirkungsvolle kleine Gesten und Blicke.