Kolonialkunst: Rückgabe an Ursprungsethnien

Frankreichs Präsident hat die Rückgabe afrikanischer Kolonialkunst gefordert.

© Michel Euler/AP/dpa

Frankreich geht mit gutem Beispiel vorran und gibt Kolonialkunst zurück, wie diese Türen die aus dem Königspalast von Glele aus dem Dahomey-Königreich im heutigen Benin stammen.

Kolonialkunst: Rückgabe an Ursprungsethnien
Die Denkmalschutzorganisation World Heritage Watch hat in der Debatte um die Rückgabe von Kulturgütern aus der Zeit des Kolonialismus die Beteiligung der Herkunftsgesellschaften angemahnt.

Bund und Länder wollen bis März eine gemeinsame Position zum Umgang mit dem kolonialen Erbe vorlegen. Das kündigte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda (SPD), Gründungsvorsitzender der neuen Fachkonferenz der für Kultur zuständigen Länderminister, in "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" (Freitag) an. Die Rückgabe von Museumsstücken aus ehemaligen Kolonien wird damit zum ersten Schwerpunktthema der Kultur-Fachministerkonferenz, die zum Jahreswechsel ihre Arbeit aufgenommen hat. 

"Frankreich zeigt uns gerade, wie man da vorgehen kann, und Deutschland darf bei diesem Thema nicht abseits stehen", sagte Brosda mit Blick auf eine Initiative von Staatspräsident Emmanuel Macron zur großzügigen Rückgabe von Kolonialkunst an die Ursprungsländer.

Die Denkmalschutzorganisation World Heritage Watch mahnte unterdessen in der Debatte um die Kulturgüterrückgabe die Beteiligung der Herkunftsgesellschaften an. In vielen Fällen der Rückgabe von Kulturgütern aus der Kolonialzeit sei die Zusammenarbeit mit den heutigen staatlichen Stellen der Herkunftsländer nicht der geeignete Weg, erklärte der Vorsitzende von World Heritage Watch, Stephan Dömpke, in einem offenen Brief an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. "Vielmehr sollten die Empfänger solcher Kulturgüter die Herkunftskulturen sein." In multiethnischen Staaten sei dies ein entscheidender Unterschied, erklärte Dömpke.

In vielen dieser Staaten hätten manche Ethnien keine politische Repräsentation oder keinen gleichen Zugang zu staatlichen Institutionen und Entscheidungsprozessen, heißt es in dem Brief. Regierungen und Verwaltungsapparate seien oft mit Vertretern nur einer oder weniger Ethnien besetzt. "Die in Frage stehenden Objekte wurden aber in der Kolonialzeit nicht von Staaten erworben - die es damals zumeist gar nicht gab -, sondern von den indigenen Kulturen", sagte Dömpke. Daher müssten sie auch an diese zurückgegeben werden: "Nur sie sind als Nachkommen der Geschädigten die legitimen Empfänger von Rückgaben." 

Parzinger hatte den Angaben zufolge zuvor gefordert, dass im Zuge der Rückgabe von in der Kolonialzeit erworbenen Kulturgütern und Gebeinen Institutionen der Herkunftsländer bei der Restaurierung und Konservierung etwa durch einen staatlichen Strukturfonds unterstützt werden sollten.

Der Hamburger Senator für Kultur und Medien sieht die neue Fachministerkonferenz im Übrigen dem "kooperativen Kulturföderalismus" verpflichtet, auf den die schwarz-rote Koalition sich im Koalitionsvertrag verständigt hat. Aus seiner Sicht "fehlte den Ländern bisher ein Resonanzraum, sich im bundesweiten Kulturdiskurs deutlich zu artikulieren". Es sei nicht mehr zeitgemäß, kulturelle Themen im Rahmen der Kultusministerkonferenz mitzuberaten. "Es gibt eine wachsende Zahl von Themen, die über Ländergrenzen hinweg relevant sind", betonte Brosda. "Da reicht es nicht mehr aus, wenn sich jedes Land um die Förderung seiner kulturellen Institutionen kümmert. Da müssen wir uns enger abstimmen." 

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