Fernsehwochenvorschau: "Die Versteigerer"

Was läuft in der Woche vom 5. bis 11. Januar 2019 im Fernsehen?
DIE VERSTEIGERER,"Profiteure des Holocaust"

MDR/Hoferichter und Jacobs

In "Die Versteigerer - Profiteure des Holocaust" spielt Stefanie Pfeffer aus Baisingen auf einer Geige aus einer "Judenauktion". Rechts im Bild: Fredy Kahn, Sohn eines Überlebenden aus Baisingen.

Was läuft im Fernsehen? Programmvorschau für die Woche vom 5. bis zum 11. Januar 2019.

5.1., Phoenix, 11.30 Uhr: "Der Antisemitismus-Report 2018"

Das jüdische Restaurant Schalom in Chemnitz wird Ende August von einer Gruppe Neonazis überfallen, der Eigentümer leicht verletzt. Judenfeindliche Pöbeleien, Beleidigungen, Schmierereien: Das kennt er seit vielen Jahren. Ein Angriff mit Steinen und Flaschen aber ist eine neue Gefahr. Antisemitismus ist in Deutschland lauter und bösartiger geworden. Einerseits haben 78 Prozent der befragten Juden einer Untersuchung zufolge das Gefühl, Antisemitismus habe deutlich zugenommen. Offene Anfeindungen und Angriffe gingen dabei häufig von Muslimen aus. Andererseits zeigen Studien, dass der Anteil der Bevölkerung, der antisemitischen Vorurteilen anhängt, seit Jahren sinkt. Wird das Problem also nicht ausreichend oder wird es sogar zu stark thematisiert?

Adrian Oeser sortiert in seinem Film Fakten und Einschätzungen. Er besucht eine jüdische Familie in Frankfurt am Main, in der es nicht anders zugeht als in den meisten anderen deutschen Familien. "Wir leben nicht koscher", sagt die Mutter, "wir essen alles, was uns schmeckt." Die drei Kinder berichten, dass sich die Stimmung aber sofort dreht, wenn im Alltag deutlich wird, dass sie Juden sind; da kommt dann zum Beispiel die Frage auf, ob Juden denn Steuern zahlen müssten. Es ist diese Mischung aus Unkenntnis, Vorurteilen und zunehmend auch offener Aggression, die das Lebensgefühl beeinflusst, Vorsicht und Ängste auslöst. "Wir haben in der Familie diskutiert, ob wir vor die Kamera gehen oder nicht", sagt die Mutter im Interview. "Vielleicht sollte nicht unbedingt jeder wissen, dass wir Juden sind. Man macht sich angreifbar." Oeser spricht mit Fachleuten und Betroffenen, besucht rechtsextreme Versammlungen, antiisraelische Veranstaltungen und Präventionsprojekte. Eine aktuelle Umfrage lotet die Haltung der Bevölkerung aus. Danach halten die meisten Antisemitismus heute vor allem für ein Problem von Muslimen und Rechtsextremen. Stimmt das? Und wo schlägt politische Kritik am jüdischen Staat Israel um in Judenfeindschaft? Brisante Fragen, denen der Film mit Zahlen, Daten und Begegnungen mit Betroffenen nachgeht.

5.1., Phoenix, 14.15 Uhr: "Die Heiligen Drei Könige"

Sie waren keine Könige, keine Heiligen und zu dritt waren sie auch nicht. Und dennoch gehört ihre Geschichte zu den bekanntesten unseres Planeten. Ohne sie gäbe es keinen goldenen Schrein und keinen Kölner Dom, die drittgrößte Kathedrale der Welt. Mehr als ein Viertel der Menschheit kennt die Namen der drei: Caspar, Melchior und Balthasar, doch kaum einer weiß etwas über die drei Weisen aus dem Morgenland. Der Film ist gleichermaßen märchenhafte Legende und  Wissenschaftskrimi. Die Dokumentation führt in nahe und ferne Regionen: Köln, Mailand, Istanbul, die antike Metropole Palmyra in der syrischen Wüste, und schließlich Lalibela im äthiopischen Hochland. Sind es wirklich die sterblichen Überreste der Heiligen Drei, die im Kölner Dreikönigenschrein aufbewahrt werden? Gab es ihn wirklich, den Stern von Bethlehem? Der Film erzählt die Weihnachtsgeschichte, wie sie wirklich war.

5.1., Phoenix, 14.00 Uhr: "Geheimnisvolle Orte: Geheimnis Kölner Dom"

Die dritthöchste Kirche der Welt, das beliebteste Bauwerk Deutschlands, machtvolle Kulisse für Könige, Popstars und Demonstranten: Das alles ist der Kölner Dom. Doch der Glanz bringt auch eine Bürde mit sich. Denn der Dom ist ein verletzlicher Riese. Seine Schätze haben die Stadt erst groß gemacht. Bis heute ist der Dom ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: 20.000 Menschen besuchen ihn am Tag, er wird im Karneval besungen, Produkte vom Flaschenöffner bis zur Plätzchenform werden mit seiner Silhouette beworben. Ein so machtvolles und unverkennbares Symbol wird auch als Garant für Schlagzeilen genutzt: Umweltaktivisten ketten sich am Turmgerüst fest, eine feministische Aktivistin zieht sich im Weihnachtsgottesdienst aus, Skater und Artisten nutzen die Domplatte für ihre Auftritte.

Der Dom ist Kulisse für Staatsoberhäupter und Weltstars, er ist Party- und Eventzone und gerät dabei immer wieder auch in Gefahr: am augenfälligsten in der Silvesternacht 2015, aber auch ganz alltäglich durch Rowdies, Wildpinkler und Witterungsschäden. Rund 20.000 Euro verschlingt allein der Erhalt jeden Tag. Sogar Einbrüche hat es immer wieder gegeben. Am spektakulärsten war der Domschatzraub 1975, von dem im Film die ehemalige Kölner Staatsanwältin Maria-Therese Mösch (Spitzname "Bloody Mary") berichtet. Der Dom ist weit mehr als nur ein katholisches Gotteshaus. Deshalb ist er im Laufe seiner Geschichte auch immer wieder vereinnahmt worden: politisch, kommerziell, gesellschaftlich. Wie der verletzliche Riese trotzdem seine Würde bewahrt, davon erzählt diese Dokumentation.

5.1., Phoenix, 15.45 Uhr: "Kaiser, Mörder, Heiliger"

Im Jahr 326 nach Christus bereitet sich ganz Rom auf das zwanzigjährige Regierungsjubiläum von Kaiser Konstantin vor, dem Alleinherrscher, dem Unbesiegbaren. Aus dem ganzen Reich sind die Gäste geladen, allen voran die kaiserliche Familie. Auch Crispus, der älteste Sohn des Kaisers, macht sich auf den Weg aus dem fernen Istrien, dem heutigen Kroatien. Crispus ist ein erfolgreicher Feldherr. Für seinen Vater hat er große und entscheidende Schlachten gewonnen. Alle sehen in ihm den Nachfolger von Kaiser Konstantin. Doch Crispus wird Rom nie erreichen: Tod durch Gift. Wer hat ihn umgebracht? Im engsten Umfeld des Kaisers geschehen weitere, mysteriöse Morde. Eine Verschwörung? Eine Familientragödie? Die Spuren führen zu Kaiser Konstantin dem Großen.

Im ganzen Reich kommt es zu einer Serie von Morden, der auch angesehene Senatoren und Freunde des Kaisers zum Opfer fallen. Auch hier steht der römische Kaiser unter Verdacht. Konstantin der Große ist in die Geschichte eingegangen als der erste christliche Herrscher. Mit ihm beginnt der Aufstieg des Christentums. Aber wer war er wirklich? "In diesem Zeichen wirst Du siegen", soll Christus ihm in einer Vision vor der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke prophezeit haben. Konstantin habe darauf das Kreuz auf die Schilde seiner Soldaten malen lassen. Der Petersdom, heute eines der prächtigsten Bauwerke der Welt, geht auf Konstantin zurück. Halb Italien soll der Kaiser dem Bischof von Rom als Kirchenstaat geschenkt haben. Der unabhängige Vatikanstaat ist ein letzter Rest davon. Auf den Mauern des alten Byzanz gründet der Kaiser Konstantinopel neu, das heutige Istanbul. Die Stadt Trier erblüht unter Konstantin zur prachtvollen Residenz. In Jerusalem lässt er auf dem Grab Jesu eine Kirche erbauen. Die Ostkirche verehrt ihn noch heute als Heiligen.

Die Spuren, die Kaiser Konstantin hinterlassen hat, sind voller Widersprüche. Die frühen Biographien sind christliche Lobredner. Legenden haben das Bild des Herrschers über Jahrhunderte ausgeschmückt. Auch die jüngste Forschung ist gespalten: War Konstantin wirklich Christ, oder benutzte der allmächtige Kaiser Christus als Kriegsgott zur Festigung seiner Herrschaft? Der Film nimmt die Zuschauer auf eine Spurensuche an faszinierende und prachtvolle Orte der antiken römischen Welt mit. Führende Wissenschaftler und Schlüsselszenen aus dem Leben des Konstantin führen zu überraschenden Erkenntnissen und Antworten.

5.11., Phoenix, 16.30 Uhr: "Der Aachener Dom"

Geheimnisse, Wunder und Legenden: Kaum ein Bauwerk in Deutschland kann es in dieser Hinsicht mit dem Aachener Dom aufnehmen. Im Jahre 803 wurde die Kathedrale fertig gestellt, entworfen von Karl dem Großen, der schon zu Lebzeiten Legende war. Seit zwölf Jahrhunderten ist der Dom ein Magnet für Gläubige wie für Kunstliebhaber: seit dem Mittelalter Wallfahrtskirche, 600 Jahre lang der Krönungsort römisch-deutscher Könige und eines der ersten zwölf Baudenkmäler weltweit, die als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt wurden. Die Strahlkraft der Kirche war bei ihrer Fertigstellung so überragend, dass Reisende rühmten, sie sei schon von den Alpen aus zu sehen. Tatsächlich war der Dom für Jahrhunderte der höchste Kirchenbau nördlich der Alpen, ausgestattet mit kostbarsten Säulen, Mosaiken und Reliquien. Der Dom galt als ein "Bau-Wunder" und "Wunder-Bau". Er erschien den Zeitgenossen so erstaunlich, dass es bald hieß, der Teufel selbst habe beim Bau geholfen und sei um seinen Lohn betrogen worden.

Wie um das abergläubische Geraune zu bestätigen, erschütterte ein Erdbeben kurz vor der Fertigstellung den Bau und zog einen Riss vom Dach bis in die Fundamente; eine Wunde, die den heutigen Dombaumeister ganz aktuell umtreibt. Dieser Riss zielt mitten in das eigentliche Geheimnis des Kirchenbaus: Wie konnte er die vielfältigen Erschütterungen in seiner 1.200-jährigen Geschichte überstehen? Die Dokumentation von Rüdiger Heimlich und Luzia Schmid gibt überraschende Einblicke in die Konstruktionsweise des Doms. Die antiken Maße, mit denen Baumeister Odo von Metz einst die Kirche konstruierte, die Zahlenmagie und Symmetrie, die hinter den Proportionen des Bauwerks stecken, konnten erst in jüngster Zeit mit modernsten Mitteln entschlüsselt werden.

Sie belegen, dass Karl der Große mit seinem Gotteshaus nichts weniger errichten wollte als ein Abbild des Himmlischen Jerusalems. Der Film zeigt, welch erstaunliche Schätze zu unterschiedlichen Zeiten nach Aachen gekommen sind, wie sie in Krisen- und Kriegszeiten in Sicherheit gebracht wurden und welch unglaubliche Odyssee der Domschatz am Ende des Zweiten Weltkriegs überstehen musste. Der Film unternimmt eine Entdeckungsreise hinter die Kulissen, an sonst unzugängliche Orte und zu unbekannten Aspekten der Domgeschichte - mit Menschen, die die Geheimnisse des Doms kennen und hüten. Sie erzählen von den Momenten, in denen der Aachener Dom in Gefahr war und in denen er gerade durch die Einfallskraft und den leidenschaftlichen Einsatz der Aachener bewahrt wurde.

6.1., Arte, 15.00 Uhr: "Sakrale Bauwerke: Von Menschen, Göttern und Natur: Asiens Tempel"

Vor 2.500 Jahren wurde aus dem Menschen Siddhartha Gautama Buddha, der Erwachte. Dreihundert Jahre später brachte der Kult um seine sterblichen Überreste die ersten Sakralbauten Asiens hervor. Buddhas Lehren verbreiteten sich über den gesamten asiatischen Kontinent und hinterließen eine Architektur, die den Menschen in den Mittelpunkt des Universums stellt. Von Indien bis Japan, von Myanmar bis in die Mongolei integrierten die Kulturen dieses Gedankengut in ihre eigenen Glaubensvorstellungen. Die dritte Episode der Reihe "Sakrale Bauwerke" taucht in die faszinierende Welt asiatischer Tempelbauten ein. Was diese Glaubensstätten trotz ihrer Mannigfaltigkeit eint, sind bestimmte Konstruktionsprinzipien. Variationen von Kreisen und Vierecken symbolisieren Himmel und Erde, oder die Form des menschlichen Körpers. Ein besonders beeindruckendes Beispiel asiatischer Sakralarchitektur ist der Minakshi-Tempel in Madurai im Süden Indiens.

Der gigantische Komplex hat die Form eines Mandala, einer heiligen geometrischen Figur, die aus dem Hinduismus, einer der ältesten aller Religionen, überliefert ist. Seine prachtvolle, symbolträchtige und figurenreiche Architektur erzählt in 33.000 farbigen Skulpturen von den Abenteuern des Gottes Shiva und seiner Gattin Minakshi, denen die Anlage geweiht ist. In Thanjavur hat der über tausend Jahre alte Brihadishvara-Tempel seine ursprüngliche Gestalt bewahrt. Seine harmonischen Proportionen und die Fülle von Granitskulpturen verleihen ihm unvergleichliche Schönheit und machen ihn zu einem architektonischen Juwel Südindiens.

Bodhgaya in Nordindien ist wiederum einer der wichtigsten buddhistischen Pilgerorte der Welt. Hier soll Siddhartha Gautama die Erleuchtung erlangt haben. Der Tempelkomplex Daitoku-ji im japanischen Kyoto steht dagegen für den typischen Stil des Zen-Buddhismus. Er legt seinen Schwerpunkt auf das Nichtsein als spirituelles wie auch ästhetisches Prinzip. Mit den ihn umgebenden Zen-Gärten ist er gleichsam eine Hymne auf die Natur, die als Vermittler zwischen Profanem und Sakralem, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren wirkt.

6.1., ARD alpha, 21.50 Uhr: "Streetphilosophy: Der Wille in mir"

Tag für Tag trifft der Mensch hunderte Entscheidungen. Aber welche Motive haben wir dabei, und wie kommen sie zustande? In dieser Folge von "Streetphilosophy" stellt sich Jonas Bosslet die Frage, wie frei wir in unseren Entscheidungen sind. Sind wir unseres Glückes Schmied? Oder ist von Geburt an klar, was aus uns wird, weil unsere Gene, unsere Eltern, unser Umfeld die Weichen gestellt haben? Jonas trifft Noah Becker bei einer Jamsession seiner Band Bakery. Noah hat ein Luxusproblem: Sein Vater, Tennislegende Boris Becker, ist reich und berühmt. Als Promisohn stehen Noah viele Türen offen, die anderen verschlossen bleiben. Was aber, wenn man keine Lust auf den ganzen Zirkus hat? Bei den Kreuzberger Schülern Knut und Anna ist es genau umgekehrt. Sie haben keinen so einfachen Start ins Leben und besuchen eine Brennpunktschule. Jonas holt Anna und Knut mittags vom Unterricht ab und zieht mit ihnen um die Häuser.

Überall hört und liest man, dass diese Jugendlichen keine Perspektiven haben, dass nichts aus ihnen werden kann. Anna und Knut behaupten aber das Gegenteil: Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst! Einen eisernen Willen haben auch Profisportler. Deshalb trifft sich Jonas mit dem Philosophen Sebastian zu einem Spiel der Basketballer von Alba Berlin. Bei einer Zigarette auf dem Balkon der Arena sprechen die beiden darüber, was Willensfreiheit bedeutet. Nach dem Spiel ist Jonas mit Alba-Profi Akeem Vargas in der Umkleidekabine verabredet. Er gilt als Musterprofi, der unermüdlich auf Ziele hinarbeitet und genau weiß, was er will. Aber immer wissen zu müssen, was man will und warum, kann furchtbar anstrengend sein. Was, wenn man den Wunsch hat, seinen freien Willen abzugeben - oder mehr noch: sich dem Willen eines anderen Menschen zu unterwerfen? Darüber spricht Jonas mit Lady Mercedes und Lady Marlon in ihrem Dominastudio in Berlin-Spandau. Ein Besuch bei ihnen hat für viele Männer etwas Therapeutisches, sagen sie.

6.1., Tagesschau24, 15.30 Uhr: "Ein Jude und sein Dorf - Besuch in der Wetterau"

Sie sind schon ganz aufgeregt in Wohnbach in der Wetterau, denn sie erwarten einen ganz besonderen Gast: Hans Bär besucht nach achtzig Jahren Exil in Argentinien zum ersten Mal sein Heimatdorf, in dem heute tausend Menschen leben. Mit 14 Jahren floh er mit der Mutter vor den Nazis. Nun kommt der 95-Jährige mit seinen Enkelinnen nach Wohnbach. Sie sind neugierig auf die alte Heimat ihres Großvaters, hatten diese Zeitreise angestoßen, und Hans Bär will voller Mut noch einmal einen Blick in die Vergangenheit wagen, ohne genau zu wissen, wie sehr dies die alten Wunden wieder aufreißen kann. Gespannt und voller Energie macht er sich auf den weiten Weg, aber als er ankommt, braucht er doch einen Moment, ehe er die Kraft hat, aus dem Auto zu steigen. Und was macht das mit dem Dorf, wenn einer zurückkehrt, der die Menschen an die Nazizeit erinnert, in der die jüdischen Mitbürger vertrieben oder ermordet wurden?

An der Mauer unter der evangelischen Kirche hängt eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer aus Wohnbach. Auch Großvater und Onkel von Hans Bär sind darauf erwähnt. Einige wenige Menschen von damals leben heute noch im Ort. Werden sie ihn noch erkennen? Wie schwer wird es, mit dem Überlebenden der jüdischen Familie Bär ins Gespräch zu kommen? Wolfgang Harmert hat eine Begrüßungsgruppe ins Leben gerufen, organisiert das Programm des großen Empfangsfests in der Dorfturnhalle - mit Bürgermeister, Heimatliedern und fast fünfzig Torten. Die Pfarrerin bereitet einen Gottesdienst vor, und die Familie, die in dem Haus lebt, in dem Hans Bär als Kind wohnte, hat sich vorgenommen, für ihn ein Bäumchen zu pflanzen und ihm sein altes Zuhause zu öffnen. Marco Giacopuzzi zeigt in seinem Film, welche dieser Vorhaben tatsächlich klappen und wie Hans Bär seine alte Heimat erlebt.

6.1., Tagesschau24, 20.15 Uhr: "Meine Täter, die Priester"

"Allzu lange ist in der Kirche Missbrauch geleugnet, weggeschaut und vertuscht worden. Die Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit." Am 25. September 2018 hat Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, diese Sätze bei der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche gesagt; damals hat er alle Opfer von Missbrauch durch katholische Amtsträger in Deutschland um Entschuldigung gebeten. Dass der Umgang der Kirche mit Missbrauch auch aktuell noch problematisch ist, zeigt nun einer der prominentesten Opfervertreter in Deutschland, Matthias Katsch. Der ehemalige Canisius-Schüler und Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" hat 2010 den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland ausgelöst. Über dreißig Jahre blieben die Verbrechen seiner Täter, zweier Jesuitenpriester, im Verborgenen. Weil die Aufklärung nicht voran geht, hat Katsch die Dinge nun selbst in die Hand genommen. Er ist nach Chile gereist und hat dort nach den Spuren seiner Täter und weiteren Opfern gesucht. Autorin Eva Müller hat ihn dabei mit der Kamera begleitet. Die Recherche zeigt: Der zweite Haupttäter am Canisius-Kolleg, Wolfgang S., wohnt bis heute in Chile und hat dort einen Sportverein für Jugendliche gegründet. Er hat seinem ehemaligen Kollegen Peter R. von dort aus Jugendliche zum "Stipendium" nach Deutschland vermittelt. Während dieser Aufenthalte werden die Jugendlichen von Peter R. missbraucht. Eine Rolle spielt auch das größte Sozialwerk Südamerikas: Christo Vive. Auch von hier aus brachen Jugendliche zu Priester Peter R. nach Deutsch-land auf, um bis zu einem Jahr bei ihm zu leben. Die Betroffenen sprechen zum ersten Mal über Ihren Missbrauch.

7.1., Arte, 17.10 Uhr: "Stätten des Glaubens"

Die 15teilige Reihe zeigt einige der schönsten Sakralbauten der Welt und erzählt, was dort im Laufe eines Tages passiert. Neben der Architektur widmet sie sich den Riten der Menschen, die diese Orte zum Leben erwecken. Den Auftakt bildet der Minakshi-Tempelkomplex im südindischen Madurai. Der Grundriss der sechs Hektar großen Anlage hat die Form eines Mandalas, die im Hinduismus als heilig gilt. Circa 30 Millionen bunte Figuren schmücken die zwölf Haupttürme und Nebengebäude des religiösen Bauwerks und erzählen von den Abenteuern unterschiedlicher Gottheiten. Jeden Abend herrscht in dieser Tempelanlage eine ganz besondere Atmosphäre, denn zahlreiche Gläubige strömen bei Sonnenuntergang herbei, um die Vereinigung des Hauptgottes Shiva und seiner tamilischen Geliebten Minakshi zu feiern, der dieser Tempel gewidmet ist. Arte zeigt die weiteren Folgen werktags um 17.10 Uhr.

7.1., WDR/NDR, 22.00 Uhr: "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss"

Vierzig Jahre nach der Erstausstrahlung im Januar 1979 wiederholen WDR, NDR und SWR (ab Mittwoch, 22.00 Uhr) die Serie "Holocaust". Die Geschichte der jüdischen Familie Weiss hatte damals zur Folge, dass in vielen Familien erstmals über den Nationalsozialismus diskutiert wurde. Die Serie mit damals noch weitgehend unbekannten heutigen Stars wie Meryl Streep oder James Woods war ein Medienereignis, die Episoden hatten zum Teil bis zu 15 Millionen Zuschauer; sie hatte unter anderem zur Folge, dass sich auch in Deutschland der Begriff Holocaust für die Verfolgung und Ermordung der Juden etablierte. Allerdings gab es auch Kritik. Gerade in Deutschland wurde die Meinung vertreten, es führe zu einer Trivialisierung des Schreckens, wenn der Völkermord als massentaugliche Unterhaltung in form einer Seifenoper inszeniert werde.

Die Handlung der Familien-Saga beginnt 1935 mit der Hochzeit von Karl und Inga Weiss. Nach den Nürnberger Gesetzen, die wenig später erlassen werden, gilt ihre Ehe als "Rassenschande", denn Karl ist Jude. Trotz der Repressalien, denen die sogenannten "Mischehen" ausgesetzt sind, kann sich die Familie Weiss nicht dazu entschließen, Deutschland zu verlassen. Sie empfinden sich als deutsche Staatsbürger und machen sich keine Vorstellung vom zukünftigen Schrecken. Nach der Pogromnacht spitzen sich die Ereignisse zu: Karl wird verhaftet und kommt in das KZ Buchenwald, sein Vater wird nach Polen deportiert, seine Tochter Anna wird nach dem Schock einer Vergewaltigung Opfer des Euthanasie-Programms. Die Eltern von Inga nehmen sich das Leben. Der WDR zeigt die zweite Episode morgen; die Teile drei und vier folgen am 14. und 15. Januar.

8.1., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Wenn der Zufall Schicksal spielt"

Es gibt Erlebnisse zwischen Himmel und Erde, die mit dem Verstand nicht zu erklären sind. Anabel Münstermann geht in ihrem Film der Frage nach, ob solche Ereignisse Zufall sind oder so etwas wie Schicksal. Viele Menschen glauben an einen großen Plan, den das Leben für sie geschrieben hat, weil sich die Dinge mitunter verblüffend gut fügen: Der eine hat seine große Liebe getroffen, weil er eine Straßenbahn verpasst hat, der andere hat den Job fürs Leben gefunden, weil er auf einer Party zufällig mit einem anderen Gast ins Gespräch gekommen ist. Für Rationalisten klingen Begriffe wie Vorbestimmung, Fügung oder Schicksal Esoterik und selbst gebastelter Religion.

Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie bestimmte Wendungen und Ereignisse im Leben zu deuten sind. Fest steht jedoch: Der Zufall durchkreuzt Pläne, greift in unseren Alltag ein, gibt ihm einen neuen, ungeplanten Dreh, bringt Unglück oder gar den Tod. Aber wenn wir Glück haben, eröffnet er auch einmalige Chancen. Zu den Geschichten, die die Autorin erzählt, gehört auch die von Thomas (40). Wenn er damals nicht den Bus verpasst hätte, gäbe es ihn jetzt nicht mehr: Er ist vor 13 Jahren beinahe Opfer eines terroristischen Bombenanschlags in London geworden. Thomas' Einstellung zum Leben ist immer optimistisch, voller Gottvertrauen. Er glaubt, es war kein Zufall, dass er damals genau im entscheidenden Moment zu spät gekommen ist.

Manfred (62) ist promovierter Naturwissenschaftler und davon überzeugt, dass alles im Leben immer nur zufällig geschieht. An schicksalhafte Fügungen oder Bestimmung glaubt er nicht, an Gott schon gar nicht. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse in seinem Leben. Zufällig trifft er nach vierzig Jahren seine Schulhofliebe Claudia wieder. Hals über Kopf verlässt Manfred Frau, Kind und Eigenheim, um der ersten großen Liebe aus Kindertagen zu folgen. Wenige Wochen später bekommt er eine Krebsdiagnose mit sehr geringer Überlebenswahrscheinlichkeit. Seitdem betrachtet er das Leben aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Christine (53), Erzieherin aus Berlin, war schon immer davon überzeugt, dass die einschneidenden Ereignisse im Leben nicht durch Zufall gelenkt werden, sondern dass alles Bestimmung ist. Mehr noch glaubt sie, dass vieles, was passiert, innerlich zu spüren ist, sich vorher ankündigt. Am 11. April macht sie sich schick, denn sie feiert ihren 33. Geburtstag. Es ist der Tag, an dem sie noch einmal das Leben geschenkt bekommen hat. Damals ist das alte Fährboot, das sie und zwei Reisegefährtinnen von einer thailändischen Insel zum Festland bringen sollte, mitten auf dem Meer gesunken. Sie wagen es, zu dritt los zu schwimmen, fünf Stunden lang durch die Nacht. Sie erreichen tatsächlich Land, und es gelingt ihnen, Hilfe zu holen. Dank dieser erstaunlichen Rettungsaktion konnten noch mehr als neunzig Überlebende aus dem Bootswrack gerettet werden. Christine ist sich sicher: Das war Schicksal.

8.1., Tagesschau24, 20.15 Uhr: "Erleuchte uns" 

James Arthur Ray war lange ein Superstar der amerikanischen Coachingszene und "self-help-industry". Sein Buch "The Secret" verkaufte er sechs Millionen mal, den Film dazu zwei Millionen mal. Sein Charisma lockte weltweit Menschen zu seinen Motivationsvorträgen und in seine Seminare, bei denen er durch rhetorisches Geschick und ein raffiniertes Spiel mit dem Schaffen von Vertrauen und physischen wie psychischen Grenzüberschreitungen "Durchbrüche" in der Krisenbewältigung erzielt und den Menschen (scheinbar) neue Perspektiven im Leben ermöglicht.

Doch 2009 kommt es bei einem von Ray veranstalteten Seminar, für das die Teilnehmer knapp 10.000 Dollar bezahlten, zur Katastrophe: Bei einer "Schwitzhüttenzeremonie" sterben drei Menschen, Ray wird wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Als er freikommt, haben sich die meisten seiner Fans und Anhänger von ihm abgewandt, sein Ruf in der Öffentlichkeit ist ruiniert. Vom Tag seiner Entlassung aus dem Gefängnis an hat die Filmemacherin Jenny Carchman Ray mit der Kamera begleitet. In ihrem Film kommt sie ihm ungewöhnlich nahe und dokumentiert, wie der einstige Guru als gebrochener, insolventer Mann versucht, mit den Methoden, die er in den Jahren zuvor gepredigt hat, ins Leben zurückzukehren. So gelingt ihr ein intensiver Einblick in das Geschäft mit dem Heil.

9.1., NDR, 23.50 Uhr: "7 Tage…unter Pilgern"

Es gibt Menschen, die sagen, der Jakobsweg hätte ihr Leben verändert. Der prominenteste deutsche Pilger, Hape Kerkeling, hat in seinem Bestseller "Ich bin dann mal weg" sogar geschrieben, ihm sei Gott begegnet. Pilgern erlebt seit Jahren einen Run. In den letzten sieben Jahren hat sich die Anzahl der Pilger fast verdoppelt. 300.000 sind 2017 auf dem Camino Francés, dem bekanntesten Abschnitt des Jakobsweges, bis nach Santiago di Compostella gelaufen. Sara Endepols und Thomas Niemietz gehen in ihrem Film der Frage nach, was die Faszination des Pilgerns ausmacht: Wieso machen sich immer mehr Menschen auf den Weg, obwohl die Füße nach einiger Zeit wehtun, der Rucksack drückt und man in den einfachsten Herbergen nächtigt? Oder ist es gerade das: die Suche nach dem einfachen und reduzierten Leben? Der Reiz des Films liegt nicht zuletzt in der persönlichen Perspektive, denn Reporterin Endepols steckte Anfang des Jahres in einer Art Lebenskrise. Ein Freund sagte: "Geh doch pilgern, das könnte dir helfen." Und genau das tat sie. Sie machte sich auf den Jakobsweg mit der Frage im Rucksack: Hilft Pilgern in Lebenskrisen?

10.1., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Ehe aus Vernunft"

Katharina Wulff-Bräutigam ist Expertin für die Liebe in ihren unterschiedlichsten Formen; zumindest als Autorin der WDR-Reihe "Menschen hautnah". Diesmal stellt sie drei ungewöhnliche Beziehungen vor, die auf ihre eigene Art und Weise funktionieren. Heiraten, Kinder bekommen und mit dem Partner ein Geschäft aufbauen: Das war der große Lebenstraum von Susanne Wendel. Doch was fehlte, war der richtige Mann. Mit 35 Jahren hatte sie sich von ihrem langjährigen Freund getrennt. Mit 38 war die Buchautorin immer noch Single und auf der Suche nach dem Richtigen. Während eines Seminars riet ihr die Trainerin, sich doch einfach ein Ziel zu setzen: eine Verlobung. Susanne überlegte nicht lange, machte eine Kandidatenliste und verlobte sich fünf Tage später mit Frank Thomas. Beide waren nicht verliebt, hatten aber beide dieselben Ziele.

Manuela und Oli gingen den klassischen Weg: Sie haben aus Liebe geheiratet, Romantik war ihnen wichtig, aber im Alltag blieb die Verliebtheit nach und nach immer mehr auf der Strecke. Manuela zog schließlich aus und war ein Jahr lang die Geliebte eines verheiraten Mannes. Irgendwann spürte sie jedoch, dass sie allein in der kleinen Wohnung unglücklich war. Sie entschied sich dafür, zurück in das gemeinsame Haus zu ziehen. Nun leben die beiden miteinander und nebeneinander in einem Haus. Die Basis ihrer Ehe: Freundschaft.

Ein Kind war der Grund, dass Sascha und Tanja aus Köln mit 17 Jahren geheiratet haben. Sie war schwanger, seine Mutter bestand darauf, dass die Jugendlichen heiraten. Ein Paar waren sie vorher nie gewesen, nur Freunde. Mittlerweile haben sie zwei weitere Kinder und sind noch immer zusammen - seit 31 Jahren. Sie haben viele Höhen und Tiefen erlebt, aber eine Trennung war für beide nie ein Thema.

10.1., Phoenix, 20.15 Uhr: "Unantastbar - Der Kampf für Menschenrechte"

Angesichts der Gräuel des Zweiten Weltkriegs wurden 1948 die vermeintlich für alle Erdenbürger gültigen Menschenrechte formuliert. Rasch zeigte sich jedoch: Die Charta repräsentierte vor allem eine westlich-abendländische Weltanschauung. Anlässlich des 70. Jahrestages der UN-Menschenrechtserklärung schildern Angela Andersen und Claus Kleber, wie es heute um diese Säule der menschlichen Zivilisation steht. Ihre globale Bestandsaufnahme wirft unbequeme Fragen auf. Sie zeigen, dass damals weder die Sitten und Wertevorstellungen der islamischen Welt noch asiatische Gesellschaftsnormen angemessen berücksichtigt worden sind. Liegt hier vielleicht ein Schlüssel zum Verständnis aktueller Konflikte und Krisen? Welche Nachbesserungen sind nötig?

Es kommen Stimmen aus vielen Teilen der Welt zu Wort; Menschen, die an der Basis arbeiten, ebenso wie solche, die die Last politischer Verantwortung kennen. Biografisch werden dabei zwei Protagonisten besonders porträtiert: die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, die als Kind die Schrecken des Naziterrors erlebte, und Joachim Gauck. Er stritt in verschiedenen Funktionen für die Einhaltung der Menschenrechte: als Pastor in der DDR, nach der Wende als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und schließlich sogar als Bundespräsident. Die Dokumentation belegt: Siebzig Jahre nach der UN-Deklaration ist die globale Einhaltung der Menschenrechte nach wie vor ein unerreichtes Ideal; aber eines, für das es sich zu kämpfen lohnt.

11.1., Tagesschau24, 21.17 Uhr: "Die Versteigerer"

Neue Aktenfunde machen es möglich, eines der schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte aus einer vollkommen neuen Perspektive zu erzählen. Mit der Akribie eines deutschen Beamten hat der Versteigerer Hans Klemm in Leipzig jeden Verkauf ehemals jüdischen Eigentums zwischen 1933 und 1944 dokumentiert. In unzähligen Listen sind die von den ausreisenden und deportierten Juden zurückgelassenen Gegenstände erfasst: Betten und Schränke, Tische und Stühle, Bettwäsche, Kleidung, Musikinstrumente und Spielzeug. Jeder Gegenstand wird geschätzt und dann versteigert. Als Auftraggeber fungieren damals die Geheime Staatspolizei oder die Oberfinanzdirektion, die das Geld zugunsten der Reichskasse einziehen. Doch auch der Versteigerer selbst erzielt gewaltige Gewinne. Zehn Prozent des Versteigerungserlöses stehen ihm zu. Die Gewinne von Hans Klemm steigen in der NS-Zeit von etwa 10.000 auf über 100.000 Reichsmark pro Jahr.

Versteigerung Lörrach, Nov 1940.

Die Aktenfunde rund um den Leipziger Versteigerer Klemm waren für die beiden Filmemacher Jan N. Lorenzen und Michael Schönherr der Anlass, sich auf eine Reise durch Deutschland zu begeben. In mühseliger Recherche haben sie festgestellt: Überall, in jeder Stadt und in jedem kleinen Dorf, in dem Juden gelebt haben, sind deren Habseligkeiten meist unmittelbar nach deren Deportation unter den Hammer gekommen und dies wurde genau dokumentiert. Im mecklenburgischen Stavenhagen zum Beispiel kümmert sich der Bürgermeister persönlich um den Verkauf der Hühner und Kaninchen des "Juden Jacobssohn". In Schwerin leuchtet Elektromeister Max Kuhlmann den Verkaufsraum aus. In Lörrach bannt ein Polizeifotograf auf Zelluloid, wie im Ort eine Art Schlussverkaufsstimmung entsteht, als die Gegenstände und Möbel der deportierten Juden direkt in den Innenhöfen der Häuser versteigert werden. Und in Düsseldorf freut sich die Stadtverwaltung, dass mit dem "frei Werden der jüdischen Wohnungen" nunmehr bombengeschädigten "Volksgenossen" ein Ersatz für ihre verbrannten Sachen geboten werden kann.

Mit der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg steigt der Bedarf an Einrichtungsgegenständen ins Unermessliche. Die Möbel der deutschen Juden reichen nicht mehr aus. Ab 1942 werden auch die Wohnungen der französischen und holländischen Juden geplündert, die Möbel von Spediteuren nach Deutschland gebracht: Im niedersächsischen Delmenhorst müssen extra Arbeitskräfte angeworben werden, um den Verkauf zu bewältigen. Unzählige Zeitungsannoncen künden deutschlandweit von dem makabren Geschäft. Deutlich wird: Geheim sind diese Vorgänge nicht. Oft werben die Anzeigen offen mit "Judensachen", oder Möbeln aus "nichtarischem Besitz". Jeder, der kaufte, wusste: Die Deportierten kommen nicht zurück. Die Filmemacher haben unveröffentlichtes Filmmaterial gefunden und mit Zeitzeugen gesprochen, die in ihren Kellern Möbel oder andere Gegenstände aus ehemals jüdischem Besitz bewahren. Auf der Basis dieser Recherche lässt sich die Geschichte der "Judenmöbel" erzählen: Wer hat sie bekommen? Wer hat sich an ihnen bereichert? Und wo finden sich die Dinge bis heute?