Diakoniepräsident: Pflegeausbildung im Ausland forcieren

Ulrich Lilie

Foto: epd-bild/Juergen Blume

Laut Ulrich Lilie braucht es eine verstärkte Pflegeausbildung in Nicht-EU-Ländern, um dem Personalmangel zu begegnen.

Um dem Personalmangel in der Pflege zu begegnen, braucht es Diakoniepräsident Ulrich Lilie zufolge eine verstärkte Ausbildung in Nicht-EU-Ländern. "Es führt kein Weg daran vorbei, selbst zu qualifizieren, in Afrika, Fernost oder in Osteuropa", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die gezielte Anwerbung von Fachkräften stoße derweil in vielen Ländern an ihre Grenzen, weil es auch dort nicht genug Pflegekräfte gebe. Wenn angeworben werde, müsse sichergestellt werden, dass ausreichend Personal für die Gesundheitsversorgung der dortigen Bevölkerung bleibt.

Von vornherein befristete Beschäftigung

Langfristig angelegte Kooperationen seien möglich, wenn sich Deutschland in diesen Ländern an der Finanzierung von Ausbildungsprojekten beteiligt, sagte Lilie. "Fertig ausgebildete Kräfte hätten einen anerkannten Abschluss, wenn sie nach Deutschland kommen." Außerdem müsse es einen "qualifizierten Rückfluss" in die Heimatländer geben. "Denkbar wäre eine von vornherein befristete Beschäftigung." Die Fachkräfte sollten die Option haben, in ihre Heimat zurückzukehren und ihr Know-how sinnvoll einzusetzen.

Sollten die Fachkräfte in Deutschland bleiben wollen, müssten andere Lösungen gefunden werden, sagte Lilie. "Man könnte über einen strukturellen Ausgleich nachdenken, von dem das Heimatland profitiert, etwa bei der Finanzierung der Ausbildung."

Für die Ausbildungsinitiativen müssten laut Diakoniepräsident Lilie Kooperationen verschiedener Träger möglich sein. "Es könnten sich NGOs engagieren, aber auch staatliche Stellen wie die Bundesagentur für Arbeit." Einige diakonische Einrichtungen hätten bereits Erfahrung mit Ausbildungsinitiativen im Ausland. "Idealerweise finden die Menschen einen Job in den Einrichtungen des Trägers, der die Ausbildung organisiert."

Es gibt keinen Königsweg für mehr Fachkräfte in der Pflege

Einen Königsweg für mehr Fachkräfte in der Pflege gebe es nicht, sagte Lilie. "Wir brauchen einen ganzen Strauß von Maßnahmen, um der Herausforderung der immer älter werdenden deutschen Gesellschaft zu begegnen." Neben Anwerbung und Ausbildung im Ausland müsse der Pflegeberuf attraktiver gestaltet werden. "Die Pflege hat ein schlechtes Image, das muss man dringend ändern." Dabei gehe es nicht nur um Anerkennung, sondern auch um Bezahlung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.



"Fachkräfte, die der Pflege den Rücken gekehrt haben, müssen zurückgeholt werden", sagte Lilie. Zusätzlich müsse es mehr Anreize für Teilzeitkräfte geben, in Vollzeit zu arbeiten. Potenzial sieht der Diakoniepräsident zudem bei Flüchtlingen: "Viele, die hier leben, wollen arbeiten, warum nicht auch in der Pflege?"