Diakonie und Caritas fordern soziale Wohnungspolitik

Für Obdachlose sollen in Berlin im Winter mindestens 1.000 Notübernachtungsplätze zur Verfügung stehen

© epd-bild/Rolf Zöllner

Notunterkunft des Kältehilfe Berlin in Berlin-Charlottenburg.

Diakonie und Caritas fordern soziale Wohnungspolitik
Kältehilfe will Obdachlosen im Winter mehr als 1.000 Plätze bieten
Für Obdachlose sollen in Berlin im Winter mindestens 1.000 Notübernachtungsplätze zur Verfügung stehen. Nach dem Start der Kältehilfe Anfang Oktober mit gut 400 Plätzen würden seit Donnerstag mehr als doppelt so viele Plätze angeboten, sagte Caritasdirektorin Ulrike Kostka am Donnerstag in Berlin. Weitere Notplätze seien in Vorbereitung.

Evangelische Diakonie und katholische Caritas haben Bund und Länder zu einer sozialeren Wohnungspolitik aufgefordert. "Wir brauchen einen Masterplan für Wohnungslose", sagte die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Barbara Eschen, am Donnerstag in Berlin: "Ohne preiswerten Wohnraum geht nichts, da brauchen wir mehr." Allein in Berlin gehe man inzwischen von 6.000 bis 10.000 Obdachlosen aus, die auf der Straße leben, und weiteren rund 50.000 wohnungslosen Menschen, die anderweitig untergekommen sind.

Die Zahl der Menschen, die sich keine eigene Wohnung mehr leisten könnten, steige, sagte die Berliner Caritasdirektorin Ulrike Kostka.
Bund und Länder müssten stärker auf den sozialen Wohnungsbau setzen und auch private Anbieter stärker in die Pflicht nehmen, Hilfsangebote für Obdach- und Wohnungslose müssten zudem künftig grundsätzlich mit Beratung verbunden werden, um besser Auswege für die Betroffenen finden zu können.

Für Obdachlose sollen in Berlin im Winter mindestens 1.000 Notübernachtungsplätze zur Verfügung stehen. Nach dem Start der Kältehilfe Anfang Oktober mit gut 400 Plätzen würden seit Donnerstag mehr als doppelt so viele Plätze angeboten, sagte Kostka. Weitere Notplätze seien in Vorbereitung. Auch die ganzjährigen Angebote der mehr als zehn Tagesstätten für Obdachlose seien sehr wichtig, sagte Eschen. Die Finanzierung müsse jedoch verbessert und von den Bezirken auf den Senat verlagert werden, betonte die Diakoniechefin: "Dieses ganzjährige Angebot muss gestärkt werden."

Die vor 29 Jahren gestartete Kältehilfe sei ein Erfolg und zugleich "etwas, das uns sehr nachdenklich machen sollte", betonte Kostka. Das Kältehilfesystem könne kein Ersatz für eine vernünftige Wohnungs- und Sozialpolitik sein und dürfe nicht als "Ausfallbürge für eine verfehlte Wohnungspolitik" dienen. "Es ist immer noch ein Notsystem und es soll auch nichts anderes sein", sagte die Direktorin des katholischen Sozialverbandes.

Der in diesem Jahr vorgezogene Start der Kältehilfe am 1. Oktober sei ein "absolutes Novum" und gehe auf das Engagement von Kältehilfe-Einrichtungen, Sozialsenat und Bezirken zurück, sagte Kostka. In den ersten vier Wochen seien trotz des milden Wetters bereits 84 Prozent der Notübernachtungsplätze ausgebucht gewesen. Normalerweise startet die Kältehilfe in Berlin am 1. November. Im kommenden Jahr laufen die Angebote bis Ende April. Im vergangenen Winter gab es in Berlin bis zu 1.264 Kältehilfeplätze.



In den kommenden Wintermonaten stehen für Obdachlose auch wieder sogenannte Kältebusse der evangelischen Stadtmission und ein Wärmebus des Roten Kreuzes zur Verfügung. Die Berliner Kältehilfe bietet seit dem Winter 1989 obdachlosen Menschen Schutz vor dem Erfrieren. Sie wurde von Berliner Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbänden als ökumenische Hilfsaktion ins Leben gerufen.

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