"Eine berührende Predigt zieht Menschen in die Kirche"

Eine Predigt kann Kraft schenken

© epd-bild/Norbert Neetz

Wer den Weg zurück in die Kirche findet, kann in dem sonntäglichen Gottesdienst eine Möglichkeit sehen, einmal in der Woche Kraft und Liebe zu tanken.

Der Stilkritiker und Autor Tillmann Prüfer veröffentlicht am Montag sein Buch "Weiß der Himmel". Ein Gespräch über das Bedürfnis zu glauben und die Frage, wie die Kirche die Menschen wieder stärker berühren kann.

Mehr Emotion, mehr Seelsorge, mehr Spiritualität - wenn es nach dem Autor und Stilkritiker Tillmann Prüfer geht, ist dies das Rezept für eine moderne Kirche, die den Menschen wieder näherkommt. "Auf der Suche nach Spiritualität werden wir immer irgendwo anders hin verwiesen: in Achtsamkeitsseminare, Meditationskurse oder in Karaoke-Bars, um zu singen", sagte Prüfer dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Glauben beschäftigt in Wirklichkeit Jeden

Prüfer veröffentlicht am Montag sein neues Buch "Weiß der Himmel", in dem er nach dem Tod eines engen Freundes über seine Sehnsucht zu glauben reflektiert, aber zugleich seine Schwierigkeiten schildert, an die Kirche anzudocken. "Das Thema Glauben beschäftigt in Wirklichkeit jeden Menschen, weil jeder Mensch Dinge kennt, die er nicht begreift", sagte Prüfer. Die Menschen gingen nicht in einen spirituellen Schamanenkurs, weil sie sich langweilten, sondern weil sie ein Bedürfnis stillen wollen. "Sie trauen sich nur nicht, das Bedürfnis im Glauben zu stillen."

Die evangelische Kirche wage nicht, eine eigene Botschaft zu formulieren. "Sie negiert ihr eigenes Mysterium", sagt Prüfer. "Um Profillosigkeit bemüht man sich sogar, um möglichst offen und anschlussfähig zu wirken." Aber die spirituelle Welt sei nicht alltäglich und dadurch auch nicht niedrigschwellig. Dabei passe die Botschaft des Evangeliums gut in die moderne Gesellschaft. "Die Gleichheit aller vor Gott ist ein total moderner Gedanke. Er ist die richtige Antwort auf die Gesellschaft, in der wir gerade leben", sagte Prüfer. "Gesellschaftliche Gruppen rechnen sich heute gegenseitig ständig ihr Fehlverhalten auf. Die Botschaft 'Wir haben es alle gleichermaßen verbockt' kann die Gesellschaft total gut vertragen." Wer - wie er beschreibt - den Weg zurück in die Kirche finde, spüre gleichzeitig, dass etwa der sonntägliche Gottesdienst eine Möglichkeit sei, einmal in der Woche Kraft und Liebe zu tanken.

Ein Bedürfnis nach Zuwendung und Berührung

Für eine emotionalere Ansprache seien authentische Pfarrer wichtig, betonte der Autor. "Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der man von einer von Gott geschaffenen Ordnung ausgeht, die jeden an seinen Platz verweist." Wenn ein Pfarrer sich hinter der Kanzel verschanze und von oben herab predige, wirke das unaufrichtig und unnatürlich. "Ich bin überzeugt, dass eine berührende Predigt Menschen in die Kirche ziehen kann - egal ob sie gläubig sind oder nicht, sondern einfach wegen des Bedürfnisses nach Zuwendung und Berührung."



Der 1974 geborene Prüfer beschäftigt sich als Stilkritiker für das "Zeitmagazin" journalistisch mit Mode und Schönheit. Er lebt mit seiner Familie in Berlin und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderen "Früher war das aus Holz. Warum Eltern immer die schönere Kindheit hatten" (2012).

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