Papst: Endgültiges Aus für festes Sondergericht gegen Missbrauch

Franziskus verteidigt seine bisherige Linie
Papst Franziskus hat Pläne für ein vatikanisches Sondergericht für Bischöfe, die in Missbrauchs-Skandale verwickelt sind, endgültig aufgegeben. Sein Vorhaben habe sich aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Bischöfe als nicht umsetzbar erwiesen, sagte der Papst auf dem Rückflug von Dublin nach Rom am Sonntagabend vor Journalisten.

Derzeit werde in jedem einzelnen Fall eine eigene Jury eingesetzt. Zuletzt war im März 2018 der Erzbischof von Agaña auf der Pazifikinsel Guam, Anthony Sablan Apuron, wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch ein solches Verfahren verurteilt worden.

In dem Erlass "Come una madre amorevole" (Wie eine liebende Mutter) hatte Papst Franziskus 2016 die Einrichtung eines Sondergerichts für Bischöfe angekündigt. Die irische Ordensfrau Marie Collins, die selbst Opfer von Missbrauch wurde, hielt dem Papst hingegen vor, gegen die Einrichtung eines Sondergerichts zu sein. Aus Protest war sie im vergangen Jahr aus der päpstlichen Kinderschutzkommission ausgetreten.

Rücktrittsforderungen des früheren Vatikanbotschafters in Washington, Erzbischof Carlo Maria Viganò, wollte der Papst nicht kommentieren. Das elfseitige Schreiben, in dem Viganòm behauptete, er habe Franziskus bereits 2013 über Missbrauchsvorwürfe gegen US-Kardinal Theodore McCarrick in Kenntnis gesetzt, kommentiere sich selbst, sagte Franziskus. "Ich werde kein Wort dazu sagen."

Ein Leben in Gebet und Buße

Franziskus hatte im Juli den Rücktritt des 88-jährigen McCarrick angenommen und diesem befohlen, ein Leben in Gebet und Buße zu führen. McCarrick wurden jahrzehntelange Beziehungen zu Minderjährigen und erwachsenen Seminaristen vorgeworfen.

Auf dem Rückflug aus Dublin plädierte der Papst auch dafür, dass Eltern, deren Kinder sich zur Homosexualität bekennen, diese nicht zu verurteilen, sondern mit ihnen sprechen, ihnen Raum geben und sie nicht wegschicken. Allerdings bemerkte der Papst auch, wenn sich "diese Unruhe" bereits in der Kindheit zeige, könne viel mit Hilfe der Psychiatrie getan werden. Dies sei im Fall von jungen Menschen im Alter von 20 Jahren anders.

Franziskus hatte 2013 kurz nach seiner Wahl zum Papst Aufsehen erregt, als er auf dem Rückflug von einer Brasilienreise sagte: "Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht, wer bin ich, ihn zu verurteilen?" Die katholische Familienlehre, nach der die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten ist, lockerte er jedoch nicht. Franziskus forderte stattdessen Barmherzigkeit mit allen Menschen.

Traditionell gibt der Papst auf Rückflügen nach Rom im Flugzeug Pressekonferenzen. Am Wochenende hatte er das Weltfamilientreffen in Dublin besucht und vor mehreren Hundertausend Gläubigen die Abschlussmesse gehalten. Es war der erste Papst-Besuch in Irland seit fast 40 Jahren.

In seiner Messe bat Franziskus die Gläubigen um Vergebung für den sexuellen Missbrauch durch Geistliche und dessen Vertuschung innerhalb der katholischen Kirche. Zuvor hatte er sich mit acht irischen Missbrauchs-Opfern getroffen, darunter auch Marie Collins.

Die staatliche Untersuchungskommissionen in Irland hatte von rund 14.500 Missbrauchsopfern gesprochen. Nach Bekanntwerden der Skandale um den Missbrauch Minderjähriger, Misshandlungen an ledigen Müttern und illegale Zwangs-Adoptionen war es 2011 zu einer diplomatischen Verstimmung zwischen Irland und dem Heiligen Stuhl gekommen. Auf deren Höhepunkt wurde der Vatikanbotschafter aus Dublin abgezogen und die irische Botschaft beim Heiligen Stuhl zeitweilig geschlossen.