Wissenschaftler: Kirchen brauchen höheren Rang in Suchmaschinen

Internet-Suche

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Sozialwissenschaftler Robert Lehmann rät den Kirchen, ihre Beratungsdienste stärker online anzubieten.

Wissenschaftler: Kirchen brauchen höheren Rang in Suchmaschinen
Der Sozialwissenschaftler Robert Lehmann von der Technischen Hochschule Nürnberg empfiehlt den Kirchen, ihre Beratungsdienste stärker online anzubieten.

Derzeit würden beispielsweise Fragen zu Beziehungskrisen eher von Portalen beantwortet, die mit Scheidungen Geld verdienen, sagte Lehmann am Montag in Stuttgart. Als Antwort auf die Internetanfragen Ratsuchender müssten aber seriöse kirchliche Beratungsstellen auf den ersten Plätzen der Suchergebnisse stehen, sagte der Wissenschaftler beim zweiten Forum Digitalisierung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vor 250 Teilnehmern. Lehmann war per Livestream der Veranstaltung zugeschaltet.

Ebenfalls per Video zu sehen war der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July. Er warb für einen kritischen Umgang mit Internet und Computern. Der Prüfstein für Innovationen müsse sein, ob sie dem Menschen dienen.

Schutz von Daten

Oberkirchenratsdirektor Stefan Werner wies auf die Investitionen hin, mit denen die Landeskirche derzeit das Thema Digitalisierung vorantreibe und sich 150 vorgeschlagenen Einzelmaßnahmen widme. Für ein Informationssicherheits- und Datenschutzprojekt etwa gebe die Kirche in den nächsten Jahren 4,1 Millionen Euro aus. Im Evangelischen Oberkirchenrat, der Verwaltungszentrale der württembergischen Landeskirche, sei das digitale Dokumentenmanagement bereits eingeführt, dasselbe solle nun in der Fläche der Landeskirche folgen.

Von einer geplanten umfassenden Gemeindesoftware, die für alle Erfordernisse der kirchlichen Arbeit Lösungen anbietet, berichtete Finanzdezernent Martin Kastrup. Die Programmpakete sollen die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde, aber auch überregional und mit der Kirchenleitung vereinfachen. Die Nutzung soll sowohl für Haupt- und Ehrenamtliche und mit speziellen Anwendungen auch für Konfirmanden möglich sein.

Der Kirchenjurist Winfried Klein vom Evangelischen Oberkirchenrat wies auf die gewachsenen Anforderungen beim Datenschutz hin. Klein warnte davor, etwa Kinderfotos auf kirchliche Internetseiten zu stellen oder eine mangelhafte Datenschutzerklärung zu veröffentlichen. Angst vor Abmahnungen und Bußgeldern hält er insgesamt für übertrieben, dennoch müssten sich alle kirchlichen Einrichtungen intensiver um den Schutz von Daten kümmern.

Florian Härer, Trainer und Coach bei einem Stuttgarter Automobilkonzern, empfahl kirchlichen Mitarbeitern, bei der Lösung von Problemen mehr auszuprobieren. "Wir haben Angst, etwas zu zeigen, bevor es komplett fertig ist", sagte er. Heute brauche es aber agile Methoden, um in einer sich permanent wandelnden Welt schneller zu Ergebnissen zu kommen. Das gelte für die Automobilentwicklung ebenso wie für die Seelsorge.

Vorgestellt wurden bei der Konferenz mehrere innovative Projekte. Bis Jahresende soll etwa eine Lieder-App zur Verfügung stehen, die alle Inhalte des Evangelischen Gesangbuchs für das Smartphone aufbereitet. Außerdem unterstützt die Landeskirche die Entwicklung eines Computerspiels, das mit realistischen Animationen in die Welt des Neuen Testaments einführt. Auch eine kirchliche Personalgespräche-App sowie Youtube-Filme, die kreativ Inhalte biblischer Bücher und Briefe vorstellen, sollen in den nächsten Monaten realisiert werden.

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