Europäische Pferde-Friedensfahrt nach Russland verabschiedet

Planwagen des europäischen Pferde-Pilgertrecks nach Russland

Foto: epd-bild/Jürgen Blume

Die acht Planwagen wollen auf der Reise über eine historische Handelsroute eine Friedensglocke von Brandenburg nach Russland bringen.

Europäische Pferde-Friedensfahrt nach Russland verabschiedet
Ein Pfarrer und ein ehemaliger Soldat gehören zu den Köpfen der Aktion: Mit Pferdewagen wollen sie auf einer alten Handelsstraße eine Friedensglocke aus Brandenburg nach Russland bringen. Schirmherren sind ein Bischof und ein Ministerpräsident.

Planwagen und Glockengeläut am Brandenburger Tor: Mehrere Kilometer dichter Stadtverkehr liegen bereits hinter ihnen, als die Pferdewagen am Freitagvormittag das Wahrzeichen Berlins erreichen. Einen kleinen Umweg vorbei am Reichstag müssen sie noch nehmen, bis sie auf dem Platz sind, an dem dann der kirchliche Reisesegen für die mehr als 2.300 Kilometer lange Fahrt nach Russland erteilt wird. Die acht Wagen mit 16 Pferden und 25 Begleitern wollen eine Friedensglocke nach Osten bringen und für ein geeintes Europa werben.

"Wir wollen die Friedensbotschaft in die östlichen Regionen Europas tragen", sagt Thomas Haseloff vom Kaltblut Zucht- und Sportverein im brandenburgischen Brück, der zu den Initiatoren gehört. Ein Beitrag zur Völkerverständigung und zum Frieden soll die Reise durch sechs Länder werden. Anfang Oktober wollen sie am Ziel sein, in Weliki Nowgorod südlich von St. Petersburg. Die Glocke, die sie nach Russland bringen wollen, trägt als Inschrift den biblischen Spruch "Jaget dem Frieden nach".

Auch aus der Politik kommt Unterstützung für die Tour. Es sei ein "wunderbares Zeichen, dass hier Friedensbringer auf die Wagen steigen", um Grenzen zu überwinden, sagt Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei der Verabschiedung am Brandenburger Tor. Platzeck ist auch Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums. Die Idee von Völkerverständigung und Frieden durch Europa zu bringen, sei derzeit so wichtig, wie kaum jemals zuvor, sagt die märkische Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD). Schirmherren der Friedensfahrt sind Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge.

"Wir bitten für die Friedensbringer und den Weg, den sie vor sich haben, um Gottes Segen", spricht schließlich der Propst der Landeskirche, Christian Stäblein, am Brandenburger Tor den Reisesegen. "Wir wären alle gerne mitgefahren", sagt der russisch-orthodoxe Erzpriester André Sikojev, nachdem auch er den Treck gesegnet hat.

Die erste "Titanen"-Tour mit Kaltblutpferden und Planwagen hätten sie vor knapp zehn Jahren organisiert, zur 850-Jahr-Feier der Besiedlung des Flämings südlich von Potsdam durch Zuwanderer aus Flamen, erzählt Friedbert Enders, einst Soldat der DDR-Armee NVA und später bei der Bundeswehr. Von Brügge in Belgien aus sind sie damals auf einer alten Handelsroute nach Brück in Brandenburg gezogen. Nun ist der zweite Teil der historischen Strecke dran, nun geht es nach Weliki Nowgorod in Russland.

"Erst beten, dann essen"

"Sowas macht man nur einmal im Leben", sagt Enders. Kolonnenführung habe er auch früher schon bei der Armee gemacht, nur nicht mit Pferden, erzählt er. Nun steht er an der Spitze des Trecks. "Ich bin begeistert", sagt der 64-Jährige. Mückenspray, Klopapier, Taschenlampen, Zeckenzange, Bibel, Socken und andere Dinge stehen auf der Packliste der Mannschaft. "Erst die Pferde, dann die Menschen", lautet einer der Grundsätze für die Tour. "Erst beten, dann essen" ein anderer.

Den nicht wenigen Atheisten auf der Tour empfehle er, vor dem Essen einfach "zu einem Gott zu beten, den sie noch nicht kennen", sagt Helmut Kautz, evangelischer Pfarrer in Brück. Er kümmert sich vor allem um den geistlichen Teil der Fahrt. Für den Großteil der Mannschaft sei das "schon eine Herausforderung, mit einem Pfaffen zu reisen", erzählt er und grinst. Von den Mitfahrern kommt umgehend lautstark Protest. "Mit meinen Heiden aus Brück rumzufahren, ist einfach eine Freude", sagt der 47-jährige Theologe.

 

"Das ist so verrückt, dass es schon wieder genial ist", fasst die märkische Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann (CDU), in deren Wahlkreis Brück liegt, die Idee zu der Friedensfahrt zusammen. Sie hat ein paar Mohrrüben für die Pferde und für die Reise Powerbanks zum Laden der Mobiltelefone und Computer des Trecks mitgebracht. Die Polizei ist weniger begeistert, denn für den Stopp am Brandenburger Tor liegt keine Genehmigung der Behörden vor. Die Beamten fangen an, die Personalien der Beteiligten aufzunehmen. Eine Tränkpause für die Pferde müsse trotzdem drin sein, meint Enders. "Segnen sie auch das Polizeiauto", sagt Platzeck zu den Kirchenvertretern: "Das hilft uns hoffentlich."

Wo die Friedensglocke in Weliki Nowgorod später hängen soll, ist noch nicht ganz klar. Im Kreml, der historischen Rundburg der Stadt, sagt Pfarrer Kautz. Im Museum, sagt Thomas Haseloff. In der russisch-orthodoxen Kirche, schlägt Platzeck vor.