Reformationstag wird neuer Feiertag in Niedersachsen

Deutliche Mehrheit im Landtag stimmt für arbeitsfreien 31. Oktober
Der Reformationstag am 31. Oktober wird neuer gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen. Der Reformationstag ist bereits gesetzlicher Feiertag in Ostdeutschland außer Berlin.

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Die Niedersachsen haben am Reformationstag, dem 31. Oktober, von nun an frei.

Der Reformationstag am 31. Oktober wird neuer gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen. Der Landtag in Hannover folgte am Dienstag mit 100 von 137 abgegebenen Stimmen einem entsprechenden Vorschlag der rot-schwarzen Landesregierung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Damit wird der 31. Oktober bereits in diesem Jahr arbeitsfrei sein.

Nach kontroverser Debatte lehnten bei der namentlichen Abstimmung 20 Parlamentarier den Reformationstag ab. 17 enthielten sich. Zuvor waren Anträge für den Buß- und Bettag, den Internationalen Frauentag am 8. März, den Europatag am 9. Mai und den Tag des Grundgesetzes am 23. Mai mit deutlicher Mehrheit zurückgewiesen worden. Über einen weiteren Feiertag und speziell den Reformationstag war mehrere Monate lang in den Fraktionen und im Parlament immer wieder äußerst kontrovers diskutiert worden. Die katholische Kirche, jüdische Gemeinden sowie die religionskritischen Humanisten und Wirtschaftsverbände hatten zum Teil scharfe Kritik an den Plänen der Landesregierung geübt.

Nach der Landtagswahl im vergangenen Oktober hatten SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, einen neuen Feiertag für Niedersachsen einzuführen. Ministerpräsident Weil und CDU-Landeschef Bernd Althusmann favorisierten dabei den Reformationstag, der auch von den protestantischen Kirchen und den Gewerkschaften unterstützt wird. Der Tag erinnert an den Beginn der Reformation vom Kirche und Gesellschaft im 16. Jahrhundert durch die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers (1483-1546) am 31. Oktober 1517.

Der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), sagt zur Entscheidung des niedersächsischen Landtags zur Einführung des Reformationstages als gesetzlichen Feiertag: "Mit dem Reformationstag bekommt Niedersachsen einen Feiertag, der in seiner Gestaltung herausfordernd ist und große Chancen bietet, aber auch unbequem sein kann. Beim Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr ist es gelungen, den 31. Oktober religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen zu begehen. Auch die kritische Auseinandersetzung mit theologischen Irrtümern der Reformatoren hat dabei breiten Raum eingenommen. Die große Beteiligung an den Gottesdiensten und Veranstaltungen hat gezeigt, dass der Reformationstag von vielen Menschen in Niedersachsen mitgetragen wird."

Er ergänzt: "Mit der Gestaltung des neuen gesetzlichen Feiertages werden wir daran anknüpfen: Wir wollen in Veranstaltungen und Gottesdiensten in ganz Niedersachsen über unser gesellschaftliches Miteinander ins Gespräch kommen. Das können die großen, übergreifenden Fragestellungen sein: Was bedeutet Freiheit, wenn wir über Datenskandale oder den Schutz von nationalen Grenzen sprechen? Ebenso können aus Anlass des Reformationstages im Dorf oder in der Stadt unterschiedliche Player wie Sportvereine, Feuerwehr, Landfrauen, Kirchen und kommunale Vertreterinnen und Vertreter zusammenkommen, um neue soziale Impulse für das Dorf oder den Stadtteil zu geben. Über 2.000 Kirchengemeinden in ganz Niedersachsen sind ein Garant dafür, den neuen gesetzlichen Feiertag in diesem Sinne breit im ganzen Land zu verankern."

Der Reformationstag ist bereits gesetzlicher Feiertag in Ostdeutschland außer Berlin. Schleswig-Holstein und Hamburg hatten den 31. Oktober im Februar ebenfalls zum Feiertag erklärt. Diese beiden Länder haben damit genau wie Niedersachsen zehn gesetzliche Feiertag. Das sind immer noch deutlich weniger als die süddeutschen Länder, die bis zu 12 oder 13 Feiertage haben. Die Bremer Bürgerschaft wird am Mittwoch in zweiter Lesung über den Reformationstag als Feiertag abstimmen. Eine Mehrheit für den Tag ist wahrscheinlich.