Johann Hinrich Claussen: Kirche muss sich mit NS-Kunst auseinandersetzen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) muss sich nach Ansicht ihres Kulturbeauftragten Johann Hinrich Claussen intensiver mit ihren Kunstgegenständen aus der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Johann Hinrich Claussen

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) muss sich nach Ansicht ihres Kulturbeauftragten Johann Hinrich Claussen intensiver mit ihren Kunstgegenständen aus der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Die kontroversen Diskussionen rund um die mit Nazi-Symbolen versehenen Glocken etwa in Faßberg und Schweringen in Niedersachsen zeigten, dass es diesbezüglich einen Nachholbedarf gebe, sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus habe die Kirche sich zwar politisch, theologisch und ethisch auseinandergesetzt. Aber unter ästhetischen Gesichtspunkten sei das bislang nur im Einzelfall geschehen.

Neben den sogenannten Hakenkreuz-Glocken existierten zahlreiche weitere Objekte wie Gedenktafeln, Friedhöfe und ganze Kirchengebäude, sagte Claussen anlässlich einer am Freitag beginnenden Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg über "Kunst und protestantische Kirche während des Nationalsozialismus". Eine Kirche könne man aber nicht wie eine Glocke einfach weghängen und anderswo ausstellen. Bis zum Sonntag wollen sich Kunstsachverständige, Historiker und weitere Experten drei Tage lang dieses Themas annehmen.

Nicht alle betreffenden Bauwerke oder Gegenstände seien eindeutig nationalsozialistisch geprägt, sagte der Theologe Claussen: "Die Grenzen sind da oft diffus." Deshalb müssten klare Kriterien für den Umgang mit solchen Kunstobjekten entwickelt werden. "Einzelne Kirchengemeinden können und sollen das nicht allein entscheiden."

Claussen plädierte dafür, mit dem Denkmalschutz darüber zu diskutieren, ob wirklich alle Zeugnisse erhalten werden müssten. "Von manchem muss man sich auch mal trennen dürfen." Er frage sich beispielsweise, wie auf einem so deutlich nationalsozialistisch geprägten Friedhof wie dem städtischen in Bochum jemals noch eine christliche Trauerfeier gestalten werden könne. "Und man kann auch nicht aus allem ein Museum machen." Zumindest müssten solche Fragen offen und ehrlich erörtert werden.

Grundsätzlich sei es allerdings für jede betroffene Gemeinde wichtig, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, betonte der Experte. "Wir sind nicht fürs Wegflexen, sondern fürs Reflektieren." Claussen bezog sich damit auf die Glocke in Schweringen, deren Hakenkreuz von Unbekannten entfernt worden war. Dort wie auch in Faßberg hatte sich ein beträchtlicher Teil der Bürger dafür ausgesprochen, die Glocken weiter läuten zu lassen. Der Kulturbeauftragte betonte, er stimme mit den Kirchenleitungen überein, dass solche Glocken durch neue ersetzt und ausgestellt werden sollten.

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