Nächstenliebe via Twitter

Internet-Community spendet 14.000 Euro, weil eine Mutter die Klassenfahrt ihrer Kinder nicht zahlen kann
Ein Herz, gemalt in ein beschlagenes Fenster.

Foto: Getty Images/iStockphoto/PDQ1000

Ein Herz, gemalt in ein beschlagenes Fenster.

Im Internet werfen sich User täglich Hass, Beschimpfungen und Hetze an den Kopf. Doch die Twitter- und Facebook-Nutzer können auch eine eingeschworene Gemeinschaft sein. Das durfte nun eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern erfahren: Hunderte Internet-Nutzer schenkten ihr insgesamt mehr als 14.000 Euro.

Noch vor zwei Tagen sah für die Twitter-Userin @chaosundich alles anders aus: Die Mutter schrieb auf Twitter, dass sie die Klassenfahrten und die Ferienbetreuung ihrer Kinder nicht bezahlen könne. Es fehlten 350 und 250 Euro für Klassenfahrten der ältesten Töchter und weitere 200 Euro für die Ferienbetreuung. Die Schule habe die Fahrten zwar rechtzeitig angekündigt, über die genauen Kosten informierten sie allerdings erst zwei Wochen vorher, erklärte sie. Die Ferienbetreuung wiederrum erwartete das Geld innerhalb einer Woche.

So kurzfristig 800 Euro zu zahlen, ist der alleinerziehenden Mutter nicht möglich. Sie schrieb, sie arbeite in einer 75-Prozent-Stelle als Kinderkrankenschwester und ziehe ihre vier Kinder alleine groß. Der Vater zahle den Mindestunterhalt. Das Geld zum Leben reiche nie, erklärte sie. Sparen für solche Fälle könne sie demnach nicht. Auf Twitter fragte sie: "Wann ist der richtige Zeitpunkt ihnen mitzuteilen, dass sie wohl Zuhause bleiben müssen? Ich möchte weinen."

Viele Twitter-Nutzer wollten der Mutter nach ihren Posts Geld geben, damit sie die Klassenfahrten ihrer Kinder doch noch finanzieren kann.

Auf Drängen der Helfer eröffnete @Chaosundich ein Spendenkonto auf einer Crowdfunding-Internetseite. Innerhalb von 24 Stunden spendeten mehr als 600 Menschen kleine Beträge von etwa 20 Euro. Insgesamt waren es am Montagnachmittag mehr als 14.000 Euro - die Klassenfahrten und die Ferienbetreuung sind damit mehr als gesichert. Und nicht nur das:

Die Hilfsbereitschaft überwältigte die 35-Jährige:

Die Mutter sagte gegenüber dem Online-Portal "bento", es sei ihr mit ihren Posts auf Twitter überhaupt nicht um finanzielle Unterstützung gegangen. Eigentlich habe sie nur ihrem Frust mal Luft machen wollen. "Ich hatte bis gestern Morgen keine 300 Follower. Da 'kennt' man sich. Da motzt man auch mal." Bevor sie die Spendenkampagne einrichtete, zögerte die 35-Jährige. Ihren Ratschlaggebern antwortete sie: "Ich weiß nicht, wie das geht. Und die Scham ist mega. Dass ich es alleine nicht schaffe." Letzte Bedenken räumte ein Münchner Steuerberater-Büro aus:

Die Identität der Mutter ist unbekannt: Niemand weiß, woher sie stammt oder wie sie mit bürgerlichem Namen heißt. Doch "Tschudiths" Schicksal, wie sich die Mutter selbst auf Twitter nennt, berührt die Netz-Gemeinde. Neben Geldspenden zeigten viele User Mitgefühl, berichteten von eigenen Armutserfahrungen oder versuchten der Mutter Mut zu machen. "Norman" schrieb zum Beispiel, er "habe nicht viel, bin als Kind aber selbst mal zuhause geblieben und gebe gern etwas dazu".

"Glamourherz" antwortete: "Meine Tochter hat damals vom Lehrer einen Zuschuss von der Schule in Bar erhalten, nach der Fahrt. Vor der ganzen Klasse, als Tochter einer alleinerziehenden Mama. Das werde ich nicht vergessen. Wo kann ich was überweisen?"

@Chaosundich will die Spendenbereitschaft offenbar auch mit jenen teilen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden: Auf Twitter postete sie den Link zum Crowdfunding für eine weitere alleinerziehende Mutter, @FrauHasenherz, und deren Kinder. Diese sei wegen Streitigkeiten mit dem Vermieter aus ihrer Wohnung ausgezogen und stünde in der neuen Mietwohnung nun vor hohen Kosten. Doch auch bei dieser Twitter-Userin zeigte sich das Internet von seiner schönen Seite: Mit rund 3.000 Euro -  etwa für Mieten im Voraus, Kaution und Umzugskosten - wurde die erhoffte Spendenmarke bereits geknackt.

 

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