Der Bach-Botschafter Helmuth Rilling wird 85

Der Kirchenmusiker Helmuth Rilling wird 85. Wenn er musiziert, dann verbindet er nicht nur die Menschen, die ihm zuhören, sondern auch die Musiker und Sänger seiner Ensembles.

Foto: epd-bild / Bachakademie / Michael Latz

Wenn er musiziert, dann verbindet er nicht nur die Menschen, die ihm zuhören, sondern auch die Musiker und Sänger seiner Ensembles. "Wenn beides zusammenkommt, Orchester und Chor, dann bedeutet mir das sehr viel", sagt der Kirchenmusiker Helmuth Rilling.

"Musik muss aufrütteln, die Menschen zum Nachdenken bringen," sagt Helmuth Rilling. Das tun aus seiner Sicht vor allem die Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Als dessen Interpret ist der Stuttgarter Dirigent weltbekannt.

Helmuth Rilling kann Menschen anstecken mit seiner Musik-Begeisterung. Und kaum ein Dirigent der Gegenwart ist enger mit dem Komponisten Johann Sebastian Bach verknüpft als er. Der Gründer und langjährige Leiter der Stuttgarter Gächinger Kantorei hat Bachs Gesamtwerk auf 172 CDs eingespielt. An diesem Dienstag wird er 85 Jahre alt.

"Ich möchte die Zuhörer in mein Nachdenken über die Musik einbeziehen", sagt der Dirigent und Kirchenmusiker. Vor allem als Interpret des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist er weltweit bekannt. Als Gastdirigent war Rilling in den USA, Kanada, Südamerika, Japan und Israel unterwegs. Dieses Jahr steht unter anderem noch Ungarn an.

Preisgekrönter Dirigent

Am 29. Mai 1933 in Stuttgart geboren, studierte Rilling zunächst Schulmusik in seiner Geburtsstadt, dann Orgel in Italien. Er wurde Kirchenmusikdirektor in Stuttgart, danach Professor für Chorleitung in Frankfurt am Main, wo er seine spätere Frau Martina kennenlernte. Seine Entscheidung für den Dirigentenberuf entwickelte sich im Lauf der Jahre: "Es macht mir mehr Freude, mit Menschen zusammen zu musizieren, als nur an der Orgel allein Musik zu machen", sagt der freundliche Mann mit dem weißen Haar. Als erster deutscher Dirigent hat Rilling 1976 das Israel Philharmonic Orchestra dirigiert. Bis heute liegen ihm Besuche in Israel und die Beziehung zu den Musikern dort besonders am Herzen.

Rillings Engagement für Frieden und Verständigung spiegelt sich in seinen Auszeichnungen wider: Neben musikalischen Ehrungen wie dem Grammy Award (2001) für die beste Chordarbietung, dem Herbert-von-Karajan-Musikpreis (2011) und dem Preis der Europäischen Kirchenmusik (2008) sind darunter der Theodor-Heuss-Preis für bürgerschaftliches Engagement und der internationale Musikpreis der Unesco (1994), den die 1981 von Rilling gegründete Internationale Bachakademie erhielt. Die Akademie widmet sich dem Werk des Barockkomponisten mit Meisterkursen für Sänger und Dirigenten, Tagungen und Konzerten.

Rilling: Töne spielen reiche als Musiker nicht aus

"Selbstverständlich", sagt Rilling, habe er sich über alle Auszeichnungen gefreut. Wenn er aber eine herausgreifen solle, dann sei es die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Der Professor für Praktische Theologie, Dietrich Rössler, würdigte Rilling 1985 in seiner Laudatio als "Musiker, dem die evangelische Kirchenmusik eine neue Gestalt verdankt". Rilling verstehe die Kirchenmusik zugleich als musikalische und als theologische Aufgabe. Im vergangenen Jahr erhielt der Kirchenmusiker zudem die Martin-Luther-Medaille der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Niemand müsse zwangsläufig Christ sein, wenn er seinen Lieblingskomponisten Bach interpretiere, sagt Rilling. Aber er müsse wissen, was die Texte sagen wollten, die das Evangelium verkünden. Überhaupt könne nur der wirklich musizieren, der mit dem Kopf dabei sei, urteilt er. "Töne spielen" reiche nicht aus. Seine Bach-Leidenschaft hat ihn als musikalischen Leiter das Gesamtwerk des großen Komponisten auf 172 CDs einspielen lassen. Ein Dirigent muss nach Rillings Verständnis gut hören können, die Dirigiertechnik souverän beherrschen, aber auch mit Menschen umzugehen wissen.

Weitere Auftritte auch mit 85 Jahren geplant

Wenn er musiziert, dann verbindet er nicht nur die Menschen, die ihm zuhören, sondern auch die Musiker und Sänger seiner Ensembles. "Wenn beides zusammenkommt, Orchester und Chor, dann bedeutet mir das sehr viel", sagt Rilling, der 1954 die Gächinger Kantorei und 1965 das Bach-Collegium Stuttgart gründete. Nicht nur aus der Sicht des nordbadischen evangelischen Landeskantors und Kirchenmusikdirektors Johannes M. Michel hat Helmuth Rilling "Musikgeschichte geschrieben". Vor allem im Bereich  neuer moderner Interpretationen habe Rilling eine großartige Lebensleistung vollbracht.

Für den Musiker kein Grund, sich auszuruhen. Zu seinem Plänen für dieses Jahr gehört unter anderem eine Neuauflage seiner 2015 erstmals veranstalteten Weimarer Bachkantaten-Akademie für talentierte Musiker aus vielen Ländern im Rahmen der Thüringer Bachwochen. Aber auch in seiner Heimatregion plant er Auftritte, etwa mit dem "Bach Ensemble Helmuth Rilling" im Dezember in Schwäbisch Gmünd und Sindelfingen.

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