Kreuz-Pflicht in Bayern: Seehofer kritisiert Kardinal Marx

Kreuze in Bayern

Foto: Peter Kneffel/dpa

Seehofer weist Kritik von Reinhard Marx zurück: "Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass der Kardinal es kritisiert, wenn Kreuze in unseren bayerischen Behörden aufgehängt werden."

Kreuz-Pflicht in Bayern: Seehofer kritisiert Kardinal Marx
Die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden stößt auf Ablehnung in der katholischen Kirche. Bundesinnenminister Seehofer zeigt für die Kritik "wenig Verständnis".

In der Diskussion über die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden verschärft die CSU den Ton gegenüber der katholischen Kirche. CSU-Chef Horst Seehofer wies im "Spiegel" Kritik des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, zurück: "Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass der Kardinal es kritisiert, wenn Kreuze in unseren bayerischen Behörden aufgehängt werden." Derweil bleibt die Kreuz-Pflicht auch innerhalb der Union umstritten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gingen auf Distanz zu der bayerischen Entscheidung.

"Das Kreuz ist ein religiöses Symbol und gleichzeitig Ausdruck der christlichen Prägung Bayerns", sagte Bundesinnenminister Seehofer dem "Spiegel" laut Vorabmeldung. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hatte den Kreuz-Erlass der bayerischen Staatsregierung kritisiert, weil er "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" schaffe. "Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden. Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet", sagte der Kardinal Ende April der "Süddeutschen Zeitung".

Unterstützung erhielt Marx von Kulturstaatsministerin Grütters. Es sei "fatal und gefährlich, das Kreuz rein utilitaristisch zu verwenden, statt aus innerer Überzeugung", sagt Grütters, die Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist, dem "Spiegel". Laschet betonte, die Neutralität des Staates sei ein hohes Gut, das man bei einer solchen Entscheidung abwägen müsse. "Wenn man dieses Thema angeht, sollte man das im engen Dialog mit den Kirchen tun", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). In Nordrhein-Westfalen bestehe "diesbezüglich kein Handlungsbedarf", fügte er hinzu. Religion finde aber in NRW im öffentlichen Raum statt, und es sei gut, "wenn das sichtbar und maßvoll geschieht". "In zahlreichen Klassenräumen und Gerichten hängt ein Kreuz, und ich finde es richtig, dass ein religiöses Symbol dort seinen Raum hat."

Im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude soll ab dem 1. Juni ein Kreuz hängen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte Ende April zu dem Beschluss des Landeskabinetts: "Das Kreuz ist grundlegendes Symbol unserer bayerischen Identität und Lebensart." Der CSU-Politiker Alois Glück verteidigte am Freitag im SWR die Entscheidung. Das Kreuz sei für den hiesigen Kulturkreis von zentraler Bedeutung, sagte der ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Zugleich betonte er, der Beschluss der bayerischen Landesregierung richte sich nicht gegen andere. Es werde niemandem verordnet, das Kreuz zu verehren. Das Kreuz dürfe "kein Kampfmittel" sein, unterstrich Glück.

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