Pfälzische Landeskirche hält an Austausch der "Hitlerglocke" fest

Hitlerglocke

Foto: dpa/Uwe Anspach

Seit Monaten wird über die sogenannte "Hitlerglocke" im Kirchturm der Jakobuskirche in Herxheim am Berg gestritten - der Ortsgemeinderat will sie hängen lassen, der Landeskirchenrat will sie ersetzen.

Seit Monaten wird über die sogenannte "Hitlerglocke" im Kirchturm der Jakobuskirche in Herxheim am Berg gestritten - der Ortsgemeinderat will sie hängen lassen, der Landeskirchenrat will sie ersetzen. Die Kirchengemeinde hat jetzt schon finanzielle Nachteile durch die Diskussion.

Die Evangelische Kirche der Pfalz ist weiterhin bestrebt, die sogenannte "Hitlerglocke" im Kirchturm der Jakobuskirche in Herxheim am Berg abzuhängen. Der Landeskirchenrat schlage vor, die Glocke auf Kosten der Landeskirche durch eine neue Glocke gleicher Qualität und Klangs zu ersetzen und der Kommune zu schenken, teilte die Landeskirche am Donnerstag in Speyer mit. Inzwischen sei eindeutig klar, dass der Kirchturm der Kirchengemeinde gehört. Die "Hitlerglocke" hingegen ist im Besitz der politischen Gemeinde, deren Ortsgemeinderat beschlossen hat, sie hängen zu lassen.

Durch umfangreiches Quellenstudium der Rechtsabteilung des Landeskirchenrats seien die Besitzverhältnisse des Turms nun eindeutig geklärt, erklärte die Landeskirche weiter. Zwischen der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde regele ein 1983 geschlossener Vertrag Nutzung und Unterhalt des Turmes.

Die derzeitige Glocke im Turm der Jakobuskirche stammt aus dem Jahr 1934 und trägt die Inschrift "Alles für's Vaterland. Adolf Hitler". Sie ist mit einem Hakenkreuzsymbol versehen. Im September 2017 hatte das Presbyterium der Kirchengemeinde beschlossen, die Glocke nicht mehr zu läuten.

Das Presbyterium müsse nun das weitere Vorgehen beraten, sagte der Herxheimer Pfarrer Helmut Meinhardt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er gehe davon aus, dass die Ortsgemeinde den Beschluss ihres Ortsgemeinderats, die Glocke hängen zu lassen, nicht einfach übergehen könne. Kündigen könne die Kirchengemeinde den Vertrag über die gemeinsame Nutzung und den gemeinsamen Unterhalt des Turms mit der Ortsgemeinde jedenfalls nicht. "Dann müssten wir Insolvenz anmelden."

Durch die Bereitschaft der Landeskirche, eine neue Glocke zu kaufen, seien der Kirchengemeinde schon jetzt finanzielle Nachteile entstanden, sagte Meinhardt. Die Menschen spendeten seit Bekanntwerden des Vorschlags nicht mehr für die Sanierung der Jakobuskirche. Wenn die Kirche Geld für den Austausch der Glocke habe, könne sie auch die Sanierung selbst bezahlen, höre er immer wieder. In der pfälzischen Landeskirche sind die Gemeinden für den Unterhalt ihrer Kirchen zuständig, nicht die Landeskirche.

Die umstrittene Glocke in dem rund 800 Einwohner zählenden Herxheim am Berg erregt seit vergangenem Sommer die Gemüter und macht bundesweit Schlagzeilen. Im Laufe der Debatte musste der Ortsbürgermeister wegen relativierender Aussagen über die NS-Zeit zurücktreten. Seit September 2017 ist die Glocke stillgelegt. Neben dem Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) für ein Abhängen der Glocke ausgesprochen.