TV-Tipp: "Duell in der Nacht" (3sat)

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TV-Tipp: "Duell in der Nacht" (3sat)
24.4., 3sat, 20.15 Uhr
Dieser Film hat gleich zu Beginn seines Ausstrahlungsjahrs (2007) eine Marke gesetzt, an der sich alle anderen messen lassen mussten. Dank vortrefflicher Darsteller, einer hochkonzentrierten Inszenierung, einer formidablen Kameraarbeit und nicht zuletzt einer sorgfältigen Ausstattung ist "Duell in der Nacht" ein Film, der bis zur letzten Sekunde fesselt.

Die Geschichte orientiert sich am Muster des Klassikers "Das Verhör" mit Lino Ventura als Polizist und Michel Serrault als Anwalt, der im Verdacht steht, zwei Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. In der Version von Daniel Nocke, dem vielfach ausgezeichneten Autor von Filmen wie "Familienkreise", "Ende der Saison" oder "Sie haben Knut", sucht der neue Frankfurter Kommissar Jonas Birke (Jürgen Vogel) den Mörder eines früheren Kollegen. Hauptverdächtiger ist Wolfram Ernst (Uwe Kockisch), den der Tote mal hinter Gittern gebracht hat. Die gesamte Polizei hält ihn für den Täter, doch er leugnet standhaft und verweist auf sein Alibi: Angeblich hat er die Nacht mit der Gattin eines stadtbekannten Immobilienriesen verbracht. Diverse Details untermauern seine Aussage. Birke konfrontiert die Frau (Iris Berben) mit diesen zum Teil äußerst intimen Einzelheiten. Sie gibt zunächst vor, Ernst gar nicht zu kennen, muss nach stundenlanger Befragung jedoch einräumen, dass er die Wahrheit sagt. Birke triumphiert; aber nur, weil er nicht ahnt, dass er bloß eine Figur in einem perfiden abgekarteten Spiel ist.

Matti Geschonneck hat schon oft genug bewiesen, dass er es auf großartige Weise versteht, Schauspieler zu führen. Das Dialogduell von Iris Berben und Jürgen Vogel allerdings ist ungewöhnlich packend. Wie sich der Kommissar und die Millionärsgattin gegenseitig belauern und umkreisen, wie die Rollen von Katz' und Maus ständig wechseln, wobei sich beide einbilden, jederzeit die Katze zu sein: Das ist unbedingt sehenswert. Vortrefflich ergänzt werden sie durch Ina Weisse als Birkes Kollegin, bei der man nie weiß, ob sie nicht ebenfalls ein doppeltes Spiel spielt, Thomas Thieme als zynischer Geschäftsmann, der ohne zu Zögern über Leichen geht, und Peter Lerchbaumer als Birkes undurchsichtiger Chef.

Neben einer auffallend stimmigen Ausstattung, der letzten Arbeit des großen Szenenbildners Bernd Gaebler, imponiert der Film nicht zuletzt durch die Bildgestaltung Martin Langers. Die an amerikanische Großstadtkrimis erinnernden Flüge über das nächtliche Frankfurt, von Geschonneck als Kapiteltrenner eingesetzt, sind ein reizvoller Gegensatz zur Kammerspielenge der Dialogszenen. Das Fesselnde aber ist die Geschichte, denn während die Figuren Stück für Stück ihre blendende Fassade einbüßen, entpuppt sich der Film mehr und mehr als beißendes Gesellschaftsstück.

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