Stillstand hinterm Bauzaun

Die Arbeiten für den neuen Garnisonkirchturm in Potsdam sind unterbrochen worden
Garnisonkirche

Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dp/Bernd Settnik

Rohre liegen auf der Baustelle des Turms der Garnisonkirche.

Mit Mühe, Ausdauer und guten Beziehungen sind die Millionen für den ersten Bauabschnitt des neuen Potsdamer Garnisonkirchturms zusammengekommen. Ende 2017 begannen die Arbeiten am Fundament. Doch nun gibt es Probleme.

"Eine Kultur des Friedens bauen" steht in großen Lettern am Bauzaun. Dahinter ist es ruhig. Schweres Baugerät steht dort, wo einst die Potsdamer Garnisonkirche stand, große Metallröhren liegen auf dem Gelände, im Viertelstundenabstand dokumentiert durch Aufnahmen einer Webcam. Erst Ende Oktober wurde der offizielle Start für den Wiederaufbau des Turms der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Barockkirche gefeiert, begleitet von großem Protest. Nun herrscht dort Stillstand, und das bereits seit mehreren Wochen.

Dass die Bauarbeiten für das Turmfundament ruhen, ist erst dieser Tage bekanntgeworden. Von einem Baustopp für das 40-Millionen-Euro-Projekt, für das zwölf Millionen Euro Bundesmittel und fünf Millionen Euro Kredite der evangelischen Kirche bewilligt wurden, will die Baustiftung nicht sprechen. "Die Arbeiten sind unterbrochen worden", sagt Vorstand Wieland Eschenburg dazu. Nach der Weihnachtspause seien sie im Januar nicht wieder aufgenommen worden. Die Stiftung spricht von einer Überprüfung des technischen Verfahrens.

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Die Geschichte der Garnisonkirche
Die Geschichte der Garnisonkirche

Der Grund dafür ist das Fundament der historischen Kirche. Mit 38 bis in rund 40 Meter Tiefe versenkten Gründungspfeilern sollte es durchbrochen werden, um das neue Fundament zu sichern. Doch das alte Fundament ist zu stabil. "Die beauftrage Firma hat, wie vorgesehen, an mehreren Stellen das historische Fundament der alten Garnisonkirche durchkernt", heißt es dazu bei der Baustiftung: "Bei der planmäßigen Durchbohrung hat die Baufirma, der vor der Beauftragung ein umfängliches Baugrundgutachten vorlag, Schwierigkeiten angezeigt."

Statt der vorgesehenen 38 neuen Gründungspfeiler wurden bislang nur Bohrungen für zwei Pfeiler vorgenommen. Bei einer der beiden Bohrungen habe sich das Bohrrohr nur mit Schwierigkeiten wieder aus dem Erdreich ziehen lassen, heißt es dazu bei der Stiftung. Das Bohrloch habe deshalb nicht wie geplant mit Beton verfüllt werden können. Bei der zweiten Bohrung sei das Bohrrohr abgerissen und zum Teil in der Erde verblieben. Diesen Gründungspfahl hätten die Bauleute jedoch immerhin "planmäßig mit Beton verfüllen" können.

Der märkische Sand als Wiederaufbaugegner

Eigentlich sollten in wenigen Monaten die Hochbauarbeiten für den Turm starten, im Juni steht der 50. Jahrestag der Sprengung der Kirchenruine in der DDR an. Der Wiederaufbau des Turms gilt als eines der größten aktuellen Kirchbauprojekte in Deutschland und ist vor allem wegen der NS-Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche weiter umstritten - vor 85 Jahren, am 21. März 1933, gab dort Hitler am sogenannten "Tag von Potsdam" eine Regierungserklärung ab. Bekannt ist der Tag bis heute vor allem durch einen fotografisch dokumentierten Handschlag von Hitler und Reichspräsident Hindenburg.

Die Gegner des Wiederaufbaus dokumentieren den Stillstand mit Screenshots von der Garnisonkirchen-Webcam auf ihrer eigenen Facebook-Seite und kommentieren dort die Bauprobleme. "Märkischer Sand verhindert Pfahlbohrung!", heißt es dort bei der Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche": "Schon beim ersten Bauabschnitt geht alles schief und die Baukosten explodieren." Bürgerinitiative und linke Szene versuchen seit Jahren, den Turmbau zu verhindern, und haben vor einiger Zeit in einem Bürgerbegehren in Potsdam viel Zustimmung bekommen. Über den Baustillstand freut man sich dort: "Wir begrüßen somit als Ehrenmitglied in unserer Bürgerinitiative für ein Potsdam Ohne Garnisonkirche den Märkischen Sand!"

Dass statt der geplanten 38 Gründungpfähle bisher erst einer fertiggestellt werden konnte, und auch das nicht so, wie eigentlich vorgesehen, will die Stiftung nicht weiter kommentieren. "Fachtechniker bearbeiten die aufgetretenen Schwierigkeiten, um eine zügige Fortsetzung der Arbeiten sicherzustellen", heißt es dazu vom Vorstand. Zu möglichen Mehrkosten für den Turmbau durch die Probleme will sich die Stiftung derzeit nicht äußern. Wann und wie es weitergeht, ist offen. "Wir hoffen, so schnell wie möglich", sagt Wieland Eschenburg.