Parteien wollen Gesetz gegen Hass im Internet kippen

 Das Satiremagazin "Titanic"

Foto: Titanic

Das Satiremagazin "Titanic" darf wieder twittern. Derzeit passiert das im Namen von CSU-Politiker Alexander Dobrindt, der in Deutschland gerade seine Idee von einer "konservativen Revolution" ventiliert.

Parteien wollen Gesetz gegen Hass im Internet kippen
"Vermurkst": Die vorübergehende Sperrung des "Titanic"-Accounts offenbart laut FDP, Linken und Grünen die Schwächen des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes. SPD-Fraktionschefin Nahles hingegen findet: "Das Gesetz ist gut."

Nach der Sperrung des Twitter-Accounts des Satiremagazins "Titanic" fordern Politiker von FDP, Grünen und Linken die Abschaffung des Gesetzes gegen Hass im Internet. Das Gesetz sei "vermurkst und gehört durch ein ordentliches ersetzt", sagte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer der "Welt am Sonntag". Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, warnte vor der "Gefahr des Overblockings" durch die neuen rechtlichen Bestimmungen. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles verteidigte dagegen das Gesetz.

Beer erklärte, die vergangenen Tage hätten eindringlich gezeigt, dass private Anbieter nicht in der Lage seien die richtige Entscheidung darüber zu treffen, ob eine rechtswidrige, eine satirische oder eine geschmacklose, in einer Demokratie aber zu ertragende, Meinungsäußerung vorliege. "Wir brauchen die sachgerechte Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden zur Durchsetzung des Rechts auch im Netz, nicht die Privatisierung dieser Entscheidungen bei internationalen Plattformbetreibern", betonte sie.



Linken-Fraktionschefin Sarah Wagenknecht kritisierte, das Gesetz "schlägt allen rechtsstaatlichen Grundsätzen ins Gesicht". In einem Rechtsstaat müssten Gerichte und nicht private Unternehmen darüber entscheiden, was rechtswidrig sei, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). "Deshalb unterstützt die Linke Initiativen, dieses Gesetz wieder zu kippen."

Nach den Worten von Grünen-Chefin Simone Peter offenbart die Sperrung des Twitter-Accounts der Titanic "Schwächen des mit viel zu heißer Nadel gestrickten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes". "Denn offensichtlich ignorierte Twitter, dass es sich bei der Titanic um ein Satiremagazin handelt", sagte sie der "Welt am Sonntag". Es sei nicht hinnehmbar, dass ein US-amerikanisches Unternehmen wie Twitter die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland beeinflusse.

Peter hob hervor, dass die Grünen "eine klare, rechtsstaatliche Alternative zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz im vergangenen Jahr vorgelegt" hätten. Dabei sollten Plattformen wie Twitter in die Pflicht genommen werden, ohne dass ihnen dabei die Richterrolle zukomme. Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Notz, erklärte, die Sperrung des Twitter-Accounts der Titanic zeige "deutlich die Gefahr des Overblockings durch viel zu kurze Löschfristen und unbestimmte Rechtsbegriffe, die wir im Gesetzgebungsverfahren deutlich kritisiert haben".

SPD-Fraktionschefin Nahles nahm das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in Schutz. "Das Gesetz ist gut und richtig und muss umgesetzt werden", sagte sie der "Bild am Sonntag". "Wir müssen mehr Verantwortung ins Internet bringen, das ist kein rechtsfreier Raum." Mit Zensur habe das nichts zu tun.

Twitter hatte den Account von "Titanic" in der vergangenen Woche für mehr als 48 Stunden gesperrt. Zuvor hatte das Satiremagazin mehrere satirische Beiträge unter dem Namen der AfD-Politikerin Beatrix von Storch getwittert. "Titanic" griff dabei einen Tweet Storchs auf, in dem die Bundestagsabgeordnete laut Medienberichten von "barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden" geschrieben hatte: Das Magazin wiederholte diese Äußerungen in einem parodistischen "Gasttweet" der AfD-Politikerin. Die "Titanic"-Parodie wurde später wie schon zuvor Storchs Original-Tweet von Twitter geblockt.

Die Redaktion des Satiremagazins macht das NetzDG für die Blockaden verantwortlich. Das Gesetz verpflichtet soziale Netzwerke zu einem schärferen Vorgehen gegen strafbare Inhalte im Netz und gilt seit 1. Januar in vollem Umfang. Die Kritiker befürchten vor allem, das die Plattformen gemeldete Beiträge aufgrund der hohen drohenden Bußgelder voreilig löschen. Eine Sperrung von Accounts sieht das NetzDG allerdings nicht vor.

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