Hamburger St. Nikolai soll Zentrum für zeitgenössische Orgelmusik werden

Rund drei Millionen Euro soll die neue Orge in der Kirche St. Nikolai  in Hamburg kosten.

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Die bisherige Orgel steht auf der rechten Empore, ihr Prospekt greift das in Hamburg beliebte Motiv des Schiffsbugs auf und wird auch für Konzertveranstaltungen genutzt.

Rund drei Millionen Euro soll die neue Orgel der St. Nikolai Kirche in Hamburg kosten, 2020 könnte sie eingeweiht werden - ehrgeizige Pläne für eine Orgel, die auch Musik spielen können soll, die erst noch geschrieben werden muss.

Ungewohnte Klangerlebnisse will die Hamburger Hauptkirche St. Nikolai (Klosterstern) künftig ihren Besuchern bieten. Die neue Orgel soll vor allem auf zeitgenössische Kompositionen ausgerichtet sein. Geht es nach den Wünschen von Kirchenmusikdirektor Matthias Hoffmann-Borggrefe, so wird die St. Nikolai-Hauptkirche künftig führend für moderne Musikwerke sein, "wie sie es immer gewesen ist". Anfang 2018 beginnt die Finanzierungskampagne für die Orgel. Auftakt ist ein Benefiz-Konzert am 23. Februar in der Elbphilharmonie.

Derzeit klingen die Töne der Nikolai-Orgel nicht so sauber, wie sie sein sollten. Die Pfeifen haben technische Mängel, die Windladen müssen ausgetauscht werden, und die elektrischen Verbindungen von Spieltisch und Pfeifen sind mangelhaft. Wenn die Hamburger City-Kirchen ihren traditionellen Orgel-Sommer anbieten, fehlt St. Nikolai regelmäßig. Hoffmann-Borggrefe: "Da kann man keinen Organisten einladen."

Die Orgel gilt als Mutter aller Tasteninstrumente, ist aber auch ein Blasinstrument. Wie das funktioniert, erklärt der Landeskirchenmusikdirektor der Evangelisch-reformierten Kirche, Winfried Dahlke.

Die Vorgängerkirche St. Nikolai in der Hamburger Innenstadt, das heutige Mahnmal St. Nikolai, hatte mit über 5.800 Pfeifen einst die größte Orgel Hamburgs. 1943 fiel sie Bombenangriffen zum Opfer. 1966 wurde in der neuen Hauptkirche im Stadtteil Harvestehude das Instrument aus der Orgelwerkstatt Willi Peter (Köln) eingeweiht. Die Orgel galt mit ihren Obertönen und Viertelton-Intervallen als kirchenmusikalische Besonderheit für moderne Kompositionen. Der Orgelprospekt in Form eines Schiffsbugs steht unter Denkmalschutz und soll auch nicht verändert werden.

Daran will Kirchenmusikdirektor Hoffmann-Borggrefe wieder anknüpfen. Die neue Orgel soll ein vielfältiges Schlagwerk erhalten, so dass über die Tasten auch Tomtoms, Snare Drums, Pauken und Röhrenglocken angestimmt werden können. Rund 100 Register soll das neue Instrument haben. Damit könnten auch Werke von Bach und Mendelssohn-Bartholdy gespielt werden, sagt der Nikolai-Kantor. Prädestiniert sei die Nikolai-Orgel allerdings für Musik, "die erst noch geschrieben werden muss".

Rund drei Million Euro muss die Gemeinde sammeln. Zehn Prozent sind bei Baubeginn fällig. Ein Fundraiser wurde bereits eingestellt. Vor allem Stiftungen und Großspender sollen angesprochen werden, schließlich wohnen im Gemeindegebiet auch viele wohlhabende Menschen. Außerdem wird für Pfeifenpatenschaften geworben. Beauftragt wurde mit dem Bau die Orgelwerkstatt Philipp Klais in Bonn, die auch die Orgel in der Elbphilharmonie gebaut hat. Im Jahr 2020 könnte die Orgel eingeweiht werden.

Auf der Orgel der Elbphilharmonie soll auch das Benefizkonzert zum Auftakt der Spendenkampagne erklingen. Elbphilharmonie-Organistin Iveta Apkalna beginnt ihr "Late-Night-Konzert" am 23. Februar um 23 Uhr. Zu hören sind Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) bis Philip Glass (80). Die Karten kosten zwischen 50 und 300 Euro - einschließlich Sektempfang.