Stimmen aus der Kirche zu Neujahr

Heinrich Bedford-Strohm hält in der Dresdner Frauenkirche seine Neujahrspredigt

epd/Matthias Rietschel

Zum Jahreswechsel haben führende Vertreter der großen Kirchen zu Zuversicht und Engagement, aber auch zum Widerstand gegen bedrohliche gesellschaftliche Tendenzen aufgerufen.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warnte vor einem Rückfall in den Nationalismus. Zudem dürfe Religion nicht für Gewalt und Unterdrückung missbraucht werden. Papst Franziskus kritisierte an Neujahr die "zersetzenden Banalitäten des Konsums". Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sprach sich für mehr Demut und Dankbarkeit aus.

Es gelte, "den Blick auf die Fülle des Lebens" zu lenken, sagte der bayerische Landesbischof im traditionellen ZDF-Fernsehgottesdienst am Neujahrstag in der Dresdner Frauenkirche. Dies sei "vielleicht das Wichtigste im Deutschland des Jahres 2018, einem reich gesegneten Land, in dem dennoch Knappheitsgefühle und Verlustangst überhandzunehmen drohen". Viele Menschen spürten: "Mit einem Leben, in dem der materielle und der berufliche Erfolg an der ersten Stelle stehen, verpassen wir das Eigentliche", betonte Bedford-Strohm.

Neben Bibelworten gewährten vor allem Erfahrungen mit Menschen "einen neuen Blick auf die Fülle und das Glück des Lebens". So könne ein Gespräch mit einem sozial benachteiligten Menschen "eine Schule der Demut" sein, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Die persönliche Begegnung mit Benachteiligten rege dazu an, nachzudenken, "wofür ich dankbar bin und was ich wirklich brauche, um zufrieden zu sein".

Kardinal Marx sagte an Silvester im Münchner Liebfrauendom, Fundamentalismus und Fanatismus machten ihm vor allem im Islam Sorgen. Nie mehr dürfe Religion zum Instrument des Hasses pervertiert werden. Deutschland habe vor vier Jahrhunderten im Dreißigjährigen Krieg in einem schrecklichen Bürgerkrieg erleben müssen, wie Religion benutzt worden sei zum Kampf gegeneinander und zur Herrschaft über andere. Eine Aufgabe für Christen sei deshalb, Europa als "Kontinent des Friedens" zu erhalten.



Papst Franziskus rief die Menschen dazu auf, "unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt". Wenn sie den Wert des Schweigens neu entdeckten, bewahrten sie ihre Freiheit vor den "zersetzenden Banalitäten des Konsums und der Betäubung durch Werbung", sagte Franziskus bei einer Messe zum katholischen Weltfriedenstag im Petersdom.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnte vor Eingriffen in das menschliche Erbgut und vor einer Aufweichung des Abtreibungsverbotes. Es dürfe kein Leben nach dem Baukasten-Prinzip geben, sagte Woelki laut Redetext am Sonntag im Kölner Dom. Menschen mit Krankheiten und Behinderungen gehörten zum Leben und in unsere Gesellschaft. "Wir können uns an den Möglichkeiten verheben, die wir uns erschließen, und tun dies auch."